Ein Blick in die Historie Dem Gemeinwohl verpflichtet

Der Hauptsitz der Sparkasse inmitten von Fürstenfeldbruck hat seit seiner Entstehung gemischte Gefühle bei den Bruckern hinterlassen. Nicht wegen der Geschäftspolitik des Geldinstituts, sondern weil den Bruckern die Architektur nicht gefällt.

(Foto: Johannes Simon)

Bei ihrer Gründung waren Sparkassen wie die in Fürstenfeldbruck Selbsthilfeeinrichtungen, die es den Kunden ermöglichen, ihr Geld sicher zu verwahren. Die Entwicklung zur Universalbank erfolgte später

Von Gerhard Eisenkolb

Bei ihrer Gründung waren Sparkassen ebenso wie die genossenschaftlichen Volksbanken Selbsthilfeeinrichtungen. Als kommunaler Zweckbetrieb boten sie ihren Kunden die Möglichkeit, Geld anzusparen. Benötigte der Sparer später Geld, erleichterte ihm sein Guthaben, einen Kredit zu bekommen. Seit ihrer Gründung haben Sparkassen wie die Fürstenfeldbrucker eine zweite Wurzel, das ist ihr kommunaler Hintergrund. So ging von Kommunalverwaltungen und deren im Stadt- und Gemeinderat vertretenen Bürgern in der Regel die Initiative zur Gründung aus. Und die Kommune stand als Träger ihres Geldinstituts lange in der Haftung. Erst dieser kommunale Hintergrund machte Sparkassen zu dem, was sie jetzt sind: das in ihrer jeweiligen Region häufig dominierende Geldinstitut, mit einer engen Verbundenheit zur Bevölkerung, wie sie andere Banken nicht haben.

Auch wenn die Kommunen als Träger inzwischen nicht mehr für die wirtschaftlichen Risiken ihrer Sparkasse haften, gibt es weiterhin eine Verflechtung von kommunalpolitischen und wirtschaftlichen Interessen einer Region sowie den Interessen von Sparkassen. Obwohl Sparkassen seit den Siebzigerjahren viele ihre Privilegien wie Steuervorteile verloren haben, sind aus der Gründerzeit einige Dinge geblieben. Beispielsweise der Anspruch, dem Gemeinwohl zu dienen.

So sind der Sparkassenvorstand und der Verwaltungsrat laut dem Bayerischen Sparkassengesetz immer noch "öffentliche Behörden". Beamte gibt es im Sparkassenwesen allerdings schon lange nicht mehr. Gerade der soziale oder Gemeinwohlaspekt wird immer wieder betont. Dazu meint Klaus Knörr, Vorsitzender der öffentlich-rechtlichen Bank in Fürstenfeldbruck, dass jede Zeit neu zu definieren habe, wie eine Sparkasse dem Gemeinwohl diene. Infolge des harten Wettbewerbs zwischen Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen würden Bankkunden in Deutschland entlastet, weil deren Dienstleistungen billiger seien als in anderen europäischen Ländern.

Überwacht werden die Sparkassen noch immer von Kommunalpolitikern und Vertretern der regionalen Wirtschaft, die im Verwaltungsrat sitzen. Im Vorsitz des Verwaltungsrats wechseln sich im Halbjahresturnus Landrat und Brucker Oberbürgermeister ab. Über die Vergabe von Großkrediten entscheidet nicht der Vorstand, sondern der Verwaltungsrat.

Die Sparkassen wuchsen mit der Förderung des Spargedankens. So erhielten Generationen von Volks- oder Grundschülern vom Geldinstitut ihrer Gemeinde ein Sparbuch mit einem kleinen Geldbetrag und eine Sparbüchse oder ein Sparschwein. Beim sogenannten Schulsparen, woran sich pensionierte Sparkassenmitarbeiter noch gut erinnern, wurde die Sparbüchse im Beisein eines Sparkassenmitarbeiters geleert, der Betrag in Listen eingetragen und dem Sparbuch gutgeschrieben. Das diente mehreren Zielen. Der Förderung des Sparsinns und der Vermögensbildung breiter Bevölkerungskreise und der Akquise von späteren Kunden.

Für den Brucker Sparkassenchef Klaus Knörr ist denn auch der "soziale Gedanke" der Ausgangspunkt für die Gründung der Sparkasse in Fürstenfeldbruck im Jahr 1883 gewesen. Der Vorstandsvorsitzende spricht vom "Notstand" breiter Bevölkerungsschichten in der Folge der Industrialisierung und der Entstehung des Arbeitermilieus. Weil es vorher keine Bank für "kleine Leute" in der Stadt Fürstenfeldbruck gab, wie er sagt, hätten diese auch keine Möglichkeit gehabt, ihr Erspartes anzulegen. Das Geld musste nicht mehr im Sparstrumpf verwahrt, also versteckt werden. Wegen der Zinsen, die ein Sparbuch früher brachte, wuchs das Guthaben sogar noch an.

Es gibt wesentlich ältere Sparkassen als die in Fürstenfeldbruck, über deren Gründung der Magistrat erstmals 1836 verhandelt hatte. Als die Brucker Sparkasse dann in einem zweiten Anlauf fast 50 Jahre später gegründet wurde, hatte der überwiegende Teil der Bevölkerung, also Arbeiter, Bauern und ärmere Schichten, hier noch gar keinen Zugang zu Banken. Diese waren an solchen Kleinkunden oder Habenichtsen auch nicht interessiert, weil an ihnen nichts zu verdienen war. Schließlich zogen es Privatbanken damals vor, mit den Vermögenden, also mit Kaufleuten, Adeligen, Großgrundbesitzern und Industriellen Geschäfte zu machen.

Auch wenn diese Zeiten längst vorbei sind und Sparkassen als Universalbanken inzwischen ähnliche Finanzprodukte anbieten wie andere Banken und Mitbewerber auch, ist der Gründungsmythos von der Sparkassen als Geldinstitut der breiten Bevölkerung geblieben. An diese Zeit knüpft laut Knörr auch die freiwillige Selbstverpflichtung von Sparkassen an, zumindest auf Guthabenbasis Konten für sozial Schwache zu führen. Inzwischen ist jedem der Zugang zu einem Girokonto garantiert. Knörr berichtet auch von "Pfändungsschutzkonten" von Sparkassenkunden, deren Gläubiger nicht auf das Konto zugreifen können. "Bankenwirtschaftlich" lohne sich das nicht.

Die zweite große Wachstumsphase, auch der Sparkasse in Fürstenfeldbruck, war dann die Abschaffung der Lohntüten zu Beginn der Sechzigerjahre. Also das Ende der Auszahlung des Lohns an Arbeiter und Angestellte in bar und die damit verbundene Einführung von Girokonten. Wer vorher schon ein Sparbuch bei der Sparkasse hatte, ließ nun auch sein Gehalt dorthin auf ein neu eingerichtetes Girokonto überweisen.

Ausdrücklich bezeichnet Knörr die Gewinnmaximierung, wie sie für marktwirtschaftliche Unternehmen gilt, nicht als das eigentliche Geschäftsziel der Sparkasse. Hier gehe es daher nicht um möglichst hohe Renditen, sagt er, sondern um die Daseinsvorsorge der Bevölkerung. "Wir haben kein Rentabilitätsziel als Kernaufgabe", beteuert der Vorstandsvorsitzende. Stattdessen verweist er auf den öffentlichen Auftrag, wie er im Sparkassengesetz festgelegt ist. Im Vergleich mit anderen Banken und Sparkassen fallen die Gewinne der Brucker Sparkasse relativ niedrig aus, was von Kritikern als einer der Gründe für die Fusion mit Dachau und Landsberg am Lech angeführt wird.

Gewinne muss eine Sparkasse trotzdem machen, um sich Wettbewerb zu behaupten und um wachsen zu können. Letzteres ist laut Knörr nur möglich, wenn die Sparkasse zur Absicherung ihres steigenden Geschäftsumfang über das entsprechende Eigenkapital verfügt. Die einzige Möglichkeit das Eigenkapital zu erhöhen, bestehe darin, den Überschuss aus dem Gewinn diesem Grundstock zuzuführen. Mit dieser Begründung lehnt es die Brucker Sparkasse übrigens ab, einen kleineren Teil ihrer Gewinne an ihre kommunalen Träger für gemeinnützige Zwecke abzuführen, was laut Sparkassengesetz möglich wäre.

Der öffentliche Auftrag beinhaltet laut Knörr vor allem die kreditwirtschaftliche Versorgung der Bevölkerung im regional begrenzten Verbreitungsgebiet einer Sparkasse. Nur wird dieser öffentliche Auftrag nicht mit öffentlichen Mitteln erfüllt. "Wir haben nie Mittel vom Träger erhalten", beteuert der Vorstandsvorsitzende.

Die beiden Träger sind der Landkreis und die Stadt Fürstenfeldbruck, weshalb der Landrat und der Brucker Oberbürgermeister abwechselnd den Sparkassenverwaltungsrat leiten, also das Aufsichtsgremium des Geldinstituts, in dem neben Vertretern der lokalen Wirtschaft noch Kommunalpolitiker sitzen. Diese enge Verknüpfung von Kommunalpolitik und Geschäftspolitik gibt es nur bei den Sparkassen. Geregelt ist dieses Miteinander ebenfalls durch die Vorgaben des Sparkassengesetzes.

Im Unterschied zu Banken kann die Sparkasse laut ihrem Vorstandsvorsitzenden Knörr nur wachsen, wenn sie zur Absicherung ihres steigenden Geschäftsumfangs über das entsprechende Eigenkapital verfügt. Großbanken können sich das entsprechende Kapital über den Aktienmarkt besorgen, sofern sie Anleger finden, die bereit sind, das Risiko zu tragen, und damit entsprechende Renditeerwartungen verbinden.