Eichenau Ein Fest für alle

Bei Pfefferminztee, Couscous und Käsekuchen lernen sich Eichenauer aus unterschiedlichen Nationen kennen. Bürgermeister Jung hofft, dass es die Veranstaltung auch künftig geben wird

Von Anna Blazek

Schon im Vorraum der Josef-Dering-Grundschule in Eichenau hört man die Trommeln aus der Turnhalle rhythmisch pochen. Auf Tischen stehen runde und eckige Keramikformen, Plastikschüsseln, Kuchenbleche voller internationaler Gerichte. Es gibt peruanischen Maisauflauf, türkisches Börek, Frühlingsrollen, Couscous- und Reissalate, gefüllte Weinblätter und vieles mehr. Auf dem Schulhof werden Reisgerichte aus Sri Lanka verkauft. Der würzige Geruch gefüllter Teigtaschen vermischt sich mit dem von frischem Kaffee und Kuchen.

Eine Tänzerin zeigt einen Fächertanz aus Vietnam.

(Foto: Johannes Simon)

Es ist bereits das dritte Fest der Kulturen, das die Gemeinde Eichenau seit der Gründung des Referates für Integration und Migration vor sechs Jahren veranstaltet. Neben dem internationalen Buffet gibt es eine abwechslungsreiche und bunte Bühnenshow mit Musik, Tanz und Vorträgen aus vielen verschiedenen Ländern der Welt. Hubert Jung, der Eichenauer Bürgermeister, ist begeistert. Die bunte Vielfalt und die Mischung aus Information und Unterhaltung sei wunderbar, er sei sehr zufrieden, dass so viele Gäste gekommen sind und die Halle beinah voll ist.

In der Turnhalle sind die Fenster mit beigen Stoffbahnen verhangen, es ist dunkel, ein paar Lampen tauchen die Halle in angenehmes Licht. In der Luft klebt der Geruch von Pfefferminze. Der kommt vom Stand des Eichenauer Pfefferminzmuseums, das für einen guten Zweck marokkanischen sowie traditionell deutschen Pfefferminztee verkauft. In einem kleinen Pavillon sitzen Gäste auf Lederkissen am Boden und nippen an ihren gläsernen Teetassen. "Wir sind ja eigentlich keine Ausländer, sondern eher richtig urige Bayern", sagt Wolfgang Heilmann, der im Vorstand des Fördervereins des Pfefferminzmuseums sitzt. "Aber dann haben wir gedacht, dass auch Pflanzkultur eine Kultur ist und uns überlegt, dass wir Tee aus den Eichenauer Pfefferminzpflanzen anbieten können."

Auf der Bühne wird mittlerweile nicht mehr getrommelt, stattdessen zeigen sechs Frauen in bunten weit schwingenden Kleidern peruanische Tänze. Das Publikum ist bunt gemischt, alte Leute, junge Familien und Kinder sind da. Die Menge klatscht begeistert zur Musik, Kinder laufen zwischen den Tischen auf und ab. Djeneba Dembele kommt ursprünglich aus Mali und wohnt in Eichenau. Sie war schon die letzten beiden Male beim Fest der Kulturen. "Ein internationales Fest für alle zusammen, das gefällt mir sehr", sagt sie mit einem breiten Lächeln.

Einige Hilfsprojekte haben in der Turnhalle Infostände aufgebaut. Der Fürstenfeldbrucker Verein "Aktiv für Afrika", den Lothar und Marianne Ortmann vor fünf Jahren gegründet haben, setzt sich für ein Dorf in Ghana ein. Sie verkaufen selbst gemachte Taschen, Schals und Perlentiere, um in dem Dorf, dem durch den Verein bereits eine Wasserversorgung ermöglicht wurde, demnächst auch noch Fotovoltaikanlagen bauen zu können.

Auch Hilfsprojekte für Kinder in Kamerun und der Ukraine finden in der Halle ihren Platz. Hubert Jung indes hofft, dass es das Fest der Kulturen in Eichenau noch lange geben wird. Wegen der Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr ist noch nicht sicher, ob sich auch in Zukunft jemand findet, der sich um die Organisation des Festes kümmern kann. "Ich finde es sehr wichtig, dieses Fest beizubehalten", sagt Jung. "Man kann andere Leute und andere Sitten kennenlernen. Es leistet einen Beitrag zur Völkerverständigung und ermöglicht den Blick über den Tellerrand hinweg."