Chris Jagger in Gernlinden Anders als die Stones
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Rhythmische Melange aus Bluesrock, Cajun, Zydeco, Folk und Country: Der britische Musiker Chris Jagger spielt mit seiner Band "Atcha" bei Beer & Guitar im Gernlindener Bürgerzentrum.
Auch Geschwisterliebe kennt Grenzen. Steigt einer höher auf, kommt Neid schon mal vor. Und wenn die Band des Bruders weltweit Rockgeschichte schreibt, denkt man schnell an Kain und Abel. So ist es aber bei Chris Jagger nicht. Der jüngere Bruder von Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger ist Vergleiche gewohnt, wenn er sie auch nicht gerne hört. So füllten die Stones vor sechs Jahren mal wieder das Münchner Olympiastadion, während Chris Jagger am Freitag im Rahmen der Beer & Guitar-Reihe der Brauerei Maisach mit seiner Band im Bürgerzentrum Gernlinden auftrat. Obgleich dazwischen schon fast Dimensionen liegen, darf man eines nicht vergessen: Manche Musik spielt sich einfach besser im intimen Rahmen.
Im Fall von Chris Jagger's Atcha, wie sich das britische Quartett um den 64-jährigen Bruder von Mick Jagger nennt, ist das eine rhythmische Melange aus Bluesrock, Cajun, Zydeco, Folk- und Countrymusik. Was ausgeschrieben einer verworrenen Fremdsprache gleicht, klingt musiziert einfach lauter als Eric Clapton, schneller als Johnny Cash und auf jeden Fall anders als die Rolling Stones. Dazu passt als Support auch Special Guest Phil Vetter mit seinen Songs über Kindheitshelden wie Indiana Jones oder Captain Future und die allererste Lord Extra mit Freunden im Wald. Nur Vetter und seine Gitarre mit Gute-Laune-Lagerfeuerliedern, rustikaler Romantik und sonst nicht viel Drumherum.
Ähnlich ungezwungen halten es dann auch Chris Jagger und seine Musiker-Truppe bestehend aus den Brüdern Malcolm (Schlagzeug) und Jim Mortimer (Bass) sowie Charlie Hart, die seit 1994 zusammen Musik machen. Letzterer ist gemeinsam mit Jagger, der zwischendurch gerne zur Mundharmonika greift, eine Art Band-Chamäleon und überrascht mit Solo-Einlagen an Keyboard, Ziehharmonika und E-Geige. Inmitten dieses wilden musikalischen Potpourris ertönt Jaggers rustikale Country-Stimme, die eine familiäre Südstaaten-Atmosphäre à la "Sweet Home Alabama" aufkommen lässt.
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Da will man gleich klatschen, mitwippen und tanzen. Manche Titel erklingen ganz im Stile britischer Folkmusik in zügigem Tanztempo, mit eingängiger Melodie und anstachelnden Instrumentalparts. Hier kommt auch immer wieder Jaggers Waschbrett zum Einsatz, das der breit gefächerten Musik-Palette der Gruppe eine ganz spezielle Akustik hinzufügt. Hin und wieder verschmelzen in diesem "Country-Funk-Blues-Thingy-Chingy", wie Jagger den Musikstil seiner Band zusammenfasst, harsche Gitarrenriffs gar mit Anflügen von Swing. Und dann sind da natürlich die rauchig-rockigen Blues-Balladen, in denen es, wie es sich gehört, um die Handicaps des Verliebtseins, verflossene Liebschaften und die Liebe an sich geht.
Zum Finale gibt es dann noch einmal eine nahezu ekstatische Kombination aus allem, was Chris Jagger's Atcha so zu bieten haben. Je schneller das Tempo desto losgelöster springt Chris Jagger dabei über die Bühne, findet immer wieder seinen Weg ins Publikum und spornt seine Zuschauer zum Mittanzen an. Berührungsängste kennt Jagger nicht, tanzen kann er auch nicht wirklich. Spielt aber auch keine Rolle, wenn einer mit so viel Leidenschaft bei der Sache ist. Man kann wohl nicht umhin, Chris Jagger mit seinem exaltierten Rockstar-Bruder zu vergleichen. Dabei ist er so gar nicht wie Mick. Und eigentlich auch nicht vergleichbar.