Bloggerin Ein Leben ohne Müll

Lebt im Einklang mit ihren Werten: Aline Pronnet mit Thermobecher, Brotzeitdose und Wasserflasche.

(Foto: Günther Reger)

Seit einem Jahr versucht Aline Pronnet, jeglichen Abfall zu vermeiden. Dafür schleppt sie Behälter mit sich herum und macht Butter selber.

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Kastanien zum Wäschewaschen und Olivenöl zum Abschminken? Klingt ganz schön exotisch, um nicht zu sagen: nach dogmatischem Ökofanatismus. Stimmt aber nicht. Natürlich steckt eine gehörige Portion Umweltbewusstsein dahinter, wenn jemand so unkonventionell seinen Alltag gestaltet. Bei Aline Pronnet geht die Liebe zur Umwelt sogar noch weiter. Seit einem Jahr versucht sie, keinen Müll zu produzieren. Etwa genauso lange bloggt sie darüber. Doch die 25-Jährige deshalb als Ökotussi zu beschreiben, würde völlig in die Irre führen. Sie trägt weder selbstgestrickten Schlabberlook noch klobige Schuhe. Ganz im Gegenteil: Wie sie da mit dem roten Mäntelchen und den langen dunklen Haaren daherkommt, macht es fast den Eindruck, als würde die gebürtige Fürstenfeldbruckerin ihrer Lieblingsfigur aus der Kindheit nacheifern: "Schneewittchen".

Kürzlich hat auch das ZDF-Magazin "Mona Lisa" einen Beitrag über Aline Pronnet gezeigt. Es ging um den Münchner Supermarkt "Ohne", der alles ohne Verpackungen anbietet. Die Studentin der Kunstgeschichte ist seit ihrem Umzug nach München dort Stammkundin. Als solche, die obendrein im Internet über ihr Leben ohne Müll (neudeutsch "Zero Waste") berichtet, kommt sie in dem Beitrag auch zu Wort. Natürlich bedürfe ein abfallfreies Leben einer gewissen Vorbereitung, sagt sie und holt aus der großen Korktasche zwei Gläser; darin ist der Tee aus dem "Ohne". In dem Laden gibt es aber auch Nudeln und Reis zum Abfüllen, Seife statt Shampoo für die Haare oder Tabletten statt Zahnpasta.

Wer ohne Verpackung einkaufen will, braucht Gläser und Flaschen in verschiedenen Größen, dazu Beutel aus Jute und Tüll für Obst, Gemüse oder die Brezel am Morgen. Aline Pronnet, die seit kurzem Vorsitzende des Brucker Vereins Subkultur ist, zeigt diese Behälter in ihrem Blog (www.aufdiehand.wordpress.com). In dem widmet sie sich klar gegliedert und mit anschaulichen Fotos unterschiedlichen Themen, vom "Kaffee to go" unterwegs bis zum Waschen des Gesichts mit Honig. In einem Beitrag erklärt die 25-Jährige, wie man an verpackungsfreie Butter kommt: Sahne in einem verschlossenen Behälter so lange schütteln, bis sich die Butter absetzt. Der Rest ist immer noch Sahne - aber mit weniger Kalorien. "So etwas wussten unsere Großmütter noch." Pronnet ist von der verblüffend einfachen Herstellungsweise begeistert. Oder Frischkäse: einfach Naturjoghurt in einem Tuch abtropfen lassen. Fertig. "Das sind so Dinge, die würden, glaube ich, auch viele Leute machen, wenn sie wüssten, wie es geht."

Ach ja, das "Problem" mit den Heißgetränken unterwegs: Für die Kunsthistorikerin ist es kein Problem, in ihrer großen Handtasche kommt auch noch ein Thermobecher unter. (Den hat sie in zwei Größen. Der Größere ist zwar aus Plastik, aber sie hat ihn schon seit 13 Jahren - vom Disneyland Paris, geziert mit "Grumpy" aus Schneewittchen.) Dass ihr jemand den Becher nicht auffüllen wollte, sei noch nie vorgekommen. "Genauso beim Metzger", da freue man sich auch eher, wenn man Müll vermeide und damit auch den Verkäufern helfe, weniger Verpackung zu verbrauchen. Gelegentlich bekomme sie den Kaffee aus diesem Grund sogar etwas günstiger, verrät sie. Und wenn sie irgendwo darum bittet, dass man ihre Wasserflasche mit Bügelverschluss auffüllt, "habe ich noch nie irgendwo Geld zahlen müssen". Deshalb ist es für Aline Pronnet, die seit einigen Jahren im Theater 5 in Fürstenfeldbruck mitwirkt, schwer nachzuvollziehen, weshalb nicht mehr Leute zumindest manche Dinge aus ihrer Lebensführung übernehmen. "Wenn ich mir unterwegs eine Flasche Wasser kaufe, kostet das wieder Geld und die Flasche habe ich dann auch, die ich mit mir rumschleppen muss." Das Argument mit dem Geldsparen, hofft die Bloggerin, werde noch manche Nachahmer für ein verpackungsfreies Leben gewinnen.

Doch anderen Leuten vorzupredigen, wie sie es besser machen können, liegt der jungen Frau nicht. "Ich sage ja nicht, dass ich der Messias bin", jeder müsse für sich selbst entscheiden, was ihm im Leben wichtig sei und ob und wo er verzichten möchte. Sie selbst würde sich auch gar nicht als besonders umweltbewusst beschreiben. "Ich würde sagen, dass ich aufgewachsen bin, wie alle in meiner Generation." Freilich präge die Mülltrennung, wie man es im Landkreis kenne, oder der Besuch einer Agenda-21-Schule, wie es das Viscardi-Gymnasium ist. Der "Ohne" um die Ecke mache es ihr auch leichter, Müll zu vermeiden, räumt sie ein. Und dann nennt sie stolz ihre Bilanz von einem Jahr müllfrei: 328 Gramm Plastikmüll, das Volumen von acht Rollen Klopapier hat Aline Pronnet seit Februar 2016, verursacht. Zum Vergleich: Im Landkreis fiel 2014 pro Einwohner 191 Kilogramm Hausmüll an.