Bejubeltes Historienspiel Die Brucker Urkatastrophe

Anlässlich des Klosterjubiläums wird das Historienspiel "Ludewig der Strenge" im Stadtsaal aufgeführt. Das Publikum zeigt sich begeistert.

Von Klaus Mohr

Beim Historienspiel "Ludewig der Strenge" ist es ähnlich wie bei Passionsspielen: Alle Beteiligten auf der Bühne und im Zuschauerraum kennen die zugrunde liegende Geschichte, und doch hat es immer wieder einen besonderen Reiz, eine Aufführung zu besuchen. Zum vierten Mal seit 2004 wurde die Gründungslegende des Klosters Fürstenfeld auf der Grundlage des "vaterländischen Trauerspiels Ludwig der Strenge" von Ludwig Wilhelm von Langnau aus dem Jahr 1766 in der Bearbeitung von Yvonne Brosch am vergangenen Wochenende auf der Bühne des Stadtsaals gezeigt.

Susanne Muhr als Maria von Brabant und Michael Althauser als Ludwig der Strenge mit dem Steckenpferd seines Mündels Konradin.

(Foto: Günther Reger)

Am Ende dauerte es einen Augenblick, bis die Betroffenheit einem lang anhaltenden Applaus mit Bravo-Rufen wich. Das emotionale Element des Miterlebens und Mitleidens dürfte der entscheidende Beweggrund sein, warum sich bei Zuschauern Begeisterung einstellt, die bei einem reinen Spektakel an der Oberfläche bliebe.

Alles kreist in diesem Historienspiel um die Person Ludwigs des Strengen, den Michael Althauser absolut souverän verkörperte. Seine kraftvolle Diktion, die durch das Sprechtempo, die Lautstärke und den Sprachfluss nuanciert an die Situation angepasst wurde, bildeten die Grundlage für packende Szenen auf der Bühne, mit starken Gefühlen und voll Intensität. Seine Körpersprache und die Gesten ließen ihn die Pole seiner Empfindungen, blinden Hass und bedrückte Zerknirschtheit, ganz beeindruckend glaubhaft in seine Rolle hineinlegen.

Ihm stand Maria von Brabant (gespielt von Susanne Muhr) gegenüber, die Herzog Ludwig in vielerlei Hinsicht als selbstbewusste Frau gegenübertrat: Sie begab sich zwar demütig, doch mit innerer Erregtheit in ihr unabwendbares Schicksal, forderte ihren Mann jedoch an zentraler Stelle auf, sie durch seine Hand und nicht die eines Henkers sterben zu lassen. Hier wurde die Freiheit des Autors in der konkreten Ausformung von Charakteren deutlich, denn nach anderen Legenden ließ Ludwig seine Frau hinrichten, ohne sie zuvor anzuhören.

Dafür wird hier Schuld in gewisser Weise umgelenkt: In Breithorst (Winfried Hübner), einem Oberst aus dem Heer des Herzogs, begegnet dem Zuschauer ein ausgemachter Bösewicht, der durch sein Doppelspiel den Handlungsverlauf maßgeblich beeinflusst und die Katastrophe letztlich nach verletzter Eitelkeit aus Rache bewusst herbeiführt. Das Spiel mit der Mimik geriet ihm zum Spiegelbild seiner Seele. Leider konnte er die sprechtechnischen Anforderungen an einen professionellen Schauspieler nur unzureichend erfüllen, wodurch manche Textpassage lediglich in Umrissen verständlich war. Auch bei anderen Protagonisten wäre es erforderlich gewesen, die Textpassagen mittels sanfter elektronischer Verstärkung in der Lautstärke anzuheben.

Durch die Tatsache, dass das Geschehen um den Mord an Maria von Brabant dramaturgisch eingerahmt wurde von zwei Szenen, in denen Ludwig der Strenge aufrichtig seine Tat bereut und den Papst um Vergebung bittet, wurde die Integrität seiner Person letztlich wiederhergestellt. Damit wurde die Sichtweise des letzten Fürstenfelder Abtes Gerard Führer bekräftigt, der in seiner Chronik schreibt, dass "es Gott eigen ist, aus Bösem etwas Gutes zu ziehen".

Für die Einfühlung der Zuschauer in die Zeit des Mittelalters leisteten die etwa fünfzig Laiendarsteller einen bedeutenden Beitrag. Sie standen einerseits vital für das pralle Leben des Volkes, verhalfen andererseits Adel und Klerus zu einer lebendigen Ergänzung des gewaltigen Bühnenbildes, das von Andreas Arneth entworfen wurde. Dazu dienten auch die optisch sehr ansprechenden und passenden Kostüme, liebevoll hergestellt von Barbara Buchwald-Stummer und Eva Behmer.

Die Lichtregie blieb unauffällig, so dass die gesetzten Effekte umso klarer wahrgenommen werden konnten: An der Stelle, an der Herzog Ludwig seine Entscheidung traf, wurde es im Saal hell, womit der Eindruck entstand, als ob die Zuschauer hier bewusst ins Geschehen hineingeholt werden sollten. Nach der innigen Rede Marias färbte sich die Bühne rot, quasi als Symbol für die Farbe des Blutes.

Der Musik, einstudiert von Julio Miron, kam im Historienspiel vor allem eine gliedernde Funktion zu: Die je zwei Trompeten und Posaunen sowie der Trommler waren auf einer Seitenempore postiert und markierten in passenden Kostümen Zäsuren im Handlungsverlauf. Trotz ihres modernen Instrumentariums trafen sie den archaischen Duktus weltlicher Musik des Mittelalters sehr gut. Ostinat wiederholte Rhythmen und der Verzicht auf Klänge mit Terzen vermittelten die dafür charakteristische statische Leere.

Eine weitere musikalische Ebene waren die Stellen im Stück, an denen der Tod eines Menschen durch würdevoll schreitende Bläserchoräle im Stil der Renaissance stimmungsmäßig adäquat aufgefangen wurde. Inhaltlichen Bezug zur Klostergründung hatte die Mönchsschola, einstudiert von Günter Bilsing im Habit der Zisterzienser, die jeweils am Anfang und am Ende der Aufführung andächtig über die Bühne zog und dabei die gregorianische Totensequenz "Dies irae" deklamierte.