Ausstellung im Tower des Fliegerhorsts Unerforschtes Attentat

´Stetiges Erinnern geboten`: Die Grünen beantragen im Bundestag Geld für eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Olympia-Anschlags von 1972.

Von Erich C. Setzwein

Die Bundesregierung soll die wissenschaftliche Aufarbeitung des Olympia-Attentats von 1972 durch den Landkreis Fürstenfeldbruck finanziell unterstützen. Dies fordert die Grünen-Fraktion im Bundestag. Landrat Thomas Karmasin (CSU) freut sich über die Unterstützung, auch wenn noch nicht feststeht, wann der Antrag behandelt und wie darüber entschieden wird.

Die Landeshistorikerin Angelika Schuster-Fox ist derzeit die einzige Wissenschaftlerin, die der Landkreis mit der Ausarbeitung einer Ausstellung über die Opfer des Massakers vom 5. September 1972 in Fürstenfeldbruck beauftragt hat. Das Budget ist sehr knapp bemessen, Förderung hat der Landrat dafür weder beim Freistaat noch beim Bund beantragt. Außerdem überarbeitet Schuster-Fox die Broschüre, die 1999 zur Aufstellung des Gedenksteins veröffentlicht worden ist. Darin wird die Historikerin auch jene Erkenntnisse einarbeiten, die erst durch Öffnung von bislang unzugänglichen Archiven ans Licht gekommen sind. Alles habe nur einen "relativ kleinen Umfang", sagt Karmasin. Die Ausstellung umfasst zum Beispiel die Biografien der israelischen Opfer und des getöteten bayerischen Polizisten. Sollte nun wider Erwarten aus Berlin Geld fließen, "könnte man es etwas größer aufziehen", sagt Karmasin.

Die Bundestagsabgeordneten der Grünen, unter ihnen auch Beate Walter-Rosenheimer aus Germering, argumentieren, dass die historische Erforschung des Attentats im Interesse Deutschlands sei. Fürstenfeldbruck, so Walter-Rosenheimer, leiste mit dem Denkmal vor dem Fliegerhorsttor und den Gedenkveranstaltungen "wertvolle Erinnerungsarbeit". Trotzdem sehen sie den Bund in der Pflicht: "An diesen schrecklichen Vorfall müssen wir nicht nur stetig erinnern, sondern auch endlich die Hintergründe des Massakers erforschen." Dazu müsse der Bund das Geld bereit stellen. Wie viel nötig ist, um diese Aufgabe zu bewältigen, das kann momentan noch niemand abschätzen.

Wohl nicht zu erfüllen sein wird laut Karmasin der ebenfalls in dem Antrag geäußerte Wunsch, die für September geplante Ausstellung bereits in vier Wochen zu zeigen, während die Olympischen Spiele in London laufen. Bisher ist geplant, dass die Ausstellung nach der Gedenkveranstaltung im Fliegerhorst zunächst im Landratsamt zu sehen ist. Die Grünen aber wollen die Wanderausstellung bereits im Juli in öffentliche Einrichtungen bringen. "Da würden wir uns ordentlich ranhalten müssen", sagt Karmasin, der sich aber nicht auf einen früheren Termin festlegen wollte: "Das ist praktisch gar nicht zu schaffen." Sowohl die historische Aufarbeitung als auch eine Wanderausstellung seien etwas für die Zukunft, meint der Landrat. Ohnehin hatte sich bis zur Ankündigung Karmasins vor gut vier Wochen niemand außerhalb des Landratsamtes Fürstenfeldbruck öffentlich über eine Gedenkveranstaltung oder die wissenschaftliche Begleitung geäußert.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz Ende Mai äußerte sich der israelische Generalkonsul in München, Tibor Shalev Schlosser, zum Verhalten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Schlosser kritisierte scharf, dass IOC-Präsident Jacques Rogge eine Schweigeminute für die Opfer von 1972 während der Eröffnungszeremonie in London abgelehnt habe. Bislang ist nur eine Gedenkveranstaltung im früheren Londoner Rathaus vorgesehen. Die Grünen fordern in ihrem Antrag die Bundesregierung nun auf, sich sowohl beim Deutschen Olympischen Sportbund als auch beim IOC für ein öffentliches Gedenken einzusetzen, das über die geplante Veranstaltung hinausgehe.