Ausbau der S4 Kandidaten für ein viertes Gleis

Bewerber für den Bundestag widersprechen Verkehrsminister

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Der bayerische Verkehrsminister hat vor drei Jahren erklärt, es reiche, die Linie S 4 um ein drittes Gleis bis Eichenau auszubauen. Joachim Herrmann (CSU) erklärte damit die Aussagen der Experten in der Staatsregierung sowie bei der Deutschen Bahn für obsolet, die bis dahin stets erklärt hatten, es brauche vier Gleise, nur ein zusätzliches Gleis wäre Flickschusterei. Widerspruch kommt jetzt im Wahlkampf nicht nur von Grünen, Linken und SPD, sondern auch aus den eigenen Reihen. Bei den Biergartengesprächen der Bürgerinitiative "S 4-Ausbau jetzt" erklärten Katrin Staffler, Direktkandidatin der CSU im Wahlkreis Bruck-Dachau, sowie Stephan Pilsinger, ihr Kollege für München-West, vier Gleise seien besser als drei, teilte die Initiative mit.

Die Bürgerinitiative hatte Kandidaten der im Bundestag vertretenen vier Parteien aus beiden Wahlkreisen eingeladen, um deren Positionen zum Ausbau der S 4 und zu Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehrs kennenzulernen. Das Ergebnis zeigt, dass die Bewerber von CSU, Grünen, Linken und SPD in ihren Forderungen in hohem Maße übereinstimmen: Alle sind für einen Ausbau der S-Bahn und würden sich im Bundestag erreichen wollen, dass die Regierung mehr Geld dafür zur Verfügung stellt.

Die CSU-Kandidaten forderten zudemeinen Ausbau der Station Fürstenfeldbruck zur Haltestelle für Regionalzüge. Pilsinger möchte außerdem die U-Bahn bis Freiham verlängern und einen S-Bahn-Ring um München. Beides würde die S 4 entlasten. Michael Schrodi (SPD) forderte, den Investitionsstau zu beenden, womit er die Große Koalition und damit seine eigene Fraktion kritisierte. Er wandte sich gegen eine Privatisierung solcher Projekte. Sein Parteifreund Bernhard Goodwin aus dem Münchner Westen stellte fest, dass München wegen seines überproportionalen Wachstums auch mehr Geld benötige. Es dürfe nicht alles in den Bau der zweiten Stammstrecke fließen, warnte der SPD-Kandidat.

Wie ihre CSU-Konkurrenten bezeichneten die SPD-Politiker den geplanten dreigleisigen Ausbau bis Eichenau als nicht ausreichend. Vor dem Hintergrund, dass es sich um das Teilstück einer Fernverkehrsstrecke in die Schweiz handelt, sei das eindeutig nicht zukunftsfähig, monierte Schrodi. Er warb außerdem für mehr Tangentialverbindungen, Expressbusse, Fahrradschnellwege und - irgendwann - eine Gratisnutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

Die Grünen-Bundestagabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer aus Fürstenfeldbruck und Dieter Janecek aus München wollen den aktuellen Bundesverkehrswegeplan "aushebeln", der ihrer Ansicht nach die Aufstockung der Finanzmittel für den Schienenverkehr behindert. Im Zweifel müssten Straßenbaupläne gestoppt werden, um das Geld für die Schiene zu verwenden, forderte Janecek. Gleichwohl setzten sich die beiden Grünen-Politiker für dafür ein, Elektroautos zu fördern. Im ländlichen Raum sollten Miet-Elektrowagen angeboten werden, erklärte Walter-Rosenheimer. Der Ausbau der S 4 müsse sofort beginnen, forderte Janecek. Die Kandidaten der Linkspartei, Renate Schiefer aus Fürstenfeldbruck und Dominik Lehmann aus München, wollen den Bau des zweiten S-Bahntunnels in München stoppen. Die Kosten-Nutzen-Analyse sei manipuliert, es wäre sinnvoller, das Geld für einen Nord- und einen Südring und den S-4-Ausbau auszugeben.