Asylbewerber Mehr Flüchtlinge für die Kreisstadt

SZ-Grafik; Quelle: Landratsamt Fürstenfeldbruck, Foto: Stadt FFB/ Luftbildverlag Bertram

Unterkunft für weitere 300 Asylbewerber auf dem Fliegerhorst soll zwei zunächst in Germering geplante Projekte ersetzen. Zudem könnte aus der Dependance der Bayernkaserne eine vollwertige Erstaufnahmestelle werden

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Auf dem Gelände des Brucker Fliegerhorsts sollen etwa 300 zusätzliche Asylbewerber, die das Erstaufnahme-Prozedere bereits hinter sich gebracht haben, einquartiert werden. Ein Grund dürfte sein, dass die zuständige Regierung von Oberbayern verstärkt Liegenschaften des Bundes nutzen will, die mietfrei zur Verfügung gestellt werden. Zudem könnte die Dependance der Bayernkaserne im Süden des Fliegerhorsts zur vollwertigen Asyl-Erstaufnahmestelle ausgebaut werden und damit die Münchner Einrichtung nach deren Schließung zumindest teilweise ersetzen.

Brucks Zweiter Bürgermeister Erich Raff (CSU) informierte am Montag die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats und bezog sich dabei auf ein Gespräch mit Landrat Thomas Karmasin (CSU). Weil sich die Projekte in der ersten, noch recht vagen Planungsphase befinden, kennt freilich auch das Landratsamt noch keine Details. Gleiches gilt nach Worten eines Sprechers für die Bundeswehr, bei der bislang noch keine diesbezüglichen Anfragen vorliegen. Nach SZ-Informationen soll die Unterkunft für 300 Asylbewerber im Fliegerhorst zwei zunächst in Germering geplante Vorhaben ersetzen: die Traglufthalle am Aubinger Weg sowie die Erweiterung der seit vielen Jahren bestehenden Unterkunft am Starnberger Weg.

Raff zeigte sich am Dienstag auf Nachfrage der SZ wenig begeistert. Die Kreisstadt stehe zwar zu ihrer Willkommenskultur. Und rein rechnerisch müsste sie - jenseits der Erstaufnahmeeinrichtung - auch noch 114 Asylbewerber aufnehmen, um das vom Landkreis zugewiesene Kontingent von 424 Menschen zu erfüllen. Eine weitere zentrale Unterkunft auf weiteren Teilen des Fliegerhorsts sei aber nicht im Sinne der Stadt - die auch mit Blick auf die Integration dezentrale, kleinere Einheiten bevorzugt. Am Freitag erhofft sich Raff von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand genauere Informationen. Dann will der amtierende Brucker Bürgermeister auch klären, welche Auswirkungen die aktuelle Entwicklung auf den Bedarf für Schulen und Kitas hat und wo genau die 300 Menschen überhaupt untergebracht werden sollen. Die Regierung prüft offenbar verschiedene Bereiche auf dem Fliegerhorst, so auch von Flächen in direkter Nachbarschaft der bestehenden Erstaufnahmestelle, will sich aber zu Details nicht äußern. Das ans Gewerbegebiet Hasenheide grenzende Gelände im Nordwesten des Militärareals ist dafür aber offenbar nicht vorgesehen. Dieses hatte der Bezirk vor einigen Monaten untersuchen lassen. Dabei ging es allerdings um eine mögliche Kurzzeit-"Verweileinrichtung", in der bis zu 2000 Menschen für ein bis drei Tage vor der Weitervermittlung in eine Erstaufnahmestelle aufgenommen werden könnten - nach dem Vorbild der für 5000 Menschen ausgelegten Einrichtung auf dem Erdinger Fliegerhorst. 13 Flugzeughangars, die sogenannten Shelter mit ihren halbrunden Dächern aus dickem Beton, dürften sich ohne großen Aufwand umrüsten lassen. Die meisten der Shelter stehen zurzeit leer, nachdem der Grundbesitzer, die bundeseigene Immobiliengesellschaft (Bima) die Verträge mit privaten Pächtern zum Jahresende gekündigt hatte. Zusätzlich könnten Container aufgestellt werden, hieß es im Herbst in einer Einschätzung. Weil in Erding bislang die Kapazitäten aber noch nicht ausgeschöpft sind, verschwanden die Pläne für eine solche Kurzzeit-Einrichtung in Fürstenfeldbruck im Herbst zunächst wieder in der Schublade.

Von Hillenbrand erwartet sich Raff auch Aufklärung über das Thema Erstaufnahmestelle. So plant die Regierung dem Vernehmen nach nicht nur, die Zahl der Plätze in der südlich an den Fliegerhorst angrenzenden Unterkunft, wie vereinbart, von derzeit 1100 (800 davon sind aktuell belegt) auf 1600 aufzustocken. Vielmehr soll die Einrichtung zu einer vollwertigen Erstaufnahmestelle aufgewertet werden. Dafür würden dann zusätzliche Räume für ergänzende Einrichtungen benötigt - für die Registrierung oder auch die medizinische Erstuntersuchung, die bislang in der Münchner Bayernkaserne erfolgten. Die Regierung interessiert sich unter anderem für Gebäudetrakte der Bundeswehr im Osten der Erstaufnahmestelle rund ums ehemalige Unteroffiziersheim. Die Räume dort werden derzeit unter anderem vom Flugmedizinischen Institut genutzt.

Ende des Jahres laufen die Verträge für die Bayernkaserne aus. Dort will die Landeshauptstadt Wohnungen bauen. Unklar ist noch, ob es der Bezirksregierung doch noch gelingt, München eine weitere Vertragsverlängerung abzuringen. Gelingt dies nicht, wäre Fürstenfeldbruck für die Bezirksregierung mit Blick auf eine möglichst "wirtschaftliche und sparsame Haushaltsführung" (Regierungssprecher Martin Nell) eine ernstzunehmende Option, die ebenso wie andere Liegenschaften des Bundes einer sehr eingehenden Prüfung unterzogen wird. Denn der Bund stellt eigene Liegenschaften seit 2015 für die Unterbringung von Asylbewerbern mietfrei zur Verfügung und zahlt auch noch für Umbaumaßnahmen.

In der Kreisstadt registriert man solche Begehrlichkeiten mit gemischten Gefühlen. Die Stadt hat sich von der Regierung von Oberbayern vertraglich zusichern lassen, dass die vor eineinhalb Jahren unter großem Zeitdruck eingerichtete Asyl-Erstaufnahmestelle spätestens zum 31. Dezember 2018 wieder aufgelöst wird. Solche Pläne könnten zur Makulatur werden, sofern die Regierung bis dahin keine Alternative gefunden hat.