Archäologie Ein Stück Geschichte nachgebaut

Bastelarbeiten beim archäologischen Verein: Vom Sommer an wird ein Modell der vor kurzem gefundenen römischen Villa rustica gezeigt.

Von Stephanie Till

Wenn von archäologischen Funden die Rede ist, kann man sich als Laie selten etwas unter den Beschreibungen der ausgegrabenen Bauwerke vorstellen. Nachdem im Sommer des vergangenen Jahres im nördlichen Gewerbegebiet Hasenheide die Reste einer römischen Siedlungsstelle gefunden wurden, entschloss sich der Historische Verein Fürstenfeldbruck, den Bürgern die Gelegenheit zu bieten, sich selbst ein Bild machen zu können. In Zusammenarbeit mit dem Archäologen Hans-Peter Volpert wurde ein maßstabsgetreues Modell der hölzernen Villa gebaut.

In Modellgröße: In einer solchen Villa lebten die Römer in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Johannes Simon)

Es steht fest, dass die ausgegrabenen Gebäudereste aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus stammen und somit der früh-römischen Zeit angehören. Da es sich bei dieser Epoche, um eine kaum erforschte Zeit handelt, ist der Fund besonders wertvoll. In 500 Arbeitsstunden baute Volpert das hölzerne Gebäude in einem Maßstab von 1:60 nach. Das gefundene Haus hat einen Grundriss von 18 mal 28 Meter und besitzt einen hohen Mittelteil von 12 mal 22 Meter, der den Eindruck einer Halle vermittelt. Wie genau die Zimmeraufteilung und die genaue Ausgestaltung des Hauses im Inneren ausgesehen haben, ist reine Spekulation. "Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie das Gebäude konkret ausgesehen haben könnte. Wir haben uns bei dem Modell schließlich für die charakteristische und wahrscheinlichste entschieden", verriet Hans-Peter Volpert. Dazu gehören unter anderem eine Schindeldeckung (auf eine solche weist die Vielzahl der gefundenen Eisennägel hin), unterschiedliche Wandaufbauten (Flechtwerk und Spaltbohlen) und ein offener und geschlossener Umgang. Dadurch können gleich verschiedene Varianten in einem Modell gezeigt werden.

Bei der offiziellen Vorstellung des Modells am Dienstag im Vereinshaus freute sich auch Zweiter Bürgermeister Johann Schilling über die archäologischen Ausgrabungen: "Ich bin sehr stolz auf den Fund und das Modell. Die Ausgrabungen haben gezeigt, dass Fürstenfeldbruck nicht erst seit der Erbauung des Klosters gewachsen ist. Mit dem Modell wird das Museum ein tolles neues Ausstellungsstück bekommen."

Die Nachbildung soll gemeinsam mit den Fundstücken in diesem Sommer im Stadtmuseum in der Abteilung für Vor- und Frühgeschichte ausgestellt werden. Besonders Vereinsvorsitzender Otto Meißner kann es kaum erwarten, das Modell im Museum zu sehen. "Es fehlen uns noch ein paar Kleinigkeiten, wie zum Beispiel eine Vitrine und ein Sockel, aber dann können alle Bürger den Fund betrachten."

Die Villa Rustica, wie sie in den letzten Monaten unter den Brucker Bürgern bekannt wurde, ist allerdings nicht das einzige Gebäude, das bei den Ausgrabungen entdeckt wurde. Und genau genommen, erklärte Volpert, handelt es sich auch nicht um eine Villa Rustica, da entscheidende Merkmale wie zum Beispiel eine Badestelle nicht gefunden werden konnten. Viel mehr handelt es sich um eine Siedlungsstelle. Und von der hofft das Archäologen-Team im Frühjahr, wenn der Schnee getaut ist und die Ausgrabungen fortgesetzt werden, noch mehr zu finden. Bis jetzt hat die Stadt für die Ausgrabung einen sechsstelligen Betrag bezahlt. Der Bau des Modells kostete rund 5000 Euro und wurde durch Spenden der Sparkassen-Stiftung, des Landkreises, der Grundstücksentwicklungsgesellschaft Hasenheide Nord und der Stadtstiftung Fürstenfeldbruck finanziert.