Am Steuer Am schwierigsten ist die Theorie

Die Papierfragebögen für die theoretische Fahrprüfung sind inzwischen durch elektronische auf Tablets ersetzt. Leichter ist die Prüfung dadurch aber nicht geworden.

(Foto: Mauritius/oh)

In Bayern fallen immer mehr junge Leute durch die Führerscheinprüfung. Fahrlehrer im Landkreis sehen jedoch keinen Anstieg. Sie empfehlen, schon mit 16 mit dem Autofahren zu beginnen

Von Katharina Knaut, Fürstenfeldbruck

Für die Abkürzung des Kennzeichens FFB gibt es viele wenig schmeichelnde Ausführungen. "Fahrer fährt blind" oder "Fünf Flaschen Bier" sind nur zwei davon. Dieses schlechte Bild rücken die heimischen Fahrlehrer nun zurecht, zumindest für die angehenden Fahrer. Während in Bayern die Durchfallquote von Fahrprüflingen 2016 mit 34 Prozent in der theoretischen, 25 Prozent in der praktischen Prüfung so hoch ist wie seit zehn Jahren nicht mehr, sind die Zahlen im Landkreis eher unterdurchschnittlich.

Allerdings setzt sich auch hier der Trend fort, dass in der theoretischen Prüfung mehr scheitern als in der Praxis, wobei das auch geschlechterabhängig ist. "Bei der Theorie fallen mehr junge Männer durch", sagt Carola Weidel von der Fahrschule Leitner, die Fahrunterricht in Puchheim und Germering anbietet. Von ihren Prüflingen fallen 30 Prozent in der Theorie, 15 in der Praxis durch. Die gleiche Erfahrung macht auch Torsten Brandt von der Fahrschule Brandt, die in Puchheim und Fürstenfeldbruck vertreten ist. "Die theoretische Prüfung ist vor allem Lernsache und die Jungs sind oft zu faul. Die Mädchen sind fleißiger." Er und Weidel warnen davor, die theoretische Prüfung auf die leichte Schulter zu nehmen. "Die Theorie ist in den vergangenen fünf Jahren viel anspruchsvoller geworden", sagt Weidel. Das Lernen der Theorie läuft mittlerweile ausschließlich elektronisch, meist über eine App. Darin sind alle der über 1000 Fragen enthalten, die für den normalen B-Führerschein geprüft werden können. Der Fragenkatalog gilt für ganz Deutschland. Darunter finden sich Fragen über die Länge des Bremsweges, die Bedeutung von Schildern oder Videos, in denen konkrete Fahrsituationen nachgestellt und Verhaltensweisen abgefragt werden. Diese Fragen unterliegen einem ständigen Wandel, werden regelmäßig ausgetauscht und aktualisiert. "Alle sechs Monate kommt ein Update ", erklärt Weidel.

Die hohe Komplexität erschwert vor allem fremdsprachigen Fahrschülern das Bestehen der theoretischen Prüfung. Zwar stehen in den Apps und in der Prüfung elf Sprachen zur Verfügung, darunter auch Arabisch. Das reich aber nicht immer aus. Die Theoriestunden werden zudem auf Deutsch abgehalten, was das Verständnis zusätzlich erschwert. Diese Erfahrung hat Brandt in seiner Fahrschule gemacht. "In Puchheim habe ich viele kurdische Schüler aus dem Nordirak." Ihnen falle das Verständnis oft schwer, da ihre Sprache nicht auf dem elektronischen Programm zur Verfügung stehe und sie auch in den Theoriestunden nur schwer mitkämen.

Den Grund für das Scheitern in der praktischen Prüfung sehen die Fahrlehrer im Versagen der Nerven. Der Schwerpunkt der Fahranfänger liegt bei jungen Leuten im Alter von 17 bis 25 Jahren, teilt das Landratsamt mit. Vor allem die hohen Kosten des Führerscheins sind eine Belastung. "In diesem Alter wird er oft noch von anderen bezahlt", sagt Weidel. So steige der Druck, kostenintensive Verlängerungen zu vermeiden. Trotzdem befürwortet sie, möglichst jung mit dem Führerschein anzufangen. Am besten schon mit sechszehneinhalb Jahren, dem frühest möglichen Zeitpunkt. "Da ist der Lerndruck noch nicht so groß und man hat noch ein Jahr, in dem man von einem Erwachsenen begleitet wird." Mit 17 Jahren kann man die Fahrerlaubnis frühestens erwerben, fahren darf man bis zum 18. Geburtstag nur in Begleitung. Dadurch fahre man mit 18 sicherer, als wenn man gleich alleine im Auto sitze.

Allerdings kann es dadurch auch zu Verwirrungen kommen. Viele Begleitpersonen führen seit Jahren Auto und seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Verkehrsregeln, sagt Brandt. Aus diesem Grund plant er, Eltern einmal im Monat zu einer Theoriestunde einzuladen. Um das Wissen zu vermitteln, das ihre Kinder für die Prüfung lernen müssen.