Am S-Bahnhof Buchenau Lokführer stoppt - zur Freude der Fahrgäste

Eine S-Bahn der Linie 4 muss im Bahnhof Buchenau halten, weil ein Notarzt gerufen wurde. Die Pendler stellen sich auf einen längeren Aufenthalt ein, bis ein Regionalzug kommt, der sonst dort nur durchfährt.

Von Peter Bierl

Umsichtig reagiert hat der junge Lokführer einer S-Bahn am Mittwochvormittag an der Haltestelle in der Buchenau. In dem Zug, der fahrplanmäßig um 8.44 Uhr aus Geltendorf ankam, war eine Frau ohnmächtig geworden. Die Bahn blieb an der Haltestelle Buchenau stehen, um auf den Notarzt zu warten. Der nachfolgende Regionalzug aus dem Allgäu hielt außerfahrplanmäßig in der Buchenau und nahm Fahrgäste auf, die mit der S-Bahn nach München fahren wollten.

Der Normalfall bei den vielen Verspätungen und Störungen im S-Bahnverkehr ist, dass Fahrgäste spät, falsch oder unzureichend informiert werden. Oder die Inhalte von Lautsprecherdurchsagen widersprechen denen der Anzeigetafeln an den Bahnhöfen. Am Mittwoch in der Buchenau lief es anders und geradezu optimal. Der Lokführer informierte schon bei der Einfahrt in den Bahnhof über den Notfall und die Verspätung und forderte etwaige Ärzte oder Krankenschwestern unter den Pendlern auf, sich zu melden. Wenige Minuten nach der S-Bahn hielt der Regionalzug, die Fahrgäste wurden darauf hingewiesen, dass sie damit weiterreisen könnten, der Zug aber nur in Pasing und München halten werde. Der S-Bahnfahrer war inzwischen aus dem Zug gestiegen, kümmerte sich um die Frau, die inzwischen das Bewusstsein wieder erlangt hatte, beantwortete auf dem Bahnsteig Fragen von verunsicherten Fahrgästen und wechselte immer wieder in seinen Führerstand für Durchsagen.

Kaum waren die Notärzte auf dem Bahnsteig angelangt, stellte sich heraus, dass eine Weiche zwischen Bruck und Buchenau gestört war, so dass das Gleis mit dem Zug aus der Gegenrichtung belegt war. Die Abfahrt werde sich noch um einige weitere Minuten verzögern, weil der Gegenzug aus Bruck erst in der Station Buchenau einfahren müsse, teilte der Lokführer mit, wodurch die neuerliche Verzögerung für alle Bahnfahrer nachvollziehbar blieb.

Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn AG stehen den Lokführern in solchen Situationen bestimmte "Sprach-Bausteine" zur Verfügung, die sie entweder selbst sprechen oder als automatische Ansage einschalten können. Bestimmte Situationen würden in der Ausbildung trainiert, darüber hinaus sei Eigeninitiative gefragt. Die zeigte vor einiger Zeit auch ein Lokführer bei einer Störung der S-Bahn in Puchheim. Er machte die Fahrgäste darauf aufmerksam, dass es sinnvoller sei, mit dem Bus nach Gröbenzell und von dort weiter mit dem Zug nach München zu fahren, anstatt auf Busse des Schienenersatzverkehrs zu warten.

Mit solchen Situationen ließe sich dank der neuen Betriebszentrale an der Donnersberger Straße in München, die immer mehr Streckenabschnitte in ganz Bayern kontrolliert, inzwischen besser umgehen, sagte der Bahnsprecher der SZ. Spezielle Fahrdienstleiter, die sogenannten Disponenten, übernehmen die Regie in Störfällen. Ein solcher Fahrdienstleiter sorgte auch für den Halt des Regionalzuges am Mittwoch in der Buchenau. Insgesamt kommt es im Bereich des MVV jedes Jahr zu über 200 Notarzteinsätzen, die mit Verspätungen verbunden sind.