Aktion des Interessenvereins Gröbenzell radelt

Die Teilnehmer müssen ihre Karten bei drei Streckenposten abstempeln lassen, die an dem Rundkurs postiert sind.

(Foto: Günther Reger)

346 Männer, Frauen und Kinder absolvieren die Strecke durchs Graßlfinger Moos

Von Karl-Wilhelm Götte, Gröbenzell

Beim Volksradeln in Gröbenzell stehen am Sonntagmorgen die Radler Schlange. Am Stand des Interessenvereins Gröbenzell (IVG) muss Marina Kinzel die Startkarten im Akkord ausgeben. Kurz nach zehn Uhr hat sie bereits 280 Volksradler bedient. "Es kommt jede Altersklasse von zwei bis 80 Jahren", sagt Kinzel. Auf der Startkarte befinden sich drei Felder, die von den IVG-Streckenposten gestempelt werden müssen, damit die Rundfahrt als erfüllt gilt. Die führt diesmal vor allem ins Graßlfinger Moos. Am Ende sind exakt 364 Radler auf die Strecke gegangen.

Auch Gemeinderätin Anita Rieger, 55, die man unter ihrem Fahrradhelm kaum erkennt, ist wieder dabei. Zusammen mit ihrem Mann Wolfgang Baumgartner, 53, geht sie auf der Strecke. "Wir machen die große Runde über 30 Kilometer", sagt Rieger. "Aber gemütlich." Baumgartner auf seinem Mountainbike könnte wohl auch sportlich radeln, wird sich aber - so sein Versprechen - dem Tempo seiner Frau anpassen. Los geht's, immer den gelben Pfeilen nach, die Rathausstraße zur Kirchenstraße hinunter, dann in den Gröbenzeller Norden. Da will auch Patrick Zückert hin. Er hat wie viele Familien an diesem Tag seine Tochter Theresa in einem Anhänger am Rad und zieht zusätzliche 30 Kilo über die 30-Kilometer-Strecke. Theresa, 15 Monate jung, blickt erwartungsvoll aus dem Anhänger heraus. Neben ihr sitzt der Familienhund, der auch mit auf die Runde geht. Auch Familie Rösch hat ihre Tochter im Anhänger dabei. Zoe ist aber schon fünf Jahre alt und braucht unterwegs Beschäftigung. Sie hat ihr Kuscheltier dabei und Pixi-Hefte zum Anschauen. "Sonst wird's ihr langweilig", sagt Otto Rösch, der noch auf seine Frau Anna wartet, die schnell Geld holt, um die Startgebühr von fünf Euro pro Person zu bezahlen.

Ohne Anhänger sind die drei Marlischeks aus Fürstenfeldbruck gekommen. Die fallen durch ihre Fat-Bikes auf. Das sind Fahrräder mit Reifen, die fast so dick sind wie Autoreifen. Zum Rollen werden die Räder mit Elektromotoren gebracht. "Ohne Motor wäre es zu schwer", sagt Günter Marlischek. Auf 25 Stundenkilometer kämen sie. Die Marlischeks wissen, dass ihre Fahrräder ein Hingucker sind. "Das hat nicht jeder", sagt Ehefrau Manuela stolz. "Ob Schotter oder am Strand - wir fahren auf jedem Untergrund", ergänzt Werner Marlischeck, Günters Bruder. Das Trio ist nicht unbedingt scharf darauf, bei der anschließenden Tombola einen der Hauptpreise - je ein normales Damen- und Herrenfahrrad - zu gewinnen.

Langsam treffen die Frühaufsteher wieder im Ziel ein. Auch Werner Urban ist zurück aus dem Graßlfinger Moos. "Schöne Strecke, wenig Verkehr", lobt er die Organisatoren. Der Leiter des Gröbenzeller Heimat- und Torfmuseums gehört zu den Stammradlern bei der IVG-Veranstaltung. Auch sonst fährt Urban viel Fahrrad. Regnet es nicht, fährt er zweimal in der Woche nach Fürstenfeldbruck und zurück. Auch Gemeinderat Franz Eichiner, 69, gibt gerade seine gestempelte Startkarte am IVG-Stand ab. Eichiner ist ein sportlicher Mensch, der mit Gelenkproblemen in Knie und Schulter kämpft und deshalb vorerst nur Radfahren kann. Unterwegs wurde er von einem Autofahrer angehupt. "Der hat eine Radgruppe an einer unübersichtlichen Stelle überholt", berichtet Eichiner. Er wechselt zum Stand des Gröbenzeller Stadtradelns, wo Bürgermeister Martin Schäfer Wache hält.

Die Gröbenzeller Stadtradel-Aktion unter dem Motto "Spurwechsel" für den Klimaschutz beginnt an diesem Sonntag und dauert bis zum 7. Juli. Rathauschef Schäfer geht voran. Er hat sein kleines Elektro-Dienstauto neben dem Stand platziert und angekündigt drei Wochen aufs Auto zu verzichten und aufs Fahrrad umzusteigen. Das Auto ist verhüllt, der Schlüssel abgegeben. Damit alles glaubhaft abläuft, wird zudem ein Foto vom Kilometerstand des Wagens gemacht.