Fuckuall Wer sich angesprochen fühlt, ist auch gemeint
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Vom Aufkleber zur eigenen Boutique: der Münchner Marco Ziegler ist Erfinder des fuckuall-Styles. Ein SZ-Interview.
Auf Clubtoiletten, Parkbänken und Plakatwänden kleben sie: schwarze Aufkleber mit der schlichten Aufschrift fuckuall. Dahinter steckt das kleine Modelabel von Marco Ziegler, einem Münchner Szenehelden.
Früher kam man nur über eine Webseite an die begehrten fuckuall-Accessoires, seit einem halben Jahr geht es einfacher: im kleinen Laden in der Jahnstraße 6.
Wie ging das alles los mit fuckuall? Am Anfang, im Dezember 2000, gab es nur diese Aufkleber. Tausend Stück auf denen fuckuall draufstand, schon im gleichen Schriftzug wie heute. Die haben wir einfach so gemacht und auf Partys verteilt. Da gab es sofort ein sehr großes Echo, und schnell waren die 1000 Aufkleber weg.
Als Nächstes haben wir ein T-Shirt gemacht. Siebdruck war ja mein Metier, und das Verbreiten von Botschaften hat mich auch schon immer fasziniert. Die Shirts habe ich mit Freunden aus dem Rucksack verkauft, einfach so. Das lief auch sehr gut.
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Und jetzt hast du eine eigenen Shop. Das hat sich auch erst ganz langsam entwickelt. Erst habe ich eine Galerie aufgemacht, für Street Art. Da habe ich zwei Jahre lang jungen Street-Art- und Graffiti-Künstlern die Chance gegeben, ihre Bilder auszustellen.
So etwas gab es in München noch nie, so eine Plattform. Das hat sehr viel Kraft gekostet, denn letztendlich war ich immer der derjenige, der die Miete bezahlen musste, da gab es keine Kulturförderung oder so etwas.
Hat dich das entmutigt? Ja. Aber damals gab es eben auch schon die begehrten fuckuall-Shirts, und weil keiner die Leinwände kaufen wollte, hatten wir irgendwann das Gefühl, Klamotten würden vielleicht leichter gekauft werden als Kunst. Gut, dachten wir, dann zeigen wir die Bilder statt auf Leinwand auf Klamotten, und so hat sich die Galerie in einen Modeladen verwandelt.
Die Künstler blieben die gleichen, meine Freundin studiert Modedesign und kümmert sich um die Schnitte, ich mich ums Layout. Natürlich ist die ganze Sache immer noch idealistisch.
Also zahlt sich das noch nicht so richtig aus? Ach, auszahlen. Es ist ja für mich nicht nur Arbeit, da im Laden, es ist ja eigentlich mein Leben, jeder Tag dort. Wenn man mal richtig strategisch vorgehen würde, investieren und so, dann könnte man mehr aus der Marke rausholen.
Aber die Frage ist: Warum sollten wir das machen? Sollen wir in die Hohenzollernstraße ziehen, dort in einem Jahr tausend T-Shirts verkaufen und dafür die natürliche Entwicklung des Labels aufs Spiel setzen? Das ergibt für uns keinen Sinn.
Jetzt probieren wir, unseren Vertrieb auszubauen, denn nur mit dem Laden hier erreichen wir einfach zu wenige Leute. Wir suchen uns Läden in anderen Städten aus und versuchen, dort unser Sortiment unterzukriegen. In Hamburg eröffnen wir vielleicht bald einen eigenen kleinen Store.