Frühstück an Münchner Schulen Tischlein deckt sich nicht allein

Die Schauspielerin Uschi Glas hilft mit ihrem Verein Brotzeit Schulen, damit diese gesundes Frühstück kostenlos anbieten können.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Weil viele Schüler morgens mit leerem Magen und ohne Pausenbrot kommen, wird an immer mehr Schulen Frühstück angeboten. Ohne die Hilfe von Vereinen und Ehrenamtlichen wäre das nicht möglich. Und das gemeinsame Essen macht nicht nur satt, sondern bewirkt noch sehr viel mehr.

Von Melanie Staudinger

Pasing, 7.30 Uhr morgens: Eigentlich hätten die Schüler der Grundschule am Schererplatz noch eine halbe Stunde Zeit, bis der Unterricht beginnt. Und doch hüpfen die ersten schon gut gelaunt in das durchaus in die Jahre gekommene Schulgebäude. Sie gehen aber nicht in Richtung Klassenzimmer, sondern schnurstracks in den Keller. Dort, in der schuleigenen Mensa, riecht es schon nach Tee und frischem Brot. Gertrud Ziegler wartet auf ihre Schützlinge mit dem Frühstück. Die ehrenamtliche Helferin hat Gurken, Tomaten und Radieschen in kindgerechte Stücke geschnitten, die Äpfel geachtelt und den Saft aus den zwei Liter fassenden Tetrapacks in Glaskannen gefüllt. An der Wand auf dem langen Tisch stehen Käse, Wurst, Marmelade, Honig und Nutella.

Die Kinder tragen sich zuerst in eine Liste ein. "Für die Dokumentation", sagt Ziegler. Das ist aber auch schon alles an Formalia für die Schüler. Dann nehmen sie sich einen Teller und suchen sich ihr Frühstück aus. Die meisten wählen, keine allzu große Überraschung, Nutella und schmieren sie sich großflächig auf ihre Knäcke- und Schwarzbrote. Bezahlen müssen die Kinder aus Deutschland, Ungarn, Frankreich, Bulgarien oder dem Irak nichts dafür.

Lehrer an Münchner Schulen "Ich möchte nicht mit dir tauschen"

Sie kümmern sich ums Essen genauso wie um Englisch-Vokabeln, manchmal sollen sie sogar Ersatzeltern sein. Gerade in der Großstadt wandelt sich das Berufsbild der Lehrer enorm - denn die Gesellschaft wälzt immer mehr Aufgaben auf sie ab.

Es kann nicht sein, dass Kinder hungern

Darum kümmert sich eine Frau, die an diesem Tag bei der Essensausgabe hilft und die die Schüler der ersten bis vierten Klasse zwar nicht wirklich kennen, ihre Eltern dafür mit großer Sicherheit: die Schauspielerin Uschi Glas. Sechs Jahre sind mittlerweile vergangen, als sie erstmals von einem Problem im Radio hörte, an dessen Existenz sie zunächst nicht glauben wollte. An bayerischen Schulen, hieß es damals, litten Kinder Hunger. Sie kämen ohne Frühstück, hätten kein Pausenbrot dabei und brächen manchmal sogar während des Unterrichts zusammen. "Ich dachte, der Beitrag wäre maßlos übertrieben", sagt Glas heute. Ruhe gelassen hat er ihr trotzdem nicht.

Sie schrieb alle Grundschulen in München an, von den gut 130 Rektoren antworteten lediglich 23. Elf von ihnen aber sprachen von massiven Schwierigkeiten mit hungrigen Kindern. "Das kann doch in einer so reichen Stadt nicht sein", sagt Glas. Sie fuhr gemeinsam mit ihrem Mann, dem Unternehmensberater Dieter Hermann, in Baumärkte und besorgte Plastikkisten. In diese Notfallboxen füllte sie Knäckebrot, Müsli, Zwieback und Butterkekse, die sie in die Schulen brachte. Wirklich zufrieden war sie mit der Spontanaktion aber noch nicht. Im Februar 2009 gründete Glas mit ihrem Mann und dem Münchner Rechtsanwalt Harald Mosler schließlich den Verein Brotzeit. Dessen Fahrer beliefern seitdem alle 14 Tage Schulen mit Lebensmitteln aus den Vertriebszentren des Kooperationspartners Lidl.

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Viele Schulen in München sind sanierungsbedürftig, weil die Stadt sie jahrelang vor sich hinmodern ließ. Aber wenn sie mal aktiv wird, dann richtig.

Senioren engagieren sich im Projekt

Die Bilanz lässt sich sehen. In den vergangenen fünf Jahren spendierte der Verein knapp 1,4 Millionen Portionen Frühstück. 122 Schulen werden betreut, nicht nur in München, sondern auch in Hamburg, Heilbronn, Berlin, Leipzig und der Rhein-Ruhr-Region. Alleine in der bayerischen Landeshauptstadt profitieren davon 28 Schulen, unter ihnen die Grundschule am Schererplatz. Die Helfer haben knapp 150 000 Frühstücke ausgegeben - das sind an einem durchschnittlichen Tag etwa 800 Portionen. 105 Senioren engagieren sich momentan in dem Projekt.

Bei all dem (oft berechtigten) Jammern darüber, dass das Essen in Schulmensen eher bescheiden schmeckt, eines darf nicht vergessen werden: Längst geht es in Münchens Schulen nicht mehr nur darum, gesundes Essverhalten zu vermitteln, wie es etwa die Bio-Brotbox-Aktion anstrebt, bei der auch in diesem Schuljahr wieder 600 Jugendliche der Ludwig-Thoma-Realschule in Berg am Laim 27 500 Pausenboxen für Schulanfänger packen.