Friedensaktivist auf Sicherheitskonferenz Allein unter Gegnern

Es ist ein erster, kleiner Schritt": Erstmals darf ein Friedensaktivist zur Sicherheitskonferenz. Thomas Mohr will mit sanften Worten kämpfen.

Von Jan Bielicki

Thomas Mohr war fast immer dabei. Nicht im Bayerischen Hof, da durften Leute wie er nicht hinein, wenn sich die Großen der Welt zur Münchner Sicherheitskonferenz trafen. Mohr war ein paar hundert Meter entfernt. Im Demonstrationszug derer, die gegen die Tagung protestierten, ist der 47-Jährige oft mitgegangen. Oder er gehörte im Alten Rathaus zu denen, die eine eigene "Internationale Münchner Friedenskonferenz" gegen die Sicherheitskonferenz stellten.

Der Konferenzchef und der Kritiker: Wolfgang Ischinger (links) und Thomas Mohr.

(Foto: Foto: oh)

Am nächsten Samstag werden die Polizisten, die den abgeriegelten Promenadeplatz bewachen, Mohr passieren lassen. Ein Plastikkärtchen mit Passfoto um den Hals, wird er durch die Sicherheitsschleusen in die Lobby des Tagungshotels vordringen dürfen. "Es ist ein erster, kleiner Schritt", sagt Mohr, "das darf man nicht überbewerten."

Immerhin: Der Psychologe ist der erste aus der konferenzkritischen Friedensbewegung, der - ohne in ein politisches Amt gewählt zu sein - zur Konferenz zugelassen ist, nicht als Teilnehmer, doch als Beobachter.

Das ist neu und zeigt, dass der seit vergangenem Jahr amtierende Konferenzchef Wolfgang Ischinger mit Kritikern seiner Tagung offener umgeht als seine Vorgänger. Denn bereits seit fünf Jahren versuchen Mohr und ein aus Mitgliedern verschiedener Gruppen der Friedensbewegung bestehender Kreis mit den Konferenzmachern ins Gespräch zu kommen. Ihr Ziel, oder wie sie es formulieren, ihre "Vision" ist es, die Konferenz der Verteidigungs- und Außenpolitiker zu einer "Münchner Konferenz für Frieden in Gerechtigkeit" zu verwandeln. "Wir wollen, dass dort die Instrumente gewaltfreier Krisenprävention ernst genommen werden" - und eben nicht nur, wie Mohr es sieht, "Sicherheitspolitik durch militärische Gewalt gemacht wird".

Während der bisherige Konferenzleiter Horst Teltschik Anfragen der Friedensbewegten brieflich abfertigte, traf sich Ischinger bereits drei Mal mit der Gruppe. "Er hat uns zugehört", lobt Mohr und betrachtet Ischingers Angebot, dabei sein zu dürfen, als "vertrauensbildende Maßnahme in einem beginnenden Dialog".

Das klingt sehr diplomatisch - und ein Aufrührer ist der mit sanften Worten argumentierende Psychoanalytiker Mohr bestimmt nicht. Er kommt aus der kirchlichen Friedensbewegung Pax Christi, gehört den Grünen an und dort der pazifistisch orientierten Minderheit. Dass viele Konferenzgegner ihm vorwerfen, seine Teilnahme werte nur das Image der von ihnen ungeliebten Tagung auf, kann Mohr verstehen.

Aber er sieht auch in der Sicherheitskonferenz vor allem "eine Chance" - etwa dafür, "eine breite Bevölkerung auf die Gefahren der gegenwärtigen Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen" und dagegen "alternative Konzepte vorzustellen". Von ihrem Ziel, das auch im Bayerischen Hof tun zu dürfen, sind er und seine Mitstreiter jedoch noch weit entfernt: "Das wird", sagt Mohr, "ein ganz, ganz langer Weg."