Fremdenhass Pfarrer findet nach Morddrohungen versöhnliche Worte

Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende beim Gottesdienst in der Zornedinger Kirche St. Martin.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Olivier Ndjimbi-Tshiende hat sich in Zorneding mit der zurückgetretenen CSU-Chefin ausgesprochen. Bleiben will er trotzdem nicht. Das Ordinariat stellt klar, warum.

Von Christian Krügel

Der Rücktritt des Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende schlägt noch immer hohe Wellen. Auch im Ort selbst wird intensiv über die rassistischen Morddrohungen gegen den dunkelhäutigen Priester diskutiert, die zu dessen Rückzug geführt haben. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, inwieweit die örtliche CSU und deren frühere Vorsitzende Sylvia Boher Verantwortung für die Eskalation tragen.

Versöhnliche Worte kommen jetzt aber vom betroffenen Pfarrer selbst: In einer Pressemitteilung des Erzbischöflichen Ordinariats erklärt Olivier Ndjimbi-Tshiende, dass er ohne Zorn oder Verbitterung auf seine Jahre in der Pfarrei zurückblicke. "Insbesonders ist ihm wichtig zu betonen, dass er sich mit der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher ausgesprochen und versöhnt habe", heißt es in der Erklärung weiter.

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Warum der Priester das Gespräch jetzt öffentlich macht

Im Herbst 2015 hatte es eine Kontroverse zwischen dem Seelsorger, seiner Gemeinde und der örtlichen CSU gegeben. Dabei ging es unter anderem um die Flüchtlingspolitik. So hatte Boher mit einem Beitrag im Parteiblatt Zorneding Report einen Skandal ausgelöst, in dem sie gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck polemisierte. Dagegen hatte der Pfarrer klar Stellung bezogen, weswegen er von Boher Stellvertreters als "Neger" beschimpft worden war.

Mit dem CSU-Vize hatte sich Olivier Ndjimbi-Tshiende später ausgesprochen, eine Entschuldigung akzeptierte er. Ungeklärt war aber der Konflikt mit Boher, die ihre Äußerungen zwar als "Fehler" bezeichnete, aber nie öffentlich bedauerte. Offenbar gab es schon vor ein paar Wochen ein Gespräch mit der CSU-Parteifunktionärin, das der Priester jetzt öffentlich machte - offenbar auch, um in die Debatte keinen falschen Zungenschlag hinein zu bringen. In Zorneding und in sozialen Netzwerken hatten viele die örtliche CSU direkt für die rassistischen Drohungen gegen den Pfarrer verantwortlich gemacht. Solche Vorwürfe hatten aber weder Olivier Ndjimbi-Tshiende noch das Ordinariat je geäußert.

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"Auf übelste Weise beschimpft, bedroht und diffamiert"

Gleichzeitig verwahrt sich das Erzbischöfliche Ordinariat aber auch entschieden gegen Gerüchte, die derzeit offenbar in Zorneding kursieren. Demnach sollen die Morddrohungen gar nicht der Auslöser für den Rückzug gewesen seien, der Pfarrer habe schon länger über einen Wechsel nachgedacht. Ordinariatssprecher Bernhard Kellner sagte der SZ: "Fakt ist, dass Olivier Ndjimbi-Tshiende auf übelste Weise beschimpft, bedroht und diffamiert wurde." Das sei der Auslöser für das Versetzungsgesuch gewesen, nichts anderes. "Wer andere Dinge in die Welt setzt, versucht, diese rassistischen Bedrohungen zu relativieren", so Kellner.

Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende ist mit sofortiger Wirkung von seinem Dienst beurlaubt worden, welche Aufgabe der Priester künftig übernehmen werde, sei noch nicht geklärt, heißt es aus dem Ordinariat. Nach Zorneding zurückkehren werde der Priester nicht. Eine seit Montag laufende Online-Petition unter dem Motto "Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben" hat mittlerweile fast 66.000 Unterstützer gefunden. Am Abend findet in dem Ort im östlich von München eine Solidaritätskundgebung. Dabei soll eine Lichterkette von der evangelischen zur katholischen Kirche gebildet werden.

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