Zwischen Lerchenfeld und Innenstadt Beengtes Tor zur Altstadt

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Auch als Teil der "Isarvorstadt": Bis die Unterführung am ehemaligen Bahnposten 15 in Freising barrierefrei ist, vergehen wohl noch Jahre.

Von Kerstin Vogel

Bis die Unterführung am ehemaligen Bahnposten 15 zwischen Heiliggeistgasse und Erdinger Straße vollständig barrierefrei nutzbar ist, werden wohl noch etliche Jahre vergehen. Zwar hat der Planungsausschuss des Stadtrats am Mittwoch einen Bebauungsplan mit dem schönen Namen "Isarvorstadt" beschlossen, der auch den Bereich südlich von Bahn und B 11 bis fast zur Luitpoldstraße einschließt. An der Problematik mit dem notwendigen Grunderwerb auf der Stadtseite ändert das jedoch nichts, zumal sich der Ausschuss jetzt auf die in dieser Hinsicht "kniffligere" Variante festgelegt hat.

Die neue "Isarvorstadt" wird auf der Lerchenfelder Seite geprägt sein von dem geplanten Neubau für das Vermessungsamt des Freistaats auf dem bisherigen Parkplatz an der Erdinger Straße. Der städtische Bauhof, der ebenso im Gebiet des Bebauungsplans liegt, soll langfristig verlegt werden. Auf dem Gelände plant die Stadt eine Wohnbebauung, unter anderem mit einem 80 Meter langen Gebäude parallel zur Ottostraße, das für einen gewissen Lärmschutz des übrigen Areals sorgen würde.

Optisch soll das Gebiet in Anlehnung an seine historische Funktion wieder eine Achse mit einem durchgängigen Gestaltungskonzept entlang der Erdinger Straße über die Bahntrasse und die Ottostraße hinweg bis zur Heiliggeistkirche bilden und damit quasi ein weiteres "Tor zur Altstadt" darstellen, hieß es im Ausschuss.

Der derzeit in Teilbereiche aufgesplitterte öffentliche Raum solle künftig als "erfahrbarer Trittstein des Brückenschlags zwischen Lerchenfeld und Freising in Fortsetzung der Alten Isarbrücke" verstanden werden, so die Planer des Architekturbüros Brune. Dies bedeutet eine eher lockere Bebauung, Blickbezüge zum Domberg und eine Ausgestaltung als verkehrsberuhigter Bereich mit den Belägen, die auch für die neue Innenstadtkonzeption verwendet werden.

Was die überfällige Neugestaltung der Unterführung angeht, so hat sich gezeigt, dass von den zuletzt untersuchten beiden Varianten eigentlich nur die westliche in Frage kommt - unter anderem, weil die etwas weiter Moosach-abwärts geprüfte Möglichkeit zweimal verschwenkt werden müsste. Damit wäre ein Teil der Tunnelröhre nicht einsehbar und dunkel, es entstünden "Angsträume", warnt die Polizei.

Die im Ausschuss einhellig als besser bewertete Variante würde aber von der Zufahrt des neben der bisherigen Unterführung an der Ottostraße situierten Geschäftshauses etwa 38 Quadratmeter beanspruchen - doch der Anwalt der Eigentümer hat pünktlich vor der Ausschusssitzung wissen lassen, dass dieser nach wie vor mit keinem Eingriff in sein Privateigentum einverstanden sei, berichtete Stadtbaudirektor Gerhard Koch. Damit aber sei wohl kein "einvernehmlicher Grunderwerb" möglich, so seine Einschätzung: Die Aufstellung des Bebauungsplans mit der vom Ausschuss favorisierten Variante schaffe aber die Rechtsgrundlage für eine Durchsetzung des Projekts "auf andere Weise", deutete er an.

Man sei beim Umbau der Unterführung von der Realität eingeholt worden, sagte Planungsreferent Franz Bernack (FSM) und bedauerte, dass man hier Wahlversprechen nicht schneller habe umsetzen können. "Aber Stadtentwicklung ist in einer gewachsenen Stadt wie Freising eben kein Wunschkonzert." FSM-Kollege Anton Frankl erkundigte sich vorsichtig nach einem "zeitlichen Horizont" und brachte in Erfahrung, dass es mit der vermuteten gerichtlichen Auseinandersetzung vor Augen einige Jahre dauern werde, bis es die barrierefreie Verbindung zwischen Lerchenfeld und der Innenstadt gibt. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher könnte sich vorstellen, Teile der geplanten Umgestaltung auf der Lerchenfelder Seite von 2018 an umzusetzen.

Deutliche Worte fand Linken-Stadtrat Guido Hoyer zu der Auseinandersetzung um den Grundstückskauf. Für ihn sei nicht nachvollziehbar, "dass eine Einzelperson hier wegen 38 Quadratmetern eine ganze Planung verhindert". Seine Hoffnung ruht nun darauf, dass im Gericht "Leute mit Menschenverstand" entscheiden.