Zu viel Verkehr Staufalle Neustift

Die Bewohner des Freisinger Stadtteils sind genervt und machen ihrem Ärger bei der Bürgerversammlung Luft. Mit dem neuen Wohngebiet Steinpark wird die Lage wohl noch schlimmer

Von Kerstin Vogel

- Die Anwohner der Alten Poststraße in Neustift haben die Nase voll - und sie nutzten am Dienstag eine Bürgerversammlung von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, um das auch deutlich zu machen. Seit Jahren schon wälze sich eine anschwellende Verkehrslawine durch den Stadtteil, so der Tenor der Klage. Mit dem neuen Wohngebiet und den Einkaufsmöglichkeiten im Steinpark werde das in den kommenden Jahren voraussichtlich noch schlimmer. Wenn es jedoch an Maßnahmen zur Abhilfe gehe, bleibe es bei Ankündigungen und leeren Versprechungen. Kein Verständnis hatten die Betroffenen deshalb auch dafür, dass der Stadtrat erst kürzlich einen Beschluss, die Alte Poststraße testweise zur Einbahnstraße zu machen, gekippt hat, denn: Auch auf diesen Versuch warten die Anwohner bereits seit mehr als fünf Jahren.

Das Neustifter Problem ist offensichtlich: Wer aus dem Norden Freisings zur Autobahn oder zum Münchner Flughafen möchte, wählt von der B 301 die Abkürzung durch die Alte Poststraße, die für so viel Verkehr jedoch nicht ausgelegt ist. Abends bewegt sich die Lawine in die umgekehrte Richtung. 3700 Fahrzeuge täglich seien dort gezählt worden - und zwar schon im Jahr 2007, wie Anwohner Johann Moosreiner am Dienstag kritisierte. Mit bis zu 1200 neuen Einwohnern im Steinpark komme man locker auf 5000 tägliche Durchfahrten: "Da haben wir dann Stau bis zur Neustifter Kirche - aber die Stadt macht einfach die Augen zu."

Das zumindest ist nicht ganz richtig, denn tatsächlich hat sich der Stadtrat schon im Oktober 2007 mit der Problematik befasst. Damals schon hatten die Anwohner der Alten Poststraße mit einer Unterschriftensammlung die Belastung durch den Durchgangsverkehr beklagt. Auch damals schon hatte die Verwaltung dem Planungsausschuss vorgeschlagen, die Einfahrt in die Alte Poststraße von der B 11 aus zu unterbinden und damit eine "unechte Einbahnstraße" zu schaffen - versuchsweise für drei Monate, um mit Verkehrszählungen die Wirksamkeit testen zu können. Allerdings waren auch vor fünf Jahren schon Bedenken geäußert worden, weil zahlreiche Stadträte den Verdrängungseffekt dieser Maßnahme fürchteten. Neben den Schwierigkeiten für den Stadtbusverkehr war das ein Argument, das auch bei der aktuellen Stadtratsentscheidung gegen die Einbahnstraße angeführt worden war. Die Autofahrer würden dann unter anderem auf die Wendelinstraße ausweichen, so die Sorge.

Deshalb wurde damals wie heute ein Gesamtkonzept für Neustift gefordert, vor fünf Jahren allerdings noch mit dem Verweis auf die geplante Nordostumfahrung, von der man sich unter anderem eine Entlastung für den Stadtteil Neustift erhoffte. Doch abgesehen davon, dass zumindest die Freisinger Autofahrer für die Nutzung der Umfahrung zuerst ein Stück Richtung Norden aus der Stadt raus müssten, ist heute offener denn je, wann diese Umgehungsstraße gebaut wird. Beim Straßenbauamt wird frühestens für April 2013 ein weiterer Erörterungstermin im Planfeststellungsverfahren avisiert; danach sind Klagen zu erwarten, denn die Bürger von Erlau sind mit dem Verlauf der Trasse durch ihre Ortschaft alles andere als einverstanden.

Mehr oder weniger laut wird in Neustift deshalb auch über eine andere Variante nachgedacht: Eine Verlängerung des Wettersteinrings in Richtung Tuching, etwa auf der Trasse der dort bereits verlaufenden Hochspannungsleitung, wie sie ein Bürger auch am Dienstag ins Gespräch brachte. Allerdings würde diese Trasse durch den geschützten Wieswald führen, dürfte mithin kaum umsetzbar sein. Der Werksreferent des Freisinger Stadtrats, Helmut Fischer, hat den Neustiftern am Dienstag zumindest angeboten, mit ihnen gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, die auch für die Stadtbusse tragbar wäre, während Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher nun auf den Einfallsreichtum der Stadtverwaltung setzt.

Das neue Einkaufszentrum im Steinpark soll im kommenden Frühjahr fertig werden. Für den Stadtteil Neustift wird das noch mehr Verkehr mit sich bringen - auch, weil die Neustifter selber wohl hier einkaufen werden.

(Foto: Marco Einfeldt)