"Zeitreise in die Antike" Immer die Götter gnädig stimmen

Eine "Zeitreise in die Antike" haben die Schüler des Freisinger Dom-Gymnasiums unternommen. Markus Koppenberger inszenierte eine Opferzeremonie.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Freisinger Dom-Gymnasium gibt es ein Opferritual, ein Wagenrennen und eine Modenschau. Der Infanterist hat sein Kettenhemd sogar selbst gehäkelt

Von Alexandra Vettori, Freising

Schon mal Yellow Submarine von den Beatles auf Latein gesungen? Doch, das geht, der Refrain hört sich dann so an: Lutea nobis submarina est. Auch alle meine Entchen haben Besucher bei der "Zeitreise in die Antike" am Donnerstag im Dom-Gymnasium angestimmt, Anates sunt meae, quae in lacu nant... "Man kann alles auf Latein lesen und singen", Eva Ascherl, "Latein- und nicht Musiklehrerin", wie sie betonte, war begeistert.

Lateinische Lieder singen war aber nur eine von vielen Stationen, die an dem Tag im Schulhaus aufgebaut worden waren, zum Gaudium von Eltern und Schülern. Den beeindruckenden Anfang erlebten alle gemeinsam im Schulhof, gerufen von Fanfaren, die vom Balkon aus erklangen: ein Opferritual; "die alten Römer haben nichts, aber auch gar nichts getan, ohne die Götter zu befragen und gnädig zu stimmen", erklärte Renate Bernhard-Koppenberger als römische Priesterin. Die Altphilologin war mit ihrem Mann, dem experimentalarchäologisch gesinnten Geschichtslehrer Markus Koppenberger, auf den Domberg gekommen, um für römisches Kolorit zu sorgen. Er leitete das Ritual als Oberpriester, gesprochen wurde, selbstverständlich, Latein.

Ein Pinienzapfen brennt im Räucherbecken

Zu den Klängen einer römischen Doppelflöte sprach der Priester die Worte, die abgelesen werden mussten, so wollten es die Römer, um nur ja Versprecher zu verhindern. Ein harzgetränkter Pinienzapfen brannte in einem Räucherbecken, für Jupiter, den höchsten Gott, gab es Weihrauch, für Minerva, zuständig für Weisheit, Olivenöl, Sonnengott Apollo bekam Lorbeer, Bacchus, logisch, Wein, Tellus, die Mutter Erde, Brot und die Hausgötter, die Penaten und Laren, einen Apfel. Die Zeichen standen gut, denn alles brannte, und der Rauch stieg weiß und gerade in den Himmel.

So ging man zum Wagenrennen über, vier Mannschaften aus lauffreudigen Siebtklässlern, vorbereitet von Sport- und Lateinlehrer Hans Bauer. Zugpferde und Wagenlenker wechselten sich in Zweierteams ab, unter Applaus war ein kleiner Parcours zu bewerkstelligen, gewonnen hat Team blau. Das Publikum zerstreute sich, ein Teil steuerte auf die Taberna zu, in der Lucanicaes, eine Art Fleischpflanzerl, gereicht wurden, Acetaria cum pane, dulcia und der beliebte Honigwein Mulsum.

Eine Schlange, vorwiegend von Mädchen, bildete sich vor Raum E 17. "Venus & Mars", lockte das Schild. Hier konnte man sich komplizierte Flechtfrisuren verpassen lassen, die bei Römerinnen in Mode waren. Wie das aussehen konnte, führten Anna und Lena aus der elften Klasse vor. Anna stellte Kaiserin Livia dar, mit weißem Untergewand und brauner Tunika, Pfauenfederfächer, Ohrgehängen und einer komplexen Frisur. Doch, sagte die junge Frau lächelnd, "man fühlt sich super, so erhaben". Als später eine Modenschau stattfindet, ist kaum ein Platz zu bekommen.

Auch der römische Infanterist der Rhein Legion ist da kurz abgeschrieben, so prachtvoll er auch aussieht mit Speer, Gladius, dem Stichschwert, Kettenhemd über rotem Unterkleid und nacktem Bein. Markus Koppenberger verkörpert auch den tapferen Kämpfer und erzählt, er habe das Kettenhemd selbst gehäkelt: "In 200 Arbeitsstunden und mit drei Nervenzusammenbrüchen."