Heimat Freising Ein filmischer Streifzug durch die Domstadt

Klaus Bichlmeier zeigt am Samstag und Sonntag im St. Georgs-Saal seinen neuen Freising-Film.

(Foto: Marco Einfeldt)

Klaus Bichlmeier hat das Freisinger Publikum schon einmal mit einem Film begeistert. Jetzt hat er wieder einen Streifen über seine Geburtsstadt gedreht. Mit dabei: Roider Jackl und die Schachtl-Mare.

Von Alexandra Vettori, Freising

Fast drei Jahre ist es her, da der Filmemacher Klaus Bichlmeier das Freisinger Publikum mit seiner "Zeitreise", einem filmischen Streifzug durch die Domstadt, begeisterte. Sechsmal ausverkaufter Asamsaal, so lautete damals die Bilanz. Jetzt hat der 70-Jährige einen neuen Film über seine Geburtsstadt gedreht, der Titel lautet "Heimat Freising." Am Samstag und Sonntag ist der Streifen im St. Georgs Saal zu sehen.

Eine Herzensangelegenheit sei ihm der Film gewesen, erzählt Bichlmeier, der schon seit vielen Jahren in Ottobrunn lebt, aber oft in Freising ist. "Ich bin in einem Haus an der Wippenhausener Straße geboren und jetzt der letzte Bichlmeier. Mein Großvater hat hier ein Busunternehmen gegründet." Erst kürzlich war Klaus Bichlmeier wieder da, angetan mit Kniebundhose und barfuß und rollte ein altes Fass auf einem Leiterwagen durch die Fischergasse. "Sie hätten sehen sollen, wie die Leute g'schaut haben", erinnert er sich lachend. Die Szene ist im Film zu sehen, als Dokumentation über die Entsorgung menschlicher Hinterlassenschaften, bevor es in Freising eine Kanalisation gab.

"Die Moosach war seit dem Mittelalter die Mülltonne Freisings"

"Freisings Hygiene und Badekultur", heißt eine der zehn Filmsequenzen. Wohlhabende Bürger verfügten damals in ihren Häusern über Aborte, deren lange Fallrohre bis ins Erdgeschoss führten. Dort stand auf einem Wagen ein Fass. War dieses voll, kam meist der Hausmeister, fuhr das Fass zur Moosach und leerte es dort hinein. "Die Moosach", weiß Filmemacher Bichlmeier, "war seit dem Mittelalter die Mülltonne Freisings." Weitere Themen sind zum Beispiel der Roider Jackl, Freisings Bierkultur, der Bürgerturm und die Stadtmauer oder die Geschichte des Freisinger Kinos. Auch an die "Schachtl-Mare" erinnert der Streifen, eine Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, die nach dem Krieg in Freising auftauchte und dort auf Kartons auf der Straße lebte, meist vor der Mädchenschule im heutigen Sparkassengebäude an der Hauptstraße. Was man heute weiß, war sie vor dem Krieg Lehrerin, vielleicht suchte sie die Nähe der Kinder. Nach ihrem gewaltsamen Tod mit 80 Jahren habe man in ihren alten Mantel eingenäht über 100 000 Mark gefunden, erzählt Bichlmeier, "sie war eine Institution, jeder kannte sie, aber niemand wusste, dass sie eine reiche Frau war."

Zum Filmemacher ist Klaus Bichlmeier, der eigentlich Flugzeugkonstrukteur war, durch ein Unglück geworden. 1990 stürzte er mit einem selbst gebauten Leichtflugzeug in Mexiko ab. Nur durch einen Rettungsfallschirm hat er überlebt, "und danach habe ich die Schnauze voll gehabt vom Fliegen", erzählt er. Aus den Überbleibseln des Flugzeugs baute er einen Kamerakran. "Es war die leichteste Konstruktion, die es je gab dafür, nur zehn Kilo schwer, und schon bald wurde es von professionellen Filmteams nachgefragt", erzählt er seine Geschichte weiter. Bis heute fände die Konstruktion Verwendung, zum Beispiel bei der Fußballweltmeisterschaft. Bichlmeier, der sich schon seit seiner Jugend für Filme interessierte, kam so in Kontakt mit der Profi-Filmwelt. Bald produzierte er seinen ersten Dokumentarfilm, dreimal habe er danach die südbayerischen Filmfestspiele gewonnen.

Es sind vor allem historische Filme, die er dreht. Ein aktueller Streifen heißt "Ludwig II. Unerhörtes ist geschehen". Darin kommt ein 96-Jähriger zu Wort, der 1961 die Verbrennung des Nachlasses von Ludwig II miterlebt hat. Auch von dieser Episode wird Klaus Bichlmeier bei den Filmvorführungen am Wochenende berichten, und er verspricht: "Danach weiß jeder, wie unser Märchenkönig gestorben ist."

Der Film "Heimat Freising" wird am Samstag, 14. April, um 20 Uhr im St. Georgs Haus gezeigt, am Sonntag 15. April, um 14 und um 17 Uhr. Karten gibt es bei der Touristinfo am Rindermarkt: 0 81 61/5 44 43 33.

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