Freisinger Köpfe Alexander Nadler zieht es durch

Den Herold beim "Tag des Bieres" auf dem Freisinger Marienplatz gibt Alexander Nadler immer wieder gern und immer wieder gut.

(Foto: Marco Einfeldt)

Er muss Überlebenskünstler sein: Freisings bekanntester Schauspieler hat nach dem Tatort und den Rosenheim-Cops keine größeren Rollenangebote mehr bekommen. Trotz der Durststrecke bleibt Nadler dran.

Interview von Christian Gschwendtner, Freising

Freisings bekanntesten Schauspieler Siezen? Versucht man erst gar nicht. Alexander Nadler ist ein Mann des Volkes. Und als solcher sitzt der 46-Jährige an diesem Nachmittag auch in der Freisinger Q-Bar. Hier ein "Ciao", dort ein lässig dahin gesagtes "Servus". Man merkt Nadler die berufliche Durststrecke nicht an, in der er sich gerade befindet. Hier präsentiert sich ein Vollblut-Schauspieler.

Alexander, zuletzt mal daran gedacht mit der Schauspielerei aufzuhören?

Nein. Schauspieler zu sein ist für mich der schönste Beruf überhaupt - wenn man ihn denn ausüben darf. Mir war klar, dass es schwierig werden würde, als ich vor 17 Jahren angefangen habe das Ganze professionell zu machen. Ich zieh das weiter durch.

Gibt es Selbstzweifel?

Nein. Manchmal bräuchte ich einen Tritt in den Arsch. Man arbeitet den ganzen Tag irgendwas, um die Miete zahlen zu können. Am Abend kommst Du dann heim, bist müde, und sollst Dich noch für Castings bewerben. Trotzdem: Ich weiß aber, was ich kann. Zu meiner Mama hab ich mal gesagt, wenn ich den Oscar bekomme, dann musst Du mit mir nach L. A. fliegen. Meine Mama hat höllische Angst vorm Fliegen. Deshalb hat sie auch abgelehnt. Doch Mama, hab ich gesagt, dann narkotisiere ich Dich halt. In dem Moment kam mein Vater in die Küche und meinte nur: Kannst ihm ruhig zusagen, den gewinnt er sowieso nie.

Du hast mal gesagt, nur eine Frau könnte Dich von deiner großen Leidenschaft abbringen.

Ich meinte damals ein Kind. Würde eine Frau von mir schwanger werden, müsste ich mir einen geregelten Job suchen, um für mein Kind zu sorgen. Die Frauen können sich heutzutage ja wunderbar selbst ernähren.

Und wegen der Liebe? Angenommen eine Frau würde mal sagen, Alexander mach doch mal was Vernünftiges.

Hatte ich alles schon. Ich habe nie verstanden, wenn jemand nicht hinter mir seht. Außerdem werden Männer mit dem Alter sowieso interessanter. Vielleicht springen dann auch mehr Rollen raus.

Alexander Nadler hält sich mit Nebenjobs über Wasser, auch wenn die Schulter zwickt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wie viele Nebenjobs hast du aktuell, um über die Runden zu kommen?

Da nehme ich, was kommt. Mal abgesehen von Toilettenputzen, ohne jetzt jemandem zu Nahe zu treten, würde ich wirklich alles machen. Nur wenn einer meint, er müsste mich ausnutzen, dann bin ich weg.

Du warst schon als Animateur 178 Tage auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff, arbeitest nebenbei als Messebauer und bist als Moderator unterwegs.

Stimmt, die Aida-Tage waren hart. Party bis zum Umfallen. Ausgezogen habe ich mich aber nicht als Animateur. Das hätte extra gekostet, das wollten die aber nicht. (lacht) Gerade laufen meine Moderatorenjobs ganz gut. Nur trauen mir einige Leute wegen meines Aussehens keine seriösen Moderationen zu, was natürlich komisch ist. Weil im Anzug kann selbst ich seriös aussehen. Die Moderation der Hopfenköniginnen-Wahl in Wolnzach ist bisher meine tollste Errungenschaft. Das mach ich seit zwei Jahren. Da kommen 3000 Leute ins Bierzelt.

Wie motivierst Du Dich zwischen längeren Schauspielerpausen?

Das mag jetzt für Außenstehende egoistisch oder narzisstisch klingen. Aber Motivation läuft bei mir tatsächlich darüber, mir selber zu sagen, dass ich was drauf hab. Nach 17 Jahren als Schauspieler, weiß ich auch, ob ich mich bei einem Casting unter Wert verkauft habe. Werbecastings liegen mir zum Beispiel gar nicht. Ich sollte da mal eine Fliege spielen, die einen Lolly angreift. Der reinste Wahnsinn.

Bitte noch mal vormachen!

Nein, danke.

In Freising sieht man Dich demnächst wieder als Herold beim Tag des Bieres.

Ja. Es freut mich sehr, jedes Jahr dafür gebucht zu werden. Freising steht auf Rituale.

Wie wichtig ist Rückhalt aus der Heimat für Dich?

Die Meisten geben es nicht zu: Aber jeder Schauspieler will berühmt werden. Mich eingeschlossen. In Freising bin ich schon ein bisserl berühmt. Da kennt mich jeder. Wenn Leute auf der Straße herkommen und sagen, ich hab Dich wieder im Fernsehen gesehen, dann freut einen das. Momentan sind es leider nur Wiederholungen. Mein bester Freund sagt dagegen immer: Alexander, mit Dir geh ich nicht mehr aufs Altstadtfest.

Warum genau?

Wir haben mal 40 Minuten vom damaligen Bavaria-Kino bis zum Marienplatz gebraucht. Meinem Freund war das zu lange, um ans erste Bier zukommen.

Jetzt bitte noch schamlose Eigenwerbung: Drei Rollen, die ein Alexander Nadler auf alle Fälle drauf hat?

Ganz klar den Bösewicht. Ansonsten würde ich gerne mal einen Familienvater spielen: alleinerziehend, drei Kinder, die Frau gestorben - das wäre cool. (Überlegt). Das Meiste habe ich mit ein wenig Vorbereitung drauf.

Und was kannst Du nicht?

Eddy Redmayne spielt in "Danish Girl" einen Transgender. Sensationeller Film. Mir würde zu so einer Rolle aber die Körperlichkeit fehlen. Einen Transvestiten habe ich gut hinbekommen. Ein Liebhaber bin ich dagegen nicht.

Im echten Leben oder im Film?

Beides (lacht). Ich kann einfach nicht den klassischen Romeo spielen. Das nimmt mir keine Sau ab. Der liebe Gott hat mich nun mal anders geformt. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich niemanden gern haben kann, im echten Leben wie im Film.