Stoibermühle Chemikalien im Badesee

Analyse des Fraunhofer-Instituts ergibt erhöhte Belastung durch Perfluoroctansulfonat. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht nach Auskunft der Behörden nicht

Von Von Petra Schnirch und Kerstin Vogel

Die Nachricht hat so kurz vor den Sommerferien natürlich für Aufregung gesorgt: Der Stoibermühlsee bei Freising soll durch Industriechemikalien belastet sein. Das meldete der Bayerische Rundfunk am frühen Mittwochmorgen. Dabei berief sich der Sender auf Untersuchungen, die er selbst beim Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising in Auftrag gegeben hatte. Die Wissenschaftler entdeckten Spuren von Perfluoroctansulfonat (PFOS), das bis vor kurzem in Löschschaum enthalten war. Eine Gesundheitsgefahr besteht nach Angaben der Behörden jedoch nicht, deshalb wurde auch kein Badeverbot erlassen. Perfluorierte Chemikalien werden nach Auskunft des Bayerischen Landesamts für Umwelt und Lebensmittelsicherheit nicht von der Haut aufgenommen. Die Menge an Wasser, die man beim Baden schluckt, gilt als unbedenklich.

Die Wissenschaftler hatten in einem Karpfen aus dem Stoibermühlsee 2,2 Mikrogramm PFOS pro Kilogramm gefunden, das entspricht in etwa dem Richtwert, den das Bundesamt für Risikobewertung festgelegt hat. Günter Wolter, Vorsitzender des Kreisfischereivereins, sieht dennoch keinen Grund zur Panik. Problematisch wäre diese Belastung nur, wenn man zehn Kilo Karpfen-Muskelfleisch verzehren würde, sagt Wolter. Der Verein sei über die laufende Untersuchung informiert gewesen.

Auch im Wasser selbst lässt sich in den vier vom BR gezogenen Proben, die aus unterschiedlichen Jahreszeiten stammen, PFOS nachweisen. Der mit 2,2 Mikrogramm pro Liter höchste Wert stammt vom Südufer des Sees, die übrigen Proben liegen zwischen 0,06 und 0,18 Mikrogramm. Als Vorsorgewert für Trinkwasser gelten 0,1 Mikrogramm. Umweltchemiker Martin Schlummer vom Fraunhofer-Institut hält diese Belastung in einem Badesee für gesundheitlich unbedenklich, gleichwohl fordert er, dass die Behörden nicht untätig bleiben dürften, damit die Ursache gefunden werde.

Für Spekulationen sorgt die Nähe des Sees zum Flughafen: Der Bayerische Rundfunk hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben, weil im Umfeld des Nürnberger Airports PFOS entdeckt worden war. Eine weitere Probe der aktuellen Untersuchung weist PFOS-Spuren in einem See bei Manching nach, ebenfalls in der Nähe eines Flughafens. An anderen Standorten gab es dagegen keine Auffälligkeiten. Das Ufer des Stoibermühlsees, an dem die Probe mit der höchsten Belastung entnommen wurde, liegt in Richtung Flughafen. Das Grundwasser in diesem Bereich sollte nun an mehreren Stellen untersucht werden, empfiehlt Schlummer. Er vermutet dort die Eintrittsquelle in den See. Vorwürfe oder Schuldzuweisungen seien nicht angebracht, sagt er, es müsse jedoch überprüft werden, woher das PFOS stamme. Denn an anderer Stelle könnte es in wesentlich höherer Konzentration vorhanden sein - und es müsse vermieden werden, dass belastetes Wasser möglicherweise auf Äcker oder Felder gelange.

Das Wasserwirtschaftsamt hält es jedoch für "wenig wahrscheinlich", dass mögliche Löschschaumreste vom Flughafen die Ursache sein könnten. Die Fließrichtung des Grundwassers spreche gegen eine solche Annahme, sagt Wolfgang Polz. Auch die Flughafengesellschaft selbst hält dies für ausgeschlossen. Zudem werde PFOS-haltiger Löschschaum am Airport schon seit 2008 nicht mehr verwendet, versichert ein Sprecher.

Weil den Behörden das Problem bewusst ist, war die künstlich hergestellte Kohlenstoffverbindung 2008 verboten worden. Restbestände durften laut Schlummer bis 2011 eingesetzt werden. Die im Fraunhofer-Institut gemessenen Werte seien intern übergeprüft worden, dass die Zahlen stimmen, daran hegt der Wissenschaftler keinen Zweifel. Das Landesamt für Umwelt konnte die erhöhten Werte am Stoibermühlsee durch aktuelle eigene Messungen aber nicht bestätigen.

Fischer Günter Wolter sieht nun die Behörden in der Pflicht. Die Untersuchung müsse "auf breite Füße gestellt werden", ein Verein könne dies nicht leisten. "Da hoffen wir auf die staatlichen Stellen, sprich das Landesamt für Umwelt." Es müsse unbedingt geklärt werden, wo die Chemikalie herkomme. Derzeit sei ohnehin keine große Angelsaison. "Wenn da mal einer einen Karpfen fängt, hat er schon Glück."

Grünen-Landtagsabgeordneter Christian Magerl kritisierte, dass seine Partei seit 2007 auf die besondere Problematik der Löschschäume hinweise. Er kündigte an, dass die Grünen die Staatsregierung in einem Antrag auffordern werden zu erklären, in welchem Umfang und wie lange PFT-haltige Löschschäume in den Flughäfen München und Manching eingesetzt wurden.