Start-Ups  Hilfe bei den ersten Geh-Versuchen

Zahlreiche Interessierte kamen wieder zum Freisinger Gründertalk in den Furtnerbräu.

(Foto: Maria Fe Müller)

Freisinger Jungunternehmer treffen sich regelmäßig zum Gründer-Talk. Sie bekommen dort wichtige Tipps, denn neben einer Idee ist auf dem Weg zum Erfolg auch eine gute Planung notwendig - und etwas Glück. Dann klappts auch mit den Holzbrillen.

Von Luise Helmstreit, Freising

Die jungen Leute, die sich an diesem Abend in der Gaststätte Furtnerbräu versammelt haben, haben eines gemeinsam: Sie wollen ein eigenes Unternehmen gründen. Dazu braucht es als Erstes eine zündende Idee. "Wir machen Brillengestelle aus Massivholz", erzählt Sebastian Wittmann, der seine Holzbrillen bereits auf den Markt gebracht hat. "Das gab es davor noch gar nicht, wir haben ein neues Verfahren entwickelt, mit dem man das Holz bearbeiten kann."

Kontakte knüpfen und neue Impulse einholen, ist das A und O in der Startphase einer Firma. Genau das können der Jungunternehmer und seine Kollegen beim Freisinger Gründer-Talk, der bereits zum vierten Mal stattfand. Fleißig werden Visitenkarten und Telefonnummern ausgetauscht. "Ich suche einen BWL-er", sagt Industriedesigner Georg Kirbis, der Schmuck zum Aufkleben auf die Haut vermarkten will. Der Abend ist durchgetaktet: 15 Minuten Vortrag, dann 15 Minuten Fragerunde und anschließend 15 Minuten Zeit zum Networken.

Als erster spricht Roland Niederhagen, Vertreter der Vereinigung "Aktivsenioren Bayern". Diese bietet Beratungen für Neugründer durch Ehrenamtliche an, die im Ruhestand sind, die Branche jedoch durch ihre jahrzehntelange Berufserfahrung kennen und Neulingen wertvolle Tipps geben können. Niederhagen hat Dutzende Start-ups kommen und gehen sehen. "Ein Unternehmen zu gründen, ist nichts, was man mal eben aus dem Ärmel schütteln kann", sagt er. "Es ist ein sehr dynamischer und komplizierter Prozess, der neben einer Vision und einer gut geplanten Umsetzung auch eine ganze Portion Glück erfordert." Gründern bietet er an, ihre Businesspläne zu bewerten. "Ich stelle dumme Fragen und stoße die Leute damit auf Inkonsistenzen in ihrem Konzept."

Ein sicheres Erfolgsrezept gibt es nicht. Frederik Lipfert, der mit seiner Firma inzwischen hunderttausend Euro Umsatz im Jahr macht, hatte nie einen Businessplan und wollte eigentlich auch gar kein Unternehmen gründen. "Ich war in einem Hotel, das mit seinem kostenlosen Internetanschluss geworben hatte, und die Verbindung war schrecklich. Da dachte ich: Man muss doch irgendwie messen können, wie schnell ein Wlan-Hotspot tatsächlich ist", erzählt Lipfert. Mit Tutorials aus dem Internet brachte der studierte Physiker sich selbst das Programmieren bei und erstellte die App "Speedspot", mit der jeder die Qualität freier Internetanschlüsse testen und veröffentlichen kann, sodass man in einer neuen Stadt sofort sehen kann, wo es schnelles Internet gibt. "Ich hatte nie das Bedürfnis zu gründen, das hat sich einfach so ergeben", erklärt der Unternehmer. "Erst mit der Zeit habe ich herausgefunden, wie sich mit so einer App auch Geld verdienen lässt." Nachdem er Speedspot jahrelang nebenher an Abenden und Wochenenden betrieben hat, will er sich jetzt vollends auf seine Firma konzentrieren.

Nicht jeder hat mit seinem Start-up so viel Erfolg. Der Großteil verschwindet nach ein paar Jahren wieder, entweder weil das Geld ausgeht - oder weil sich die Gründer entzweien. "Deswegen raten wir dazu, die Besitzverhältnisse von vornherein klar festzulegen", sagt Niederhagen. Die Ideen, die Jungunternehmer zu Geld machen wollen, sind vielfältig: neben hölzernen Brillengestellen, Körperschmuck zum Ankleben und Handyapps sind dies regionales Öko-Trockenfleisch und Essen aus dem 3-D-Drucker. Alle, die ihre Produkte noch nicht auf den Markt gebracht haben, sind aber sehr zögerlich, mit ihren Geschäftsmodellen herauszurücken - schließlich könnte ihnen ein anderer zuvorkommen und die Marktlücke, die sie entdeckt haben, füllen.

Simon Stadler hat seine Firma "Polarstern Energie" inzwischen in den profitablen Bereich gebracht. Mit seinen beiden Mitgründern verkauft er nachhaltig erzeugten Strom und Biogas und will damit etwas für den Planeten tun. "Wir wollten keine Initiative gründen und auch nicht zu den Grünen gehen", erzählt er. Stattdessen unterstützen sie mit ihrem Unternehmen ein Projekt für erneuerbare Energien in Kambodscha. Auch für sie lief es aber nicht von Anfang an glatt: Zunächst wollte fast niemand ihre saubere Energie kaufen. "Du denkst, du hast das Produkt, auf das alle gewartet haben, aber es ist ein Fehler zu glauben, ein gutes Produkt bräuchte keinen Vertrieb", gibt er den angehenden Firmengründern auf den Weg.

Jede Unternehmensgeschichte ist von Auf- und Abschwüngen geprägt - "Start Ups and Downs", so lautet das Thema des Freisinger Gründer-Talks. Auch in den kommenden Monaten wird es jeweils am ersten Mittwoch Treffen mit Vorträgen und Möglichkeiten zum Austausch geben.

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