Starker Anstieg Angriffe auf Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten

Wenn Rettungskräfte gerufen werden, geht es oft um Leben und Tod. Dennoch werden Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten immer häufiger angegriffen und bei ihrer Arbeit behindert (Symbolbild).

(Foto: Lukas Barth/dpa)

Immer öfter werden Helfer von den Verkehrsteilnehmern oder Betroffenen beleidigt oder körperlich attackiert - auch im Landkreis Freising.

Von Katharina Aurich, Landkreis

Sanitäter, Polizisten und Feuerwehrleute kommen, um zu helfen. Immer öfter aber werden sie im Einsatz übel beschimpft, manchmal sogar angegriffen. Die Fälle, die Gerichtsverhandlungen nach sich ziehen, nehmen zu. Während die Freisinger Polizei 2015 noch 19 Fälle von Widerstand, Nötigung Körperverletzung und Beleidigung von Beamten registrierte, waren es 2016 bereits 22 und 2017 sei diese Zahl, die erst Ende März veröffentlicht werde, nochmals "eklatant angestiegen", betont Michael Ertl, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Freising.

Damit spiegelt sich in Freising eine Tendenz wider, die in ganz Deutschland zu beobachten ist. Der Respekt vor Helfern und die Hemmschwelle, sie zu beleidigen oder handgreiflich zu werden, sinkt von Jahr zu Jahr. Allerdings stehe Freising im Vergleich mit anderen bayerischen Städten ähnlicher Größe immer noch ganz gut da, die Fallzahlen stünden an viertletzter Stelle der traurigen Statistik, sagt Ertl.

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Besonders häufig würden Helfer, Polizisten wie Feuerwehrleute, beschimpft, wenn sie nach einem Unfall die Straße sperrten und die Autofahrer eine Verzögerung oder eine Umleitung in Kauf nehmen müssten. "In unserer Gesellschaft läuft etwas komplett schief, alle sind furchtbar im Stress", kritisiert der Hauptkommissar. Jeder schaue nur noch auf sich. Dabei stehe schon im Grundgesetz, dass die Freiheit des einzelnen dort aufhöre, wo die Belange eines anderen betroffen seien, zitiert Ertl. Es sei selbstverständlich, dass jemand helfe, wenn man selbst einen Unfall habe, da sei das Anspruchsdenken groß. Aber Rücksicht auf andere zu nehmen, falle vielen Menschen offensichtlich sehr schwer.

Polizisten werden für ihren Einsatz bezahlt. Aber Feuerwehrleute sind meist ehrenamtlich im Einsatz

Ertl gibt auch zu bedenken, dass Polizeibeamte für ihren Einsatz bezahlt würden, "das ist unser Job", aber Feuerwehrleute seien ehrenamtlich im Einsatz. Ohne sie ginge gar nichts, wenn Unfälle gesichert werden müssten, trotzdem würden auch sie häufig beschimpft. Ähnliches berichtet Kreisbrandrat Manfred Danner. Bei Wohnungsbränden komme es immer wieder vor, dass Bewohner, die nicht mehr in die Wohnung könnten, um ihre Sachen zu holen, weil dies zu gefährlich sei, die Feuerwehrleute beschimpften. Man stoße oft auf sehr großes Unverständnis, wenn man als Feuerwehrmann den Verkehr umleite und sich die Fahrt dadurch verlängere. Vor zwei Jahren wurde sogar ein Feuerwehrmann in Moosburg bei einer Straßensperrung absichtlich umgefahren.

Gelassener beschreibt Freisings Feuerwehrkommandant Anton Frankl die Lage. Es habe sich nicht viel im Umgang mit den Feuerwehrleuten verändert, das Image der Feuerwehr sei positiv. Allerdings stellt auch Frankl fest, dass sich die Situation bei Verkehrsregelungen "deutlich verschärfe." Oftmals sähen Autofahrer nicht ein, wenn sie wegen eines Unfalls einen Umweg nehmen müssten. Gefährlich könne es für die Helfer werden, wenn sie zu einem Betrunkenen gerufen würden, berichtet Albert Söhl, Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes in Freising. Im vergangenen Jahr sei ein Rettungssanitäter von einem stark alkoholisierten Mann in Moosburg krankenhausreif und einer Kollegin ins Gesicht geschlagen worden. Die Achtung vor den Hilfskräften habe abgenommen, besonders dann, wenn Alkohol im Spiel sei, weiß Söhl.

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Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Hauptkommissar Ertl meint, dass bereits im Elternhaus zu wenig vermittelt werde, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Ein Patentrezept dagegen habe er leider nicht, sagt er. Um Polizeibeamte zu schützen, würden sie in Eigensicherung und immer wieder in Kommunikation geschult. Ruhig miteinander zu reden sei die wirksamste Methode, um Eskalationen zu verhindern.