Schluss mit lustig Rassistische Parolen sind kein Spaß

Hübsch bunt und vollkommen unpolitisch präsentieren sich diese Damen beim Faschingszug in Langenbach. Da kann nichts passieren.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Landkreis Freising achten die Veranstalter der Faschingszüge darauf, dass Grenzen des guten Geschmacks nicht überschritten werden.

Von Christian Gschwendtner, Freising

Die Organisatoren der Faschingsumzüge im Landkreis Freising wissen es längst: Auch in der närrischen Zeit muss man sich an Vorschriften halten. Sonst gibt es Ärger - wahlweise mit der Polizei oder mit dem TÜV. Jeder Faschingswagen, den ein Narr zwischen Langenbach und Gammelsdorf durch die Straßen steuern will, braucht eine Genehmigung.

Geprüft wird zunächst die Fahrtauglichkeit des Gaudi-Gefährts. Eine Aufgabe, für die der TÜV Süd in diesem Jahr drei amtlich anerkannte Sachverständige im Landkreis Freising bereitgestellt hat. Stimmt die Höhe der Brüstung, ist die Ladefläche stolperfrei, gibt es genügend Haltegriffe, dann stellen die drei Herren vom TÜV eine Genehmigung aus. Die Faschingsveranstalter sind deswegen noch lange nicht aus dem Schneider.

"Die Motive sind einzig und allein Sache der Vereine", sagt Markus Prix vom TÜV Süd. Die Vereine entscheiden über die Inhalte. Wenn also wie in Steinkirchen im Landkreis Pfaffenhofen ein Papp-Panzer mit der Aufschrift "Asylabwehr" durch die Straßen rollt, dann trägt der Veranstalter dafür die Verantwortung. "So jemand dürfte bei uns nicht mitfahren, das geht gar nicht", sagt Martin Linseisen von der Auer Narrhalla.

Aber zu 100 Prozent ausschließen kann auch Linseisen solche Vorfälle nicht. Schließlich könnten die Wagenlenker immer noch in letzter Minute Schilder oder Plakate anbringen, die kein Veranstalter bei seinem Umzug dabei haben will.

Welches Motto und Verulkungen man im Fasching erlaubt, ist für Linseisen eine Gratwanderung. "Es gibt die Supermoralapostel und diejenigen, denen alles egal ist", sagt der zweite Narrhalla-Vorsitzende aus der Marktgemeinde Au.

Linseisen selbst nimmt die Auswahl ernst. Nicht zuletzt, weil er persönlich dafür haftet. Politische Botschaften gehören für ihn nach wie vor zum Fasching dazu. In Au durften die Narren vom "Bauwong Sandelzhausen" deshalb selbstverständlich in Affenkostümen über Merkel, Obama und den "politischen Affenzirkus in Deutschland" wettern.

In Steinkirchen haben die beiden Brüder dort mit ihrem Faschingspanzer aber wohl eine Grenze überschritten. Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung. Im 30 Kilometer entfernten Gammelsdorf hätte man sich mehr Sensibilität gewünscht. Bei rassistischen Parolen versteht der Narrhallapräsident Jakob Pichlmaier keinen Spaß. "Wir sind komplett dagegen", sagt er. Man achte deshalb bereits bei der Anmeldung darauf, dass sich keine Panzer unter das Narrenvolk mischen.

Die Moosburger Narrhalla hat die gleiche Losung ausgegeben. Alle Teilnehmer am Faschingsumzug müssen ihr Motto im Vorfeld im Rathaus anmelden. Eine Stunde vor dem Start der Karawane nimmt Veranstalter Wolfgang Mehringer die Wagen dann persönlich in Augenschein. Ist alles in Ordnung, fällt an diesem Dienstag pünktlich um 14 Uhr der Startschuss. Die örtliche Narrhalla befindet sich ohnehin in einer komfortablen Lage.

Bevor einige der Wagen durch Moosburg touren, waren sie bereits in Mauern unterwegs. Das Faschingsvolk ist überschaubar, man spricht sich ab. Wer sich nicht an die Regeln hält, den schließt man "rucki-zucki" aus, sagt Narrhallachef Mehringer.

Soweit ist es in den vergangenen Jahren nie gekommen. Weder der Polizei in Freising noch der in Moosburg sind entsprechende Vorfälle bekannt. "Fasching ist oft überzogen. Aber ein Fall wie Steinkirchen ist mir nicht bekannt", sagt Moosburgs Polizeichef Christian Bidinger. In Freising sieht Polizeihauptkommissar Michael Ertl trotz der heftig geführten Asyldebatte keinen Grund, dem Faschingstreiben mehr Aufmerksamkeit als sonst zu schenken. "Wir sind sensibilisiert genug, das sind für uns Allgemeinplätze", sagt Ertl.