S-Bahnanschluss nach Moosburg Keine Hurrarufe

Moosburger Lokalpolitiker sehen eine mögliche S-Bahn-Anbindung ihrer Stadt kritisch, sie fürchten Einschnitte bei den Regionalzügen. Im Kreistag dagegen hält mancher diese ablehnende Haltung für "kleinkariert"

Von Peter Becker Und Alexander Kappen, Moosburg

Manch einer mag die Moosburger jetzt als undankbares Volk bezeichnen. Da will ihnen die Regierung ein Geschenk in Form eines S-Bahnhalts machen - doch offenbar gibt es dort Bürger, die das gar nicht wollen. Deren Dritter Bürgermeister Michael Stanglmaier (Grüne) zum Beispiel und Anton Neumaier (SPD), der selbst einmal Stadtoberhaupt war und eine ähnliche Diskussion schon vor vielen Jahren ausgefochten hatte. Beide erwarten sich - diese Meinung teilt übrigens auch Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU) - von einem S-Bahn-Halt in Moosburg zumindest eine minimale Verschlechterung der aktuellen Situation, wenn nicht gar gravierende Nachteile.

Sie fürchten, dass künftig weniger Regionalzüge dort halten könnten. Stanglmaier regte deshalb am Donnerstag im Planungsausschuss des Kreistags an, in die Stellungnahme des Landkreises zur Fortschreibung des Regionalplans einen Hinweis einzufügen. Dieser solle Verschlechterungen für Moosburg bei den Zugverbindungen ausschließen, falls die Stadt S-Bahn-Endstation werden sollte. Der Antrag wurde abgelehnt. Der Begriff "S-Bahn" bedeutet ausgeschrieben Stadtschnellbahn. Wobei laut Stanglmaier das Wort "schnell" fehl am Platz ist. "Das weiß jeder, der schon mal mit der S-Bahn gefahren ist", stellte der Kreisrat fest. Die meisten Menschen ziehen es vor, mit einem Regionalzug nach München zu fahren. Mit der S-Bahn sei der Fahrgast von Moosburg aus noch einmal zwanzig Minuten länger unterwegs als mit der Regionalbahn.

Geht es nach Bürgermeisterin Anita Meinelt, Drittem Bürgermeister Michael Stanglmaier und Kreisrat Anton Neumaier, dann halten hier, am Moosburger Bahnhof, auch in Zukunft keine S-Bahnen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Stanglmaier fürchtet wesentliche Taktverschlechterungen im Bahnverkehr. Die Streckenauslastung gebe eine weitere Verdichtung des Schienenverkehrs nicht her. Um Verspätungen zu vermeiden, müsste die Bahn deshalb Zugverbindungen streichen. Lange S-Bahnfahrten empfindet Stanglmaier als Zumutung. "Es ist ein Unterschied, ob ich eine Stunde in einem Regionalzug oder in der S-Bahn sitze", bemängelt er deren Komfort. Dies wiederum schreckt so manchen Pendler ab. Der fahre lieber zehn Minuten länger bequem in seinem Auto als vielleicht die doppelte Zeit mit der S-Bahn. "Der Verkehr wird wieder auf die Straße verlagert."

Stanglmaier gab zu, die Problematik "durch die Brille des Betroffenen" zu sehen. Wie Neumaier verwies er aber auf den großen Einzugsbereich des Moosburger Bahnhofs, der etwa 40 000 Einwohner aus den Landkreisen Freising, Erding und Landshut umfasse. Er und Neumaier wiesen darauf hin, dass für einen viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke kein Platz vorhanden sei. Vielerorts stehen Häuser in unmittelbarer Nähe zum Gleis. "Die können wir nicht einfach abreißen", sagte Neumaier.

Anita Meinelt ist mit den Verbindungen zufrieden.

(Foto: Lukas Barth)

Franz Spitzenberger (Grüne) meinte, man müsse zuerst mit den Betroffenen reden, bevor die S-Bahn nach Moosburg verlängert werde. Nicht nachvollziehen konnten Harald Reents und Andreas Adldinger (beide CSU) die Argumente von Neumaier und Stanglmaier. Den Moosburger S-Bahn-Halt verhindern zu wollen, sei "kleinkariert", sagte Adldinger. Bei der fortgeschrittenen Signaltechnik könnten heutzutage sicher mehr Züge das Gleis befahren, so dass es zu keinen Verschlechterungen komme. Das sei auch Verhandlungssache. Und schließlich hätten Endhaltepunkte profitiert, weil dort auch viele Fernzüge halten.

Bürgermeisterin Anita Meinelt allerdings ist "mit dem jetzigen Stand und Wissen", wie sie am Freitag sagte, mit Stanglmaier und Neumaier "auf einer Schiene". Auch sie sei der Meinung, "dass wir keine S-Bahn brauchen, wir können jetzt nicht mit fliegenden Fahnen ,Hurra!' schreien". Mit der derzeitigen Anbindung sei sie "sehr zufrieden, von Moosburg aus ist man in 33 Minuten am Münchner Hauptbahnhof". Auch sie befürchtet, dass durch die S-Bahn "der Standortvorteil dieser guten Regionalzug-Anbindung wegfallen könnte". Einziger Vorteil wäre ihrer Meinung nach, "dass man mit der S-Bahn dann irgendwann mal eine direkte Anbindung an den Flughafen hätte".

Allerdings führt auch Meinelt das Platzproblem ins Feld, etwa am Moosburger Bahnhof: "Wo soll die S-Bahn denn da noch hin?" Die Planungen seien aber ohnehin noch "recht schwammig, das ist alles noch ganz, ganz weit weg".