Pazifistische Alternative zur Siko Lehrer und Pflegekräfte statt Waffen

In seinem Büro in der Nähe des Freisinger Schleiferbachs findet Clemens Ronnefeldt die Ruhe, die er für seine Arbeit braucht.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Freisinger Clemens Ronnefeldt hat wieder die "Internationale Münchner Friedenskonferenz" mitorganisiert.

Von Clara Lipkowski, Freising

Während der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende haben alle über Konzepte von Sicherheit gesprochen. Clemens Ronnefeldt zieht es vor, über Friedenskonzepte zu reden. Daher hat der Freisinger als Referent für Friedensfragen beim Internationalen Versöhnungsbund wieder eine parallel stattfindende Veranstaltungsreihe mitorganisiert. Die "Internationale Münchner Friedenskonferenz" versteht sich als pazifistische Alternative.

Ronnefeldt vermittelt als Experte in internationalen Konflikten und reist dafür aus Freising in Krisengebiete. Er tritt für die Abschaffung von Atomwaffen und gegen Rüstungsexporte ein. Er meint, wer Rüstung exportiere, schaffe Fluchtursachen, und Deutschland brauche keine Waffen, sondern Lehrer und Pflegekräfte.

Die Auftaktveranstaltung am Freitagabend, zu der rund 350 Menschen in das Alte Rathaus in München kamen, drehte sich um Friedenskonzepte, Ronnefeldt moderierte. Auf dem Podium sprachen internationale Aktivisten, unter ihnen der Publizist Franz Alt, der die "Friedensbotschaft" von Michail Gorbatschow vorstellte. Der frühere sowjetische Präsident habe aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst anreisen können, berichtet Ronnefeldt am Montag im Gespräch mit der SZ Freising.

Tiffany Easthom war aus Genf zur Friedenskonferenz gekommen. Die Direktorin der NGO "Nonviolent Peace Force" warb für ein Stabilitätskonzept für das Bürgerkriegsland Syrien. Ronnefeldt erklärt, in einigen syrischen Dörfern sei es gelungen friedliche Strukturen durch Dialog herzustellen. "Wenn es gelänge, diese ,Friedensinseln' zu verknüpfen, könnte man ein ganzes Stabilitätszentrum schaffen." Oder im Fall Nordkorea: Statt sich gegenseitig die Vernichtung anzudrohen müssten die USA Nordkorea eine Nicht-Angriffs-Garantie geben und auf militärische Manöver an der Küste verzichten. Dann könne man konstruktiv reden.

Miteinander reden ist Ronnefeldts Ansatz, "Wandel durch Annäherung" nennt er das. Ein mitunter langwieriger Prozess, aber allemal besser als Konflikte zu provozieren, meint er, wie auf der Sicherheitskonferenz, wo "mit Säbeln gerasselt" worden sei. Besonders der israelische Premier Benjamin Netanjahu und der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif hätten die Lage mit verbalen Attacken zugespitzt. Am Samstag und Sonntag gab es weitere Gesprächsforen bei der Friedenskonferenz, mit einmal rund 60 und einmal etwa 120 Teilnehmern. Beim abschließenden Friedensgebet der Religionen kamen etwa 90 Christen, Muslime und viele andere Gläubige. Insgesamt sei an den drei Tagen "konstruktiv" diskutiert worden. Auffallend viele Teilnehmer hätten gefragt, ob man sich in einer Art Vorkriegszeit befinde und ob im Nahen und Mittleren Osten großflächig ein Krieg auszubrechen drohe.

Clemens Ronnefeldt kennt solche Befürchtungen aus vielen Gesprächen. Er zeigt sich besonders besorgt über die Spannungen zwischen Iran und Israel. Aber auch der Fehlalarm eines Raketenangriffs auf Hawaii habe klar gemacht, wie angespannt die politische Lage derzeit ist.

Üblicherweise reist er nach Syrien, in die Türkei, in den Libanon. In diesem Jahr wird er Deutschland aber nicht mehr beruflich verlassen. Er will darum kämpfen, dass die Bundesregierung Rüstungsausgaben reduziert, statt sie zu erhöhen und endlich, wie 122 andere Staaten, das UN-Atomwaffenverbot unterzeichnet. Denn Deutschland sei für viele Staaten Vorbild.

Mit Blick auf politisch motivierte Verhaftungen von Kollegen sagt er, die Furcht vor Drangsalierungen reise immer mit. Deswegen mache ihn die Entscheidung, nun nicht zu reisen "ein Stück weit freier" - in dem was er publizieren wolle. "Denn das kann meiner Ein- oder Ausreise hinderlich sein."