OB-Wahl in Freising Sei schlau, treib Wohnungsbau

Bei der Podiumsdiskussion in Weihenstephan stehen fehlende Zimmer und hohe Mieten im Vordergrund

Von Petra Schnirch

Vielleicht hatten die Studierenden nach Vorlesungen und Nebenjob einfach keine Energie mehr für eine Diskussionsrunde mit sieben OB-Kandidaten: Maximal 20 Prozent der etwa 100 Zuhörer im Zentralen Hörsaalgebäude waren Studenten. Zentrales Thema der Veranstaltung von Hochschulgemeinde und Hochschulen am Donnerstagabend waren Wohnungsnot und hohe Mieten in Freising. Die Moderation übernahmen Hochschulpfarrerin Anne Lüters und der Student Paul Sigloch.

Fragen nach Parkplätzen oder demografischem Wandel bügelte Sebastian Habermeyer (Grüne) an diesem Abend schnell ab - immer wieder kam er auf die prekäre Wohnsituation zurück. Als Sofortmaßnahme schlug er ein Wohncontainer-Dorf vor. Es gehe aber prinzipiell darum, sagte er, dass sich Bürger mit kleineren Einkommen Freising leisten könnten, das gelte nicht nur für Studenten. Das sei das wesentliche Thema des neuen Oberbürgermeisters. Als Lösungsansätze schlug Habermeyer Baugruppen, geförderten Wohnungsbau und alternative Wohnformen vor.

Er könnte sich vorstellen, sagte Tobias Eschenbacher (FSM), dass die Stadt selber aktiv wird - falls sich kein Investor findet - und ein zusätzliches Wohnheim baut. Ein Grundstück wäre an der Isarstraße in Lerchenfeld vorhanden. Der Haushalt lasse trotz Sparzwangs noch Spielraum für solche Vorhaben. Benno Zierer (FW) favorisierte einen Bau durch das Studentenwerk in Campusnähe. Wenn mehr Studierende in Wohnheimen anstatt in WGs unterkämen, hätten auch Familien künftig wieder weniger Probleme, eine Wohnung zu finden, sagte Helmut Priller (ÖDP). Beispielhaft sei ein Null-Emissionen-Haus in Rosenheim.

Die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Einer ihrer Schwerpunkte als Oberbürgermeisterin wäre der soziale Wohnungsbau, bekannte auch Eva Bönig (SPD). Daniel Wilke (Linke) machte sich zudem für eine Abschaffung der Studiengebühren stark, damit Studierende nicht noch stärker belastet würden. Helfen könnte den Studierenden aber auch ein Semesterticket, das Priller umsetzen will - eventuell über die Studiengebühren. Dadurch würden dann womöglich auch die Parkplatzprobleme in Weihenstephan etwas kleiner.

Vom Know-how an den Hochschulen könnte Freising noch sehr viel stärker profitieren, sagte Benno Zierer. Wenn mehr hoch qualifizierte Arbeitsplätze entstünden, "wird die Stadt dabei gut leben". Ebenso wie Rudi Schwaiger (CSU) empfahl er ein weiteres Gründerzentrum. Dabei ist es laut Zierer "nachrangig", wie viel die Stadt für den Grund erhalte - sie könne sich über jeden freuen, der "vernünftige Arbeitsplätze schafft". Mit Blick auf die hohen Schulden sagte Schwaiger, Freising habe nur zwei Möglichkeiten, höhere Einnahmen zu erzielen: indem es gelinge, mehr innovatives Gewerbe anzusiedeln. Dadurch fließe mehr Gewerbesteuer in die Kasse - und auch mehr Einkommensteuer. Deshalb müsse das Potential in Weihenstephan genutzt werden. Vorrang für ihn als Oberbürgermeister hätte zudem die Verkehrspolitik. "Freising braucht endlich ein komplettes Ortsumfahrungssystem."

Bönig warb zudem für einen Ausbau des Busnetzes, Stadt und Landkreis müssten sich an einen Tisch setzen. Beim Thema Nachhaltigkeit sei Freising bereits "sehr gut aufgestellt", sagte Bönig. Die Stadtwerke bezögen seit diesem Jahr keinen Atomstrom mehr. Im Energiesektor könnte die Stadt auch von "Vordenkern" aus Weihenstephan profitieren. Auch am Campus aber gebe es noch einiges zu tun - so vermisst sie beispielsweise Photovoltaikanlagen auf den Dächern.

In einer ersten Runde hatten sich die Kandidaten kurz vorgestellt, dann zogen sie, wie in einer Lotterie, verschiedene Fragen. Darauf angesprochen, wie die Situation für ausländische Wissenschaftler verbessert werden könnte, regte Eschenbacher eine "interkulturelle Öffnung" der Stadtverwaltung an, auch einen Info-Punkt am Campus könnte er sich vorstellen, außerdem Flyer auf Englisch. Wilke schlug darüber hinaus eine Bürgersprechstunde für Studierende vor.