Notlandung am Flughafen München Neben der Spur

Fragen über Fragen zur notgelandeten Air-Dolomiti-Maschine am Münchner Flughafen: Ob technische Probleme oder ein Fehler des Piloten Grund für die Bruchlandung waren, ist unklar. Die Auswertung des Flugschreibers dürfte mindestens ein Jahr dauern.

Von Sebastian Krass

Es fehlte nicht viel, und die Maschine wäre außerhalb des Flughafens zum Stehen gekommen. Nachdem die ATR 72 von Air Dolomiti bei der Notlandung in München von der Piste abgekommen war, schlitterte sie 90 Meter über die Wiese und kam erst etwa 20 Meter vor dem Zaun des Airport-Geländes zum Stehen. Direkt dahinter verläuft ein Feldweg, auf dem öfter Menschen spazieren gehen.

Eine Bruchlandung, viele Fragen: das kaputte Flugzeug der Air Dolomiti am Münchner Flughafen.

(Foto: dpa)

Für den Flughafen München war es von Vorteil, dass die Maschine so weit ab von der Landebahn liegen blieb. Sie stand nämlich außerhalb des Sicherheitsstreifens links und rechts der Piste, und so konnte die Südbahn am Donnerstag um 15.30 Uhr, eine Stunde nach der Bruchlandung, wieder freigegeben werden. Insgesamt kam es zu 20 Umleitungen und einzelnen Flugausfällen. Fünf Passagiere wurden bei der Notlandung leicht verletzt. Die Maschine hatte kurz nach dem Start nach Venedig wegen Triebwerksproblemen kehrtgemacht, im Cockpit und in der Kabine hatte sich Rauch ausgebreitet.

Um 22.30 Uhr hatte sich der Flugbetrieb so weit beruhigt, dass die Feuerwehr sich an die Bergung machen konnte. Eine Art großer Gabelstapler hob die Nase der Maschine an, dann wurde sie auf einem Tieflader abgelegt. Weil das Hauptfahrwerk noch funktionierte, konnte die Feuerwehr das Flugzeug so in den Hangar schleppen, wo es um Mitternacht ankam. Ob es einen Totalschaden erlitten hat, ist offen.

Unklar ist immer noch, warum das Flugzeug von der Bahn abkam. Ein Triebwerksausfall allein sollte nicht zu einer Bruchlandung führen. Ob es andere technische Probleme oder Fehler der Piloten waren, werden die Ermittlungen zeigen. Flugdatenschreiber und Tonaufzeichnungen sind sichergestellt. Nun beginnt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung mit ihrer Arbeit. Die dürfte mindestens ein Jahr dauern. Im Sommer soll es einen Zwischenbericht geben.

Der Flugplan von Air Dolomiti werde durch den Unfall nicht beeinträchtigt, sagte eine Sprecherin. Die Lufthansa-Tochter hat insgesamt 16 Flugzeuge, davon zehn weitere ATR 72. Da diese vorschriftsgemäß gewartet würden, dürften sie weiterhin ohne Einschränkungen fliegen. Ob eine gesonderte Untersuchung oder gar ein Austausch von Teilen nötig sei, wisse man erst nach Abschluss der Untersuchungen.