Neue S-Bahnen Mehr Überblick, keine Mülleimer

Bessere Übersicht, neue Sitzbezüge und ein neues Lichtkonzept bestimmen die Optik der neuen Münchner S-Bahnen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Den ersten Fahrgästen gefällt das neue Erscheinungsbild der Münchner S-Bahnen. Manch einer hält die Modernisierung angesichts der ständigen Fahrpreiserhöhungen allerdings auch für angemessen.

Von Thilo Schröder, Freising

Mehr Platz, größere Infomonitore, ein neues Lichtkonzept - die S-Bahn München baut ihre komplette Fahrzeugflotte um. Nachdem Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) sich bereits am Montag einen Eindruck verschaffen konnte, durften am Dienstagvormittag die ersten 34 von insgesamt 200 Gästen auf der Strecke vom Münchner Ostbahnhof bis nach Erding mitfahren; sie hatten ihre Plätze über das Gewinnspiel eines Radiosenders ergattert. Los ging es aber in Freising, wo zunächst die lokalpolitische Prominenz, unter anderem Landrat Josef Hauner (CSU), das Pionierfahrzeug bestaunte. Die SZ hat bei den Fahrgästen nachgefragt, was sie von den Modernisierungsmaßnahmen halten.

Ein Senior liegt auf der neuen Eckbank am Zugende Probe

"Echt schön gemacht", findet ein 72-jähriger Germeringer, während er einen weiteren Senior dabei fotografiert, wie der auf der neuen Eckbank am Zugende Probe liegt. "Aber wer weiß, wie lange das so bleibt, bis die ersten Penner kommen und das raus reißen." Die Eckbank, auch "Kuschelecke" genannt, ist wohl das optische Herzstück im Modernisierungskonzept. Lobende Worte gibt es außerdem für die deutlich größeren Einstiegsbereiche. Dass dort je vier Sitzplätze entfernt wurden, sei "sehr wichtig im Berufsverkehr", wenn ständig Leute aus- und einsteigen. Und die neue S-Bahn sei heller, luftiger. Das finden auch Silke Pfister, 43, und Anton Huber, 56. Die Markt Schwabener sind mit einer alten S-Bahn zum Ostbahnhof gekommen und nehmen die Unterschiede daher besonders wahr.

Notwendige Investitionen

Die S-Bahn sollte nicht nur schöner, sondern auch pünktlicher werden. Kommentar von Nadja Tausche mehr ...

"Das mit dem Licht, ich weiß nicht, ob ich das bemerkt hätte", sagt Rebekka Wilken. Die 25-jährige Münchner Studentin fährt öfter in der S1 zum Flughafen und weiß, wie es ist, wenn viele Fahrgäste mit ihren Koffern den Gang blockieren. Darum freut sich die gebürtige Hildesheimerin über das neue Design, mit weniger Blockaden und, wie sie glaubt, breiteren Gängen. Tatsächlich seien es nur wenige Zentimeter Unterschied in der Breite, erklärt der verantwortliche Industriedesigner, Matthias Fischer. Blickt man von einem Ende des Zuges zum anderen, wird jedoch deutlich, was die kleinen Veränderungen in der Wahrnehmung bewirken.

Die Bahn hat außerdem in 1904 doppelseitige Breitband-Monitore investiert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Wlan wird es in den Zügen auch weiterhin nicht geben

"Als Frau muss ich sagen: Man hat mehr Überblick", meint eine 72-Jährige aus Unterschleißheim. Gerade spätabends müsse man vorsichtig sein, neben wen man sich setze. Und da helfe es, wenn man über die Lehnen schauen könne, um zu entscheiden: Setze ich mich jetzt dazu oder geh' ich in ein anderes Abteil? Ihr gefallen zudem die neuen Sitzbezüge: ein etwas dunkleres Blau mit hellblauen, dezent im Licht schimmernden Quadraten. Als S1-Fahrerin kennt auch sie natürlich die Situation, dass überall im Gang Koffer von Reisenden stehen, weil fast niemand diese in die Gepäckablagen stellt - von denen übrigens in der neuen S-Bahn auch nur sehr wenige eingebaut wurden. Das Modernisierungskonzept findet sie dennoch "super, ganz toll". Aber sie betont auch: "Die Fahrpreise werden so oft erhöht, da kann man auch mal was erwarten."

Was keiner der Befragten erwähnt hat: In der neuen S-Bahn fehlen die kleinen, grauen Müllbehälter unterhalb der Fenster. Der Gedanke dahinter: mehr Sauberkeit. Die Fahrgäste sollen die Mülleimer auf den Bahnsteigen nutzen; man halte sich ja in einer S-Bahn wesentlich kürzer auf als etwa im ICE, erklärt Matthias Fischer. Ach ja, Wlan wird es weiterhin keines geben in der neuen S-Bahn.

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