Echinger Männerchor Dümpeln ohne Frauen und Dirigent

Im Schnitt sind die Sänger des Echinger Männer-Chors 76 Jahre alt.

(Foto: Gerhard Sonntag)

Der Männergesangverein "Harmonie" ist in die Jahre gekommen und sucht einen neuen Chorleiter, der frischen Schwung bringt.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Das Willkommen auf der Homepage gibt die Ausrichtung gleich bündig wieder. Ausdrücklich begrüßt werden dort die "Sehr geehrten Herren". Vor fast 100 Jahren, als es für Weiberleut noch nicht statthaft war, sich in Wirtshäusern rumzutreiben, wurde die "Harmonie" Eching als Männergesangverein gegründet, und dieses Charakteristikum hat der Verein auch in durchaus veränderten Zeiten bewahrt. Jetzt hat die "Harmonie" aber ein tief gehendes Problem: Händeringend sucht der Verein einen Chorleiter.

Gesucht wird "ein Dirigent, der das klassische, bayerische und moderne Liedgut für Männerchor mit engagierten älteren Herren pflegen und neu einstudieren will", hat der Vereinsvorsitzende Gerhard Sonntag das Stellengesuch formuliert. Üblicherweise gibt es für derartige Posten in München und Umgebung einschlägige Internetforen, wo die "Harmonie" aber diesmal nicht fündig geworden ist. Das muss jetzt nicht nur ein Zufall sein, weiß auch Sonntag: "Wenn wir uns von der Qualität her besser aufstellen könnten, wär's leichter."

Das Durchschnittsalter der Sänger? 76 Jahre

Gerade 19 aktive Sänger bietet der Verein noch auf, Durchschnittsalter 76 Jahre. Ein richtiger Tenor wär' schon schön, derzeit umfasst der Klangkörper überwiegend zweite Tenöre und Bariton, "und die Stimme ist in dem Alter auch nicht mehr so flexibel", erläutert Sonntag. "Seit 95 Jahren treffen sich begeisterte Sänger zur eigenen Freude und Entspannung zum Singen und zur Geselligkeit und pflegen damit ein altes Kulturgut, den Männergesang", heißt es in der Selbstdarstellung.

Nachwuchs aber lässt sich in Eching zumindest dafür nicht generieren. "Wir dümpeln so dahin", sagt Sonntag unumwunden, "ich bin ziemlich am Ende meines Lateins". Eine Öffnung für Frauen, wiewohl immer mal wieder intern diskutiert, steht nicht zur Debatte. "Es ist schon auch was Besonderes, ein Männergesangverein zu sein", findet der Vorsitzende, "man sollte auch mit einem reinen Männerchor schon überleben können". Der neue Chorleiter solle dann auch den Verein "mit modernen Liedern etwas lebendiger machen". Der letzte Dirigent, Matthias Richter, habe schon neue Lieder einstudiert, und das sei "ganz gut angekommen", sagt Sonntag.

Gegründet wurde der Männerchor 1923

Schon in der Echinger Gemeindechronik werden dem Verein erschwerte Umstände attestiert, schließlich seien "die Bewohner unserer Heimat von Natur aus etwas herb und verschlossen veranlagt". Am 9. November 1923 wurde gleichwohl bei einem Stammtisch im Huberwirt ein Männergesangverein ins Leben gerufen, Gründungsvorsitzender war Alexander Ecker, der erste Dirigent Oberlehrer Bernstetter, die Proben fanden im Schulhaus statt.

Nach 1933 ist der Verein eingeschlafen und wurde erst im November 1947 von Vorsitzendem Josef Hagn und Dirigent Anton Holzer wiederbelebt. Ab 1954 war Lehrer Gregor Schmid Vorsitzender und Dirigent, der sich als Komponist eines "Echinger Heimatlieds" verewigt hat. In der Moderne hat der kürzlich gestorbene Fritz Kreuzeder mehr als 25 Jahre als Dirigent den Chor geprägt. Matthias Richter nun ist nach zwei Jahren nach Oberfranken gezogen. Zuvor leitete ein Jahr Rebekka Rehbach, Neufahrner Kirchenmusikerin, die "Harmonie". Sie musste nach nur einem Jahr aufgrund beruflicher Veränderungen aufhören. Und außerdem: Eine Frau . . . "Ein paar hatten schon Probleme damit", berichtet Sonntag.

Aktuell hilft nun Klaus Linkel aus, professioneller Orchesterdirigent aus Günzenhausen. Aber gesucht wird was Festes. Proben sind derzeit mittwochs um 19.30 Uhr im Huberwirt, auch ein Wechsel auf Donnerstag wäre möglich. Interessenten können sich an Gerhard Sonntag wenden unter der Telefonnummer 0 89/32 61 52 2 oder der E-Mail-Adresse vorstand@mgv-eching.de.

Lebenswert und gemütlich

Echinger Firmen und Vereine haben Bänke selbst gezimmert oder von Künstlern schaffen lassen. Sie werden an verschiedenen Orten der Gemeinde aufgestellt Von Alexandra Vettori mehr...