Naturschutz im eigenen Garten Igel in großer Not

Haben junge Igel in den vergangenen Wochen zu wenig an Gewicht zugelegt, kommen sie ohne Hilfe nicht über den Winter.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Den Tieren geht es schlechter als noch vor zwei Jahren. Das hat die Moosburgerin Ulrike Kolar beobachtet, die daheim 50 Exemplare aufpäppelt. Als Gründe nennt sie den Kälteeinbruch Anfang Oktober und zu aufgeräumte Gärten.

Von Benjamin Reibert, Moosburg

Zu dieser Jahreszeit wären Igel normalerweise auf der Suche nach einem geeigneten Winterquartier. Tatsächlich sieht man in diesem Herbst noch immer Exemplare auf Nahrungssuche umher streifen. Kein gutes Anzeichen, wie Ulrike Kolar beobachtet. "Es geht den Igeln noch schlechter als vor zwei Jahren", sagt die Moosburger "Igelmutter" geknickt. Sie muss es wissen: Sie pflegt derzeit 50 Exemplare bei sich zu Hause. Besonders die kleineren Igel, die teilweise noch sehr jung sind, "sterben weg wie die Fliegen", wie es Ulrike Kolar drastisch ausdrückt.

"Der Kälteeinbruch Anfang Oktober hat den Tieren sehr zugesetzt, zehn Grad in der Nacht ist einfach zu kalt." Der Igel sei ein Fleischfresser und auf Insekten und Schnecken angewiesen, die gebe es aber kaum noch. Viele Igelmütter seien inzwischen sehr ausgemergelt und könnten sich nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern.

"Sie räumen jedes Blatt weg, statt einen Laubhaufen mal liegen zu lassen"

Diese Einschätzung teilt auch der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Deutlich zu kalt und zu nass sei der September im Freistaat gewesen. Das Wetter habe es insbesondere den Igelmüttern erschwert, ihren Nachwuchs gesund großzuziehen. So würden dem LBV derzeit deutlich mehr unterkühlte und unterernährte tagaktive Jungtiere gemeldet als noch im Vorjahr. "Igel, die während des Tages im Garten oder auf der Straße gefunden werden, befinden sich immer in einer Notsituation", erklärt die LBV-Igelbeauftragte Martina Gehret.

Auch die Suche nach einem Unterschlupf sei schwieriger geworden, schildert Ulrike Kolar. In Moosburg verschwinde jeder aufgeschüttete Laubhaufen. "Sie räumen jedes Blatt weg, statt einen Laubhaufen mal liegen zu lassen", ärgert sich die Moosburgerin, die seit fast 30 Jahren Igeln in Not hilft. Ein weiteres Problem seien die Gelben Säcke: "Die Igel verkriechen sich in einen Joghurtbecher, können drin stecken bleiben und landen in der Müllpresse." Abhilfe könnten aufgeschüttete Laubhaufen in einer versteckten Ecke in Gärten sein, sagt Ulrike Kolar. "Wir sollten auch mal wieder Gärten verwildert lassen und auf Gifte wie Dünger mit Eisensulfat verzichten. Dann hätten wir naturgerechte Gärten und es würde vielen Tieren besser gehen."

Der LBV ruft dazu auf, Igeln im Garten einen trockenen und geschützten Unterschlupf anzubieten und zu zufüttern

Der LBV ruft ebenfalls dazu auf, hilfsbedürftigen Tieren im Garten einen trockenen und geschützten Unterschlupf anzubieten und sie mit einer Zufütterung zu unterstützen. "Die Tiere müssen nicht nur viel weitere Strecken zurücklegen, um genug Futter zu finden. Bei nassem Wetter kühlen dünne Tiere besonders schnell aus und können deshalb leichter krank werden", begründet Martina Gehret die Vielzahl der am Tag gefundenen Jungigel. Sofortige Hilfe biete nur ein trockener Unterschlupf und die Zufütterung im Garten. Kranke Tiere hingegen würden durch eine Fütterung nicht gesund. Wer Igeln helfen möchte, "sollte unbedingt das Laub liegen lassen oder am besten gleich einen Laub- und Reisighaufen anlegen", sagt die LBV-Igelbeauftragte. "Ein mit Ästen bedeckter Laubhaufen ist ein beliebter Schlaf- und Überwinterungsplatz für Igel."

Als Futter sei Katzen- oder Hunde-Trockenfutter geeignet, sagt Ulrike Kolar. "Insekten natürlich auch. Bananen sind ebenfalls in Ordnung", weiß die Moosburgerin. Nur Eier und Milch seien für die Tiere ungeeignet, da Igel keine Laktose abbauen können. "Die Igel brauchen jetzt dringend menschliche Unterstützung", appelliert die "Igelmutter". Sie sei in Notfällen unter 0 87 61/60 365 erreichbar und helfe gerne. "Aus Liebe zu den Tieren."

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