Mitten in Freising Romantische Gondelfahrten

Was sich in Wahrheit hinter den Bauarbeiten in der ganzen Stadt verbirgt

Von Kerstin Vogel

Man weiß gar nicht, wann das passiert ist. Wann haben sich all diese Männer all diese orange-farbenen Westen gekauft? Gibt es in Freising überhaupt noch Männer, die keine orangen Westen tragen und die nicht solcherart verkleidet irgendwo tiefe Gräben schaufeln? Viele können es jedenfalls nicht sein - und die wenigen sieht man auch nicht mehr auf der Straße, weil sie in ihren Autos sitzen und im Stau stehen. Man kann ja nicht mehr fahren, ankommen und aussteigen, weil überall Gräben aufgerissen sind.

Die Behauptung ist, dass da Kabel verlegt werden in diesen Schächten, Glasfaserkabel für eine schnellere Datenübertragung, um genau zu sein. Man war zunächst geneigt, das zu glauben, denn es klingt ja logisch: Damit käme man künftig wenigstens schneller auf die Datenautobahn, könnte sich mithin via World Wide Web über all die Orte informieren, die man im Auto wg. Stau nicht mehr erreicht - und auch nicht mit der Bahn, weil deren Betrieb schon zusammenbricht, wenn zwei Schneeflocken gleichzeitig eine Oberleitung berühren.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, weiß inzwischen aber sowieso Bescheid. Das ist doch kein Zufall, dass in den städtischen Gremien über die Öffnung der Moosach diskutiert wird, bei der Bürgerversammlung in Vötting von Grundwasserversuchen die Rede ist - und gleichzeitig in ganz Freising schon Gräben angelegt werden. Natürlich gibt es für Freising ein Verkehrskonzept, und wer schlau ist, der kauft sich schon mal ein Boot. Schnell durch die Gartenstraße gerudert, sich im Wassertaxi Richtung Krankenhaus chauffieren lassen und mit der Gondel durch die Innenstadt: Das ist der Plan, und da macht es dann auch nichts mehr, dass die ganzen alten Gemäuer in der Innenstadt auf verrotteten Stelzen stehen. Das ist in Venedig auch so und stört keinen.

Zu befürchten steht allerdings, dass in der Freisinger Stadtverwaltung außer der Ausbildung von Stadtsheriffs für falsch abgestellte Surfboards auch schon eine Wasserstraßenausbaubeitragssatzung in Arbeit ist. Und wenn damit dann die Bürger analog zum Straßenausbau kräftig zur Kasse gebeten werden, dann könnte das wieder ganz andere Gräben aufreißen.

Überall schaufeln Männer in Leuchtwesten tiefe Löcher und Gräben.

(Foto: Marco Einfeldt)