Minister zu Besuch in Freising Kein Abschluss ohne Anschluss

Ludwig Spaenle lobt seine Bildungspolitik und bedankt sich beim CSU-Neujahrsempfang trotz der Demonstranten für den Empfang

Von Kerstin Vogel

Der Minister kam zu Fuß - und er scheute zumindest das kurze Gespräch mit den Demonstranten nicht: Die Münchner CSU, deren Bezirksvorsitzender Ludwig Spaenle ist, werde das Ergebnis des Bürgerentscheids gegen den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen respektieren, versicherte er den rund 40 Protestierenden vor dem CSU-Neujahrsempfang am Sonntagabend. Man habe der Stadt daher empfohlen, sich in den Gremien des Flughafens entsprechend zu positionieren. Die Frage, warum die CSU im bayerischen Landtag dann an den Ausbauplänen für den Flughafen festhält, beantwortete Spaenle nicht.

Bayerns Kultusminister war an diesem Abend in die Domstadt gekommen, um über das Thema "beste Bildung in Bayern - durch Qualität und Gerechtigkeit" zu sprechen; und wenn ihn die von der Organisation "Plane Stupid" angeführten Demonstranten vor dem altehrwürdigen Asamsaal überrascht haben, hat er es jedenfalls nicht gezeigt. Bei den Gästen des Neujahrsempfangs bedankte er sich anschließend artig für deren freundlichen Empfang: "Als Münchner so begrüßt zu werden in Freising ist toll. Wir wissen, dass wir ihnen Demut schulden."

Sehr selbstbewusst und ohne jede Demut trug der Minister anschließend vor, was die Bildungspolitik im Freistaat in seinen Augen auszeichnet. Die Entwicklung der bayerischen Mittelschule nannte er die "beste Vorbereitung auf die duale Ausbildung". Keine andere weiterführende Schule sei so nah am Menschen, betonte er und wollte das auch wörtlich verstanden wissen: Denn wohnortnahe Schulen würden einen großen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit leisten, so Spaenle. Der "bayerische Weg" bestehe generell darin, das differenzierte Schulsystem weiterzuentwickeln. Daneben gelte der Grundsatz: "Kein Abschluss ohne Anschluss."

Mit Blick auf die Stadt Freising versprach der Kultusminister, die Schullandschaft hier "in engem Kontakt mit Florian Herrmann weiterzuentwickeln" - und lobte den Freisinger Landtagsabgeordneten darüber hinaus in den höchsten Tönen für dessen "politische Leistungsfähigkeit, Kommunikationsgabe und Ideenreichtum". Und mit Blick auf Herrmanns Vater, den TU-Präsidenten Wolfgang Herrmann, der unter den Gästen weilte, ergänzte er dann noch augenzwinkernd: "Kein Wunder, bei der Familie."

Der Freisinger Landtagsabgeordnete selber nutzte anschließend die Gelegenheit, seine "Kommunikationsgabe" unter Beweis zu stellen und unterstrich die Thesen des Ministers. Es gelte die Menschen in ihren individuellen Begabungen wahrzunehmen, sagte er. Deshalb brauche man ein hochdifferenziertes Schulsystem wie in Bayern - "die Gleichmacherei in anderen Bundesländern" lege ein falsches Menschenbild zugrunde. Man habe ganz bewusst die Bildungspolitik zum zentralen Thema des Neujahrsempfangs ausgerufen, unterstrich Herrmann, weil dieses auch ein ganz zentraler Punkt in den anstehenden Wahlkämpfen sein werde. Gleichwohl rief der Freisinger Politiker dazu auf, "jetzt nicht den Fehler zu machen und ununterbrochen Wahlkampf zu betreiben".

Werben für die wichtigen Wahlen (Landtag und Bundestag im Herbst, die Kommunalparlamente im Frühjahr 2014) aber wollen die CSU-Politiker auf jeden Fall - das hatte Bundestagskandidat Erich Irlstorfer schon zu Beginn der Veranstaltung deutlich gemacht. Gleichzeitig sei nun vor allem auf lokaler Ebene "Mut zu Entscheidungen" gefragt, sagte er - und nannte als Beispiel unter anderem den Standort für die neue Freisinger Realschule, die in den Augen der Christsozialen nur in Lerchenfeld gebaut werden kann - dort eben, wo auch die meisten Schüler sind.