Kranzberg "Herr der Sicherheitslage"

Gudio Ankner aus Kranzberg ist ein erfahrener Bundespolizist, der schon viel gesehen hat.

(Foto: Marco Einfeldt)

Guido Ankner ist als Bundespolizist in Europa ganz schön herum gekommen. Seine Hauptaufgaben: Klinken putzen, Netzwerkpflege, Kontakte vermitteln und Informationen sammeln, vor allem zum Thema "illegale Migration".

Von Christian Gschwendtner, Kranzberg

Es ist ruhiger geworden um den Kranzberger Guido Ankner, seitdem er nicht mehr im österreichischen Innenministerium sitzt. Er hat jetzt wieder mehr Zeit, kann samstags zum Hofmiller-Klassentreffen in die Q-Bar oder wieder auf Sitzungen der Freien Wähler aufkreuzen. Lange war das anders. Ankner hat bei der Bundespolizei wohl das hingelegt, was man eine klassische Blitzkarriere nennt. In den frühen 1990er Jahren ist er am Münchner Flughafen schnell zum Dienstgruppenleiter aufgestiegen. "Damals wollte da keiner hin", sagt er heute. Denn der Münchner Raum sei schon zu dieser Zeit ein teures Pflaster gewesen. Außerdem hieß die Bundespolizei noch Bundesgrenzschutz. Viele ihrer Rekruten kamen aus grenznahen Ortschaften. Sie wollten lieber "heimatnah" eingesetzt werden. Guido Ankner wollte aber ins Ausland.

Es ist dann alles ziemlich schnell gegangen. Ankner wurde 1999 der erste Grenzpolizeiliche Verbindungsbeamte der deutschen Bundespolizei in Griechenland. Vorher holte er sich noch den Segen seiner Frau ab. Er fragte sie nach einer langen Schicht am Flughafen, ob sie sich ein Leben in Athen vorstellen könne - im Bett, Rücken an Rücken. Die Gattin sagte spontan: ja. Guido Ankner knipste kurz das Schlafzimmerlicht an, rieb sich verwundert die Augen. Dann bewarb er sich recht zügig. Einige Zeit später ging es nach Athen. Ankner hielt dort mit einer kleinen Unterbrechung bis 20o5 die Stellung, Frau und die drei Kinder im Schlepptau.

Die Auslandsjahre haben den Kranzberger schwer geprägt, das merkt man schnell. Es ist der erste Donnerstagabend im neuen Jahr und der 51-Jährige sitzt jetzt im Furtnerbräu. Die braune Lederjacke mit dem Fellkragen hatte er gleich angelassen. Es gibt einiges zu erzählen: Seine Vita bietet reichlich Gesprächsstoff. In Bundespolizeikreisen hat Ankner längst den Status eines Exoten erreicht. Er sei ja der größte Zigeuner überhaupt, haben Bekannte gesagt. Guido Ankner hat das immer verneint. Er hat schließlich ein Haus in Kranzberg gebaut. Seiner Heimat.

Nach der Griechenlandzeit folgte ein kurzes Intermezzo als Berater für eine EU-Mission: Ankner war in Kroatien unterwegs. Anschließend trat er erneut eine Stelle als Verbindungsbeamter an, dieses Mal aber in Österreich. Der Erste Polizeihauptkommissar Ankner bezog von 2009 an für vier Jahre ein Büro im österreichischen Innenministerium, am Wiener Minoritenplatz 9. Aus dieser Zeit gibt es ein Handshake-Foto mit der ÖVP-Innenministerin Mikl-Leitner. Die Österreicher mochten ihn. Vor seiner Rückkehr nach Deutschland verlieh man dem Kranzberger noch das silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Die Hauspostille des Innenministers lobt ihn in einem Artikel als "Herr der Sicherheitslage".

Als Verbindungsbeamter war Ankner eine Art Polizeidiplomat, gewissermaßen die Ein-Mann-Vertretung der Bundespolizei im europäischen Partnerland. Seine Hauptaufgaben: Klinken putzen, Netzwerkpflege, Kontakte vermitteln. Er sollte möglichst viele Informationen zum Großproblem "illegale Migration" zusammentragen. Das war noch bevor die Balkanroute zum geflügelten Wort in der Tagesschau wurde. "Meine Bibel sind meine Outlook-Kontakte", sagt Ankner. An die 1500 Adressdaten sollen es mittlerweile sein. Von denen profitiere er bis heute. Im Moment arbeitet Guido Ankner im Sachgebiet "Gefahrenabwehr" bei der Bundespolizei in München. Er kümmert sich dort um bahnpolizeiliche Angelegenheiten.

Die Lehren aus seinen Auslandsmissionen hat Ankner aber bis heute fest verinnerlicht. Er hat erfahren, dass seine Worte plötzlich besonderes Gewicht haben können. "Als Polizeiattaché ist man nicht mehr der kleine Polizeihauptkommissar von daheim, da kann man sich keine Flapsigkeiten erlauben." Auch im Furtnerbräu wägt er die Sätze auf ihre Öffentlichkeitsverträglichkeit hin ab. Er ist zwar ein Freigeist, aber einer der felsenfest hinter seiner Institution Bundespolizei steht.

Erdbeben, Panzerfaustanschläge auf Diplomaten, Dienstkonferenz bei den ägyptischen Pyramiden, Olympische Spiele in Athen, die Autofahrt entlang eines kroatischen Minenfelds - so etwas bleibt hängen. Guido Ankner jedenfalls freut sich noch immer darüber, damals sein Studium der Lebensmitteltechnologie abgebrochen zu haben. Er wollte eben nicht wie einer seiner älteren Kommilitonen in einer Knochenleimfabrik arbeiten. Stattdessen ist er zur Bundespolizei gegangen. Seit zwei Jahren lebt er mittlerweile wieder in Kranzberg. "Aber ich möchte schon noch mal raus."