Messwerte Ultrafeinstaub in Flughafennähe

In Deutschland sterben jährlich über 40 000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. Für Ultrafeinstaub gibt es aber keine Grenzwerte - und daher auch kein Problem.

Kommentar von Johann Kirchberger

Irgendwie wird man den Verdacht nicht los, Grenzwerte würden exakt so festgesetzt, dass Umweltverschmutzer bequem darunter hinweg tauchen können. Das gilt für Wasser, Boden und Luft. Grenzwert eingehalten, alles in Ordnung. So gesehen ist das Urteil des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts höchst bemerkenswert, wonach in Wien-Schwechat keine dritte Startbahn gebaut werden darf, weil die CO₂-Belastung gewichtiger eingeschätzt werden müsse, als wirtschaftliche und arbeitsmarktpolitische Interessen.

Bei uns ist das anders. Da werden lediglich Ziele ausgegeben, da wird an die Freiwilligkeit appelliert und werden Gesetze erlassen, an denen Lobbyisten kräftig mitarbeiten. So wird seit Jahren über die Feinstaubbelastung geklagt, wird festgestellt, dass jährlich allein in Deutschland über 40 000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung sterben. Aber statt rasch zu handeln, wird herumlaviert. Der Bund drückt sich um seine Verantwortung, überlässt es einzelnen Städten, etwas zu unternehmen und einige wollen vielleicht im nächsten Jahr keine Dieselautos mehr in die Innenstädte fahren lassen, zumindest nicht die von Privatleuten. Toll!

Das Umweltbundesamt hat schon mehrfach betont, dass der Luftverkehr die klimaschädlichste Art des Reisens ist, aber welche Konsequenz wird daraus gezogen? Richtig, keine. Scheint auch nicht notwendig zu sein, denn die gesetzlich festgelegten Grenzwerte der Feinstaubbelastung werden ja eingehalten, wie nicht zuletzt die Flughafen München GmbH tönt. Die Luftqualität in Pulling oder Eitting sei vergleichbar mit vorstädtischen oder gar ländlichen Bereichen, heißt es unter Berufung auf eigene Messergebnisse. Wenn trotzdem Luftfilteranlagen in Pulling in kürzester Zeit schwarz würden, müssten andere Emittenten verantwortlich sein, der Straßenverkehr womöglich, aber nicht die Flugzeuge.

Weit gefährlicher als der gemessene Feinstaub ist allerdings der Ultrafeinstaub, der ungehindert in die Lunge eindringt und im menschlichen Körper erschreckende gesundheitliche Schäden anrichtet. Bis zu 115 000 Partikel pro Kubikzentimeter hat der Freisinger Bürgerverein in Flughafennähe gemessen, die Grundbelastung beträgt etwa 3000 Partikel. Bei der FMG kümmert das aber niemanden, denn für den Ultrafeinstaub gibt es keine Grenzwerte und keine zertifizierten Messgeräte. Offiziell gibt es daher gar keinen Ultrafeinstaub - und wenn doch ist er harmlos und zu vernachlässigen. Und die Messergebnisse des Bürgervereins? Panikmache.