Kommentar Ganz oder gar nicht

Warum die Grünen im Landkreis Freising Andreas Ammer nicht mehr für den Bezirkstag nominiert haben.

Von Peter Becker

Keine Zeit. Das ist die Entschuldigung von Andreas Ammer dafür, dass er in den vergangenen Jahren kaum eine Kreisversammlung der Grünen besucht hat. Für die saß er immerhin die vergangenen vier Jahre im Bezirkstag. Seinen Sitz hätte er im Wahljahr 2013 auch gerne verteidigt, doch auf diesem soll nach dem Willen des Kreisverbands der Grünen nun Johannes Becher Platz nehmen. Er nominierte den jungen dynamischen Nachwuchspolitiker aus Moosburg anstatt des arrivierten, stets gemütlich wirkenden Ammer als Bezirkstagskandidat. Der Kreisverband empfand dessen Fehlen bei den regelmäßigen Versammlungen als Affront. Es setzte Kritik an Ammer, der seine Parteikollegen offenbar in Unkenntnis darüber ließ, was er denn im Bezirkstag so alles bewegt.

Der Gescholtene verteidigte seine Nachlässigkeit mit dem Argument, er sei als Bezirksrat ja schließlich nicht nur für den Landkreis, sondern für ganz Oberbayern zuständig. Seine vielen Termine erlaubten ihm deshalb nur selten den Besuch von Kreisversammlungen. Der Mehrheit war diese Entschuldigung einerlei. Sie entschied sich für Becher.

Der frisch gekürte Kandidat muss allerdings selbst an seinem Zeitmanagement arbeiten, wenn ihm nicht ein ähnliches Schicksal widerfahren soll wie seinem Vorgänger. Stadtrat, Kreisrat, engagiert in Sport und Kultur - das Pensum, das er da aufzählte, ließ in manchem Grünen die Frage aufkommen, wie Becher denn eigentlich noch Zeit für sein Bezirkstagsmandat aufbringen will. Doch der 24-Jährige scheint mit jugendlichem Elan gewillt, sein Privatleben ganz der Politik unterzuordnen. Den ersten Schritt dazu hat er bereits in die Wege geleitet. Als Funktionär steht er den Fußballern beim TSV Moosburg demnächst nicht mehr zur Verfügung. "Ganz oder gar nicht!", so lautet Bechers Devise.