Kirche gegen Vergnügungspark Heiliges Land

Wer Land besitzt, dem gehört auch die Macht: Noch immer hat die katholische Kirche das ein oder andere Grundstück in strategisch wichtiger Lage. Deshalb kann sie bei wichtigen Projekten mitreden - und sie kippen. In Neufahrn im Landkreis Freising könnte der Bau eines Vergnügungsparks jetzt am Veto der Kirche scheitern.

Von Birgit Grundner und Christian Krügel

Wer Land besitzt, dem gehört auch die Macht, heißt es. Auch deshalb war die katholische Kirche über Jahrhunderte hinweg eine der mächtigsten Institutionen in Oberbayern - hier gehörte sie zu den größten Grundstücksbesitzern. Die Zeiten großer Bischofspfründe sind zwar längst vorbei, doch dank des ein oder anderen Grundstücks in strategisch wichtiger Lage ist die Kirche auch heute noch in der Lage, bei wichtigen Projekten mitzureden - und sie zu kippen.

In Neufahrn im Landkreis Freising ist das wohl gelungen. Denn am Veto der Kirche dürfte eines der umstrittensten Neubauprojekte der Region scheitern: der Bau eines großen Vergnügungsparks. Am Montag teilten die örtliche Kirchenverwaltung und der Pfründerat mit, die sieben Hektar Land nicht verkaufen zu wollen, das die Initiatoren eines "Bavaria Parks" unbedingt gebraucht hätten. Auf insgesamt 18 Hektar sollte ein großer Kultur- und Freizeitpark gebaut werden. Zwei Millionen Besucher im Jahr und entsprechende Einnahmen versprachen die Betreiber, die Gegner des Projekts warnten vor einer Art "Mickey-Maus-Bayern" und gravierende Folgen für Neufahrn und den Münchner Norden. Besorgte Neufahrner hatten bereits Unterschriften gesammelt und mit einem Bürgerentscheid gedroht.

Kirchenverwaltung und Pfründerat folgten jetzt der Stimmung im Ort. Zwar habe man vor zwei Jahren "grundsätzliche Verkaufsbereitschaft" signalisiert, so Pfarrer Wolfgang Lanzinger. Jetzt habe sich aber gezeigt, dass in den kirchlichen Gremien "mindestens 90 Prozent gegen einen Verkauf für diesen Zweck" gewesen seien. Man nehme die Sorgen und Bedenken der Menschen, die hier wohnen, ernst, so Lanzinger: "Sie stehen für uns über den mit diesem Projekt verbundenen wirtschaftlichen Interessen." Deshalb habe man sich gegen den Verkauf entschlossen.

Enttäuscht zeigte sich Neufahrns Bürgermeister Rainer Schneider über das Ergebnis, aber auch über das Vorgehen der Kirche. Diese habe schließlich sämtliche Unterlagen des Projekts gekannt. Hätte sie früher Bedenken geäußert, hatte man gleich einen anderen Standort ins Auge fassen können. Thomas Neff vom Initiativteam "Bavaria Park" will von einem Aus für das Projekt nichts wissen: Nun suche man eben neue Grundstücke in Neufahrn, auch andere Gemeinden hätten schon Interesse angemeldet.

Fraglich bleibt, ob die Kirche auch ein anderes Großprojekt zu Fall bringt, für das sie Land verkaufen soll. Ihr gehören Flächen, die für den Bau der dritten Startbahn am Flughafen gebraucht werden. Für die Gegner des Baus ist Kardinal Marx deshalb ein großer Hoffnungsträger - offenbar zu Recht. Dessen Sprecher Bernhard Kellner betonte am Montag noch einmal: "Wir bleiben dabei: Wir werden nicht verkaufen."