Kammerberg Sauberer Strom fließt

Das Windrad Kammerberg wird immer dann abgeschaltet, wenn Techniker auf dem Turm arbeiten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Obwohl noch in der Anlaufphase, hat das Kammerberger Windrad schon öfters seine maximale Energieausbeute von drei Megawatt erreicht. Auch die Nachbarlandkreise will die Energiegenossenschaft der Bürger jetzt versorgen

Von Alexandra Vettori, Freising

Im November ist das Bürger-Windrad Kammerberg in Betrieb gegangen ist, die ersten Wochen sind gut gelaufen, und auch mit der Energieausbeute ist die Bürgerenergiegenossenschaft als Betreiber der Anlage sehr zufrieden. "Schon in den ersten Stunden wurde zeitweise die maximale Leistung von drei Megawatt erreicht", sagt Vorstandsmitglied Martin Hillebrand.

Dass die drei 115 Meter langen Rotoren trotzdem oft still stehen, erklärt er damit, dass sich das Windrad immer noch in der Anlaufphase befindet. "Genau genommen ist es immer noch im Bau, wir haben es noch nicht offiziell abgenommen", erklärt Hillebrand. Nach wie vor führt der Hersteller Enercon laufend Tests durch, bei verschiedenen Windstärken und -richtungen, wobei die Anlage immer dann abgeschaltet wird, wenn die Techniker auf dem Turm arbeiten.

Über die ersten Einnahmen aus dem Verkauf des Windstroms können sich die privaten Anteilseigner und die Bürgerenergiegenossenschaft auch schon freuen, immerhin hat das Windrad am Weißlinger Forst 5,4 Millionen Euro gekostet. In den nächsten Wochen wird Enercon weitere Einstellungen und Tests vornehmen, um die Sicherheit und einen optimalen Betrieb zu gewährleisten. So stehe, erzählt Hillebrand, die 300-Stunden-Wartung an, bei der jede Schraube überprüft werde. Auch in nächster Zeit werde es deshalb immer wieder zu kürzeren Stillstandszeiten kommen.

Dass die Energieausbeute auch bei lauen Lüftchen nicht zu verachten ist, liegt daran, dass es sich bei dem Kammerberger Windrad um eine Entwicklung speziell für das Binnenland handelt. Sie zeichnet sich durch einen sehr großen Rotor und eine im Verhältnis dazu geringe Generatorleistung aus. "Dadurch kann die Anlage auch schon bei relativ geringen Windgeschwindigkeiten viel Strom erzeugen", erklärt Hillebrand. Benötigten bisher Windenergieanlagen derselben Leistung noch Windgeschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometern auf Nabenhöhe für die maximale Leistung, reichen dem Bürger-Windrad schon 43 Stundenkilometer. Im Teillastbereich werde dieses Verhältnis noch deutlicher: "Erzeugten bisherige Anlagen bei einer Windgeschwindigkeit von knapp 30 Stundenkilometern nur ein Viertel ihrer maximalen Leistung, so kann das Bürger-Windrad hier schon die halbe Leistung erzeugen", erläutert Hillebrand.

Und weil der Strom so schön fließt, werden dem Bürgerstrom, den die Energiegenossenschaft Freisinger Land seit dem Vorjahr anbietet, von sofort an zehn Prozent Windstrom aus dem Windrad am Weißlinger Forst beigemischt. Damit sei der Freisinger Bürgerstrom, sagte Hillebrand stolz, "einer der ganz wenigen deutschen Stromanbietern, der echten regionalen Strom aus erneuerbaren Energien anbietet".

Den Strom vom Freisinger Land beziehen laut Hillebrand derzeit 200 Abnehmer im Landkreis. In naher Zukunft könnten es rasch mehr werden, denn die Genossenschaft nimmt jetzt auch Kunden aus den Nachbarlandkreisen, wie Martin Hillebrand ankündigt: "Nachdem wir beim Start des Projektes Bürgerstrom zurückhaltend waren, bezüglich der Lieferung in benachbarte, kleine Netzgebiete wie Langenpreising, sind wir dank positiver Erfahrungen mittlerweile offener und bieten Bürgerstrom auch für Netzgebiete an, die an den Landkreis Freising angrenzen." Wer sich für einen Wechsel interessiert, kann sich unter www.beg-fs.de/buerger-strom/ informieren.