Jubiläum 50 Jahre Partner von Menschen mit Behinderungen

Monika Haslberger, Ulla Schmidt (Bundesvorsitzende der Lebenshilfe), Franz Burger und Michael Schwaiger (v.l.) vor dem ersten Bus der Lebenshilfe.

(Foto: Marco Einfeldt)

Mit einem Festakt feiert die Lebenshilfe Freising ihr Jubiläum. Hauptrednerin ist die einstige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Von Johann Kirchberger, Freising

"Wenn es die Lebenshilfe nicht gäbe, müssten wir sie morgen gründen", sagte Landrat Josef Hauner. Aber zum Glück gibt es sie ja, seit 60 Jahren im Bund und seit 50 Jahren in Freising und sie steht für moderne Behindertenhilfe, ist innovativ und kreativ, wie Vorsitzende Monika Haslberger sagte. Seit 50 Jahren ist die Lebenshilfe ein starker Partner für Menschen mit Behinderung und das ist am Samstag in der Luitpoldhalle gebührend gefeiert worden.

Die Lebenshilfe sei "das soziale Gewissen unseres Landkreises", so Hauner, mache sich für das Wohl und die Rechte der Behinderten stark. Deshalb unterstütze der Kreistag die Lebenshilfe auch, denn "alle Menschen sind Teil unserer Gesellschaft", rief der Landrat und zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Weizsäcker: "Es ist normal, verschieden zu sein". Behinderte Menschen bräuchten kein Mitleid, so Hauner, sie bräuchten Solidarität und hätten einen Anspruch auf Gleichberechtigung. Der Landrat lobte auch, was in den vergangenen Jahren von der Lebenshilfe geleistet worden sei. Aus provisorischen Verhältnissen sei ein vielfältiges Unternehmen entstanden, das sich um die Behinderten kümmere, von der Frühförderung bis zum Wohnen im Alter. Besonders freue er sich, so der Landrat, dass die Inklusion von den Kindertageseinrichtungen bis zu den Schulen erhebliche Fortschritte gemacht habe.

Geglückte Inklusion am Arbeitsplatz

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Festrednerin Ulla Schmidt sagt, Deutschland sei auch deshalb so sozial, weil es Vereine wie die Lebenshilfe gibt

Freisings Bürgermeister Hans Hölzl betonte die Toleranz zum Leben und das offene Miteinander, das in Freising zur Selbstverständlichkeit geworden sei. 1200 Menschen würden von der Lebenshilfe betreut, und damit noch weitere Vorhaben realisiert werden könnten, übergab er einen Scheck der Stadt. "Wir haben in den vergangenen 50 Jahren viel erreicht, aber noch viel mehr vor uns", sagte die Festrednerin des Abends, Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und ehemalige Gesundheitsministerin. Die Lebenshilfe-Vereine in Deutschland hätten einen hohen Anteil daran, dass die Bundesrepublik ein sozialer Staat sei. Unentwegt würden sie sich dafür einsetzen, dass niemand zurückgelassen werde und auch behinderte Menschen am Leben teilhaben könnten. Besonders lobte sie die Freisinger Vorsitzende Monika Haslberger, die im Bundesvorstand ihre Stellvertreterin sei und alles tue, "damit Menschen mit Behinderung bekommen, was sie brauchen".

Lob zollte Schmidt auch den Gründungsvätern und -müttern der Lebenshilfe, die erreicht hätten, dass behinderte Kinder nicht mehr versteckt werden müssten, sondern einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft bekommen hätten. Von den etwa 100 Gründungsmitgliedern der Freisinger Lebenshilfe sind übrigens noch sechs dabei, eine von ihnen, Inge Holzer, war auch persönlich anwesend und wurde später entsprechend geehrt. Das Recht auf volle Teilhabe für alle, sei ein Menschenrecht, sagte Schmidt. Deshalb forderte sie das Wahlrecht für alle. Auch Menschen mit Behinderung müssten dieses Recht haben, "wenn sie das wollen und können". Alles andere sei Diskriminierung.

Entschieden wehrt sich Schmidt gegen Bluttests in der Schwangerschaft

Große Verdienste im Einsatz für die Rechte der Behinderten hätten sich auch die Selbstvertreter erworben, sagte Schmidt. Sie zeigten, was behinderte Menschen alles können und hätten großen Anteil daran, dass es mittlerweile ein Bundesteilhabegesetz gebe. Ob auf Bundes- oder Landkreisebene, die Selbstvertreter beeindruckten die Politiker. Eine von ihnen ist Manuela Mühlhammer, sie ist Stellvertreterin im Freisinger Vorstand und übernahm mit Monika Haslberger die Begrüßung der Gäste. Entschieden wehrte sich die Bundesvorsitzende gegen einen Bluttest, mit dem schon im Mutterleib ein Downsyndrom festgestellt werden könne. Das wäre ja wiederum eine Aussonderung, so Schmidt. Wenn es keine Kinder mit Downsyndrom mehr gäbe, wäre das auch ein Verlust für die Gesellschaft. Lebenshilfe sei nun mal Hilfe zum Leben, jeder müsse die Chance haben, das Beste aus seinem Leben zu machen und müsse dabei die Unterstützung bekommen, "die er braucht".

Was Behinderte alles können, wenn sie gefördert und gefordert werden, zeigten zu Beginn bei ihrem musikalischen Willkommensgruß die Kinder der Integrativen Kindertagesstätte Moosburg und später auch die Nashville Cowboys und Cowgirls, eine integrative Band aus dem Anneliese-Schweinberger-Haus in Moosburg.

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