Hygienemängel bei Müller-Brot Bäckerei-Gründer ist "entsetzt"

Mit Bestürzung reagiert der Gründer und ehemalige Eigentümer von Müller-Brot auf die hygienischen Mängel. Unterdessen stellt sich heraus: Die Zustände bei der Großbäckerei sind schlimmer als vom Unternehmen zunächst dargestellt. Noch immer ist die Reinigung der Produktionsanlage nicht abgeschlossen.

Von Katja Riedel

Der Gründer und ehemalige Eigentümer der Großbäckerei Müller-Brot, Hans Müller, sagt, er sei "entsetzt" über den Skandal bei seinem früheren Unternehmen. Unter seiner Führung habe es "solche hygienischen Mängel nicht gegeben", erklärte Müller der Süddeutschen Zeitung. Er hatte die Mehrheit an seinem Unternehmen im Jahr 2003 an den Familienkonzern von Klaus Ostendorf verkauft, der früher dem Vorstand der Großbäckerei Kamps angehörte. Anfangs hatte Müller Ostendorf noch als "Familienfreund" bezeichnet, später ging man dann getrennter Wege.

Backen darf Müller-Brot bis auf weiteres nicht - darum springen andere Bäckereien ein und beliefern die Filialen der Kette.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die hygienischen Mängel in der Fabrik von Müller-Brot in Neufahrn scheinen hartnäckiger zu sein, als von dem Unternehmen zunächst dargestellt. Wie der Freisinger Landrat Michael Schwaiger am Sonntag erklärte, seien die Mängel immer noch nicht behoben. Die Reinigung gehe weiter.

Nach der Kontrolle am Freitagnachmittag hatten das Landesamt für Gesundheit- und Lebensmittelsicherheit (LGL) und das Landratsamt mitgeteilt, die Produktion bleibe stillgelegt. Unter anderem hatten die Kontrolleure in den vergangenen Monaten Mäusekot und Kakerlaken/Schaben gefunden.

Es sei, erklärte Schwaiger am Sonntag, "vereinbart worden, dass die Verantwortlichen im Betrieb den Kontrolleuren Bescheid geben, wenn sie erneut besucht werden wollen". Ein solcher Anruf sei bis Sonntagabend nicht erfolgt. Die Lebensmittelkontrolleure bräuchten einen Tag Vorlauf, ehe sie die Anlagen in Neufahrn erneut abnehmen können.

Ein Sprecher von Müller-Brot erklärte, das Unternehmen arbeite "derzeit mit Hochdruck" an der Wartung und Reinigung der Produktionszentrale in Neufahrn. Dazu gehören auch bauliche Veränderungen, um das Reinigungsmanagement in Zukunft zu verbessern und unsere Hygienestandards zu erhöhen." Es gelte jedoch: "Sauberkeit und effektive Umbaumaßnahmen für die Zukunft gehen vor Schnelligkeit."

Der Sprecher erklärte, dass die Filialen der Bäckerei an diesem Montag gleichwohl beliefert werden. Das Unternehmen erhalte sein Brot ab sofort von acht anderen Bäckereien aus ganz Bayern. Die Hofpfisterei aus München ist nicht mehr darunter. Sie war in der vergangenen Woche eingesprungen, hatte sich aber getäuscht gefühlt, weil Müller-Brot die Ersatzlieferung zunächst mit einem angeblichen Schwelbrand in der Neufahrner Brotfabrik begründet hatte.

Die Geschehnisse bei Müller-Brot haben mittlerweile eine politische Debatte über Lebensmittelkontrollen ausgelöst. So sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Sabine Dittmar: "Es ist ein Skandal, dass das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unter den Augen des damaligen Gesundheitsministers Söder zweieinhalb Jahre braucht, um die Öffentlichkeit zu informieren." Sie forderte eine "vollumfängliche Aufklärung" über die Prüfungsergebnisse der Behörden.

Die Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion im Bundestag, Mechthild Heil, bezeichnete die Lebensmittelkontrollen als zu "lax". "Es muss von Ländern und Kommunen sichergestellt werden, dass genügend Kontrolleure in den Betrieben sind", forderte Heil im Magazin Focus.