Gegen den Flughafen-Ausbau Attachinger Manifest

Bürgerinitiativen fordern bei internationaler Anwohner-Konferenz den europaweiten Stopp des Baus weiterer Start- und Landebahnen sowie ein achtstündiges Nachtflugverbot

Von Regina Bluhme

Im Kampf gegen die dritte Startbahn machen die bayerischen Bürgerinitiativen jetzt europaweit mobil. Am Anfang stand in Attaching die erste internationale Flughafen-Anwohner-Konferenz. Etwa 250 Teilnehmer aus Deutschland, Brüssel, Paris, London, Wien und Zürich kamen ins Sportheim. Sie verabschiedeten einstimmig am Samstag das "Attachinger Manifest", das unter anderem ein achtstündiges Nachtflugverbot fordert.

Plakate und Zeitungsausschnitte an Stellwänden zeigten, wie Bürger in anderen Städten gegen den Ausbau von Flughäfen kämpfen. Die Bürgerinitiative (BI) Attaching hat mit dem Aktionsbündnis "Aufgemuckt" und dem Netzwerk "Plane Stupid" das Treffen organisiert. Franz Spitzenberger, Sprecher der BI Attaching, ist sehr zufrieden, "dass so viele gekommen sind". Das freue ihn auch deswegen, "weil die Konferenz als Antwort gedacht ist auf die nationale Flughafenkonferenz vom bayerischen Finanzminister Anfang des Jahres".

Auf die Staatsregierung, die weiterhin am Bau der dritten Startbahn im Landesentwicklungsplan festhält, ist Hartmut Binner von "Aufgemuckt" gar nicht gut zu sprechen. "Grad auf die CSU hab ich eine Riesenwut", bekannte er.

Das dürfte Erich Irlstorfer, der in der Nähe Platz genommen hat, gehört haben. Der Freisinger CSU-Ortsvorsitzende, der zusammen mit Parteikollegen Matthias Felber zur Konferenz gekommen ist, entgegnet gelassen: Ein Politiker müsse auch Kritik aushalten können. Im Übrigen seien sich beim Thema dritte Startbahn "die Freisinger CSU und der Widerstand einig. Vormittags erzählte Michael Wilk über seine Erfahrungen aus Frankfurt. Zwei Referate widmeten sich dem Thema "Gesundheit". Eine Überschrift lautete: "Lärm macht dumm, krank und arm".

"Das kann einem echt Angst machen", sagte Anna Brückl aus Attaching, die in der Mittagspause selbst gebackenen Kuchen auf einem Tisch verteilte. Doch wegziehen komme für sie auf keinen Fall in Frage: "Ich bin doch hier aufgewachsen." Das Miteinander mache ihr Mut und "das zeigt uns auch, dass wir nicht aufgeben dürfen". Alexander Mahler vom "Forum für ökologisch-soziale Marktwirtschaft" sprach über "Abgaben auf Flugtickets" und John Steward von "airportwatch" aus London, berichtete darüber "how Heathrow was won". Dort haben es die Anwohner nach zehn Jahren Kampf geschafft: 2010 hat die britische Regierung den Plan für eine dritte Bahn aufgegeben. Allerdings würden in letzter Zeit die Lobbyisten des Flughafen verstärkt tätig, erklärte Steward. Die Anwohner von Heathrow bleiben wachsam und die Bürgerinitiative habe sich bis heute nicht aufgelöst.

Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher setzte in seiner Begrüßung gleich auf Internationalität: "Very welcome here in Freising", begrüßte er die Teilnehmer. Er lobte die Konferenz, weil sie die regionale Initiative "auf eine europäische Ebene hebt". Und er verwies darauf, dass die Münchner in einem Bürgerentscheid gegen den Bau der dritten Startbahn gestimmt hätten, deshalb sei "nicht wirklich nachvollziehbar, warum wir jetzt vor Gericht kämpfen müssen". Christine Margraf vom Bund Naturschutz, berichtete über den Stand des Gerichtsverfahrens. Das Ziel müsse generell sein, "den Flugverkehr zu reduzieren und die Schöpfung zu bewahren", forderte sie.

Um europaweit Druck zu machen, haben die Teilnehmer das "Attachinger Manifest" beschlossen. Das solle bald allen nationalen Parlamenten und dem EU-Parlament vorliegen, erklärte Helga Stieglmeier von "Aufgemuckt". Darin wird für Europa ein Ausbaustopp an Flughäfen gefordert sowie ein achtstündiges Nachtflugverbot, die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene, die Abschaffung der Steuerprivilegien, der Abbau von Subventionen im Luftverkehr sowie aktiver vor passivem Schallschutz.

Das Schlusswort sprach gewohnt kämpferisch Binner. Ihm sei bestätigt worden, dass die hiesigen Startbahngegner "deutschlandweit den von Flughäfen betroffenen Menschen und anderen Aktivisten Mut für den eigenen Widerstand machen". Wie der Kampf gegen die geplante dritte Startbahn effektiver gestaltet werden kann, welche Aktivitäten am ehesten Erfolg versprechen, darüber tauschten sich die Teilnehmer am Sonntag beim so genannten Kampagnentraining aus