Freundeskreis hält Erinnerung wach Sonderling und Querdenker

Bei einem Vortrag in der Volkshochschule erinnert Horst Müller an den Moosburger Josef Furtmeier. Der entschiedene Nazigegner unterstützte auch die Widerstandsgruppe "Weiße Rose"

Von Karlheinz Jessensky, Moosburg

Ein Stück Rasenfläche trägt heute in der Stadt Moosburg seinen Namen. Darüber hinaus ist Josef Furtmeier im Bewusstsein der Bürger so gut wie nicht vorhanden. Ausgenommen bei einem Freundeskreis, der seinen Namen trägt und der diesen stets in Erinnerung behalten will. Denn Furtmeier war ein zwar stiller, aber wirkungsvoller Unterstützer der Widerstandsgruppe Weiße Rose mit den Geschwistern Scholl, die im Nazi-Deutschland Flugblätter gegen Hitler verteilte und deren Mitglieder 1943 hingerichtet wurden. Horst Müller vom Freundeskreis hielt dazu einen viel beachteten Vortrag in der Volkshochschule.

Der Freundeskreis Furtmeier ist im Jahr 2008 entstanden. Er besteht aus drei Personen: dem Journalisten Horst Müller, dem früheren CSU-Bürgermeister Herbert Franz und der in Heimatangelegenheiten besonders engagierten Maria Hirschpointner. Zum 40. Todestag Furtmüllers im Jahr 2009 veranstaltete der Freundeskreis eine Ausstellung im Zehentstadel, die mittlerweile acht Mal, auch in Freising und München, gezeigt wurde. An seinem Geburtshaus an der Thalbacher Straße 3 gibt es eine Gedenktafel. Das Gelände um den Zehentstadel herum hat die Stadt als Josef-Furtmeier-Anger benannt.

Eine Gedenktafel am Geburtshaus von Josef Furtmeier an der Thalbacher Straße in Moosburg erinnert an den Mentor der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

(Foto: Marco Einfeldt)

Auslöser für die Gründung des Freundeskreises war das Buch eines Hamburger Historikers über die Widerstandsgruppe Weiße Rose, welches das Umfeld mit den sogenannten Mentoren beleuchtete. Einer von diesen war Josef Furtmeier, 1887 als Schneidermeisterssohn in Moosburg geboren. Als Mentoren oder "väterliche Freunde", Vordenker, Vertraute, Gesprächspartner, Ratgeber und Mutmacher waren diese Menschen prägend und unentbehrlich für Hans Scholl und seine Mitstreiter.

Wer Hans und seine Schwester Sophie Scholl mit ihrer Widerstandsgruppe "Weiße Rose" im Dritten Reich waren, dass sie Flugblätter gegen das Naziregime verteilten und mit ihren Freunden am 28. Februar 1943 verhaftet und hingerichtet wurden, ist geschichtliches Allgemeingut. Über das Umfeld der "Weißen Rose, und insbesondere über Josef Furtmeier ist wenig bekannt. Dass sein Wesen und Wirken gewürdigt wird, ist in großem Maße dem Freundeskreis zu verdanken.

Josef Furtmeier wurde 1887 als Sohn eines Schneidermeisters in Moosburg geboren. Im Februar 1943 wurde er von der Gestapo verhaftet und vier Wochen lang verhört. Aus Mangel an Beweisen ließ man ihn frei.

(Foto: privat)

In Moosburg galt Furtmeier weitgehend als Sonderling oder seltsamer Kauz, erinnerte sich der frühere Realschuldirektor Konrad Diewald. In der eigenen Familie schien Furtmeier nicht sonderlich geschätzt zu sein, meinte Herbert Franz, denn aus diesem Kreis seien nicht die geringsten Hinweise zu den Forschungen des Freundeskreises erfolgt. Der Hauch des Geheimnisvollen habe Furtmeier umgeben, von dessen Kontakten zur Weißen Rose habe man nichts gewusst oder wissen wollen. Müller bestätigte: "Aus der Bevölkerung kam überhaupt nichts." Und Diewald: "Es hat damals in Moosburg auch kein Interesse bestanden, die Nazi-Zeit aufzuarbeiten."

Wer also war Josef Furtmeier? Er ging einige Jahre aufs Dom-Gymnasium in Freising, scheiterte dort. Er sei ein schlechter Schüler gewesen, sagte Furtmeier später, habe mit den Lehrern auf Kriegsfuß gestanden. Furtmeier war ein schwermütiger Sonderling, aber ein sympathischer und humorvoller Querdenker. Ohne Abitur und allem Anschein nach ohne die geringsten Ambitionen trat er 1904 als Gerichtsschreiber im einfachen Dienst beim Amtsgericht Moosburg ein. Er überlebte als Soldat den Ersten Weltkrieg, schaffte den Aufstieg in den mittleren Justizdienst. Nach 29 Dienstjahren stuften ihn die Nazis nach dem Willkür-Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums als politisch unzuverlässig ein und schickten ihn in den Ruhestand. Man lastete ihm seine zeitweise KPD-Mitgliedschaft an, wohl aber auch seine "passive Resistenz gegen den Hitler-Gruß" und die Weigerung, in die NSDAP und die einschlägigen NS-Organisationen einzutreten.

Im Herbst 1941 traf Furtmeier im Haus des Münchner Soziologie-Professors Alfred von Martin zum ersten Mal auf Hans Scholl. Im philosophischen Dialog entwickelte sich eine Freundschaft, dann auch zu den übrigen Mitgliedern der "Weißen Rose". Sophie Scholl nannte ihn den lieben, alten Furtmeier, der im Laufe der Zeit ein wesentlicher Baustein für das geistige Fundament der Weißen Rose bildete.

Die Gestapo verhaftete Furtmeier im Februar 1943 und verhörte ihn vier Wochen lang. Aus Mangel an Beweisen wurde keine Anklage erhoben, er kam frei und mit dem Leben davon. Vielleicht rettete ihm das Leben, dass ihn die Nazis eher als Spinner denn als Mitläufer oder gar als Märtyrer sahen. Er hatte nicht den offenen und damit selbstzerstörerischen Widerstand gesucht, sondern sich im Hintergrund gehalten. Bis zu seinem Tod 1969 hat er das Naziregime, aber auch die Rolle der Heil-Hitler-Rufer sarkastisch und voller Zynismus gesehen. In der Nachkriegszeit als Entnazifizierer engagiert, kam er schon 1946 zu der schmerzlichen Erkenntnis: "Es ist alles vergessen, die Kriegserklärungen, die KZ-Lager."