Freising Nun komm, der Heiden Heiland

Das Heinrich Schütz Ensemble präsentierte Interpretationen des religiösen Motivs "Nun komm, der Heiden Heiland" von Johann Sebastian Bach.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Heinrich Schütz Ensemble setzt mit seinem Weihnachtskonzert Maßstäbe. Solisten, Chor und Orchester überzeugen durch ihre Bach-Interpretationen, historische Instrumente garantieren einen besonderen Klang

Von Anne Gerstenberg, Freising

Musikalische Maßstäbe hat am letzten Adventswochenende das Heinrich Schütz Ensemble mit seinem Weihnachtskonzert gesetzt. Das Programm war eine Präsentation der verschiedenen Interpretationen des religiösen Motivs "Nun komm, der Heiden Heiland", die Johann Sebastian Bach im Laufe seines kompositorischen Schaffens verfasst hatte. Mit herausragenden Solisten und einem besonderen Orchester gelang eine gekonnte Bach-Rezeption.

Die 35 Laiensänger des Heinrich Schütz Ensembles, die aus Landshut, Pfaffenhofen und Freising kommen, vereint ihre Leidenschaft für den Chorgesang. Chorleiter und Dirigent Zoltán Ambrus wählt seine Sänger mit Bedacht aus, entscheidend ist für ihn, wie gut sich eine Stimme in den Gesamtklang einfügt. Der Chor selbst sang jedoch nur die vier Choräle, die jeweils die beiden Kantaten einleiten und abschließen. Die langen Tenor- und Bass-Rezitative und Arien übernahmen externe Profis. Die schweren Soli meisterten bravourös der koreanische Tenor Moonyung Oh, der Mitglied im Chor des Bayerischen Rundfunks ist, und Burkhard Mayer, der als lyrischer Bariton sowohl als Solist als auch als Mitglied mehrerer Rundfunkchöre tätig ist. Die Sopran-Arie sang sehr schön Chormitglied Andrea Vollmerhaus. Im zweistimmigen Rezitativ überzeugte sie mit Anette Seeberg.

Auf die erste Kantate, die aus Bachs Weimarer Zeit stammt, folgten die drei Choräle aus den Leipziger Chorälen für Orgel, die ebenfalls "Nun komm, der Heiden Heiland" heißen. Gespielt hat diese an der Orgel Benedikt Celler. Der in Moosburg geborene Organist studiert nach einem Jungstudium im Fach Orgel nun Kirchenmusik und Konzertfach Orgel und ist in mehreren Gemeinden rund um Freising als Organist und Chorleiter tätig.

Dann sang der Chor Bachs Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden - Psalm 117". Begleitet wurde der Chor vom Orchester "Salzburg Barock", das für seine historische Aufführungspraxis bekannt ist. Die Musiker versuchen, die barocken Stücke so zu spielen, wie sie damals von dem Komponisten gedacht waren. Dazu gehört auch die Anwendung historischer Spielarten, die über die Jahrhunderte verloren gegangen waren. Durch andere Phrasierung und Akzentuierung haben die Musiker die Möglichkeit, ganz andere Klänge hervorzubringen. Außerdem verwendete das Orchester ausschließlich historische Instrumente, für deren Klang die Werke ursprünglich verfasst worden waren. Alle Streichinstrumente waren mit Darmsaiten bespannt, wie es zu Bachs Zeiten der Fall war, was einen dunkleren, raueren Klang erzeugte. Statt des Kontrabasses kam im Konzert eine Violone zum Einsatz, eine Vorstufe des Kontrabasses, die der Gambenfamilie entstammt.

Die Blasinstrumente kamen in ihrer historischen Version noch fast gänzlich ohne Klappen vor, was einen verminderten Tonumfang bedeutet. So war es dem Orchester möglich, die Stücke so wiederzugeben, wie sie wohl ursprünglich vom Komponisten gedacht waren. Durch die Kälte in der Kirche war die Gefahr sehr groß, dass sich die historischen Instrumente verstimmen. Das Orchester beugte dem durch häufiges Nachstimmen vor, was der klanglichen Qualität ebenfalls zuträglich war. Die Orchesterleiterin Veronica Braß, die selbst an der Orgel mitspielte, erklärte ihre Faszination für die historische Aufführungspraxis so: "Spielt man Stücke, die ursprünglich für historische Instrumente geschrieben waren, dann fühlt man, dass da irgendetwas falsch ist. Erst wenn man sie auf dem Instrument spielt, für das sie geschrieben wurden, fügt sich plötzlich alles zusammen. Das zu erleben, ist jedes Mal erneut großartig!"

Das Orchester spielte auch ein eigenes Stück, das "Concerto in D-Moll" für Oboe, Streicher und Basso continuo von dem barocken Komponisten Alessandro Marcello. Das Oboen-Solo präsentierte sehr gefühlvoll und mitreißend die israelische Oboistin Tamar Inbar, die als Solistin in der Münchner Staatsoper, in der Mailänder Scala und in weiteren großen Ensembles tätig ist. Die historische Oboe ohne Klappen spiele sich fast wie eine Blockflöte, erklärte sie.

Die zweite Kantate, die Bach als Thomaskantor in Leipzig schrieb, beendete der Chor mit einem Lobruf an Gott, seinen Sohn und den heiligen Geist. Für das begeisterte Publikum sang der Chor als Zugabe "Es wird scho glei dumpa" und stellte dabei a cappella seine herausragenden klanglichen Fähigkeiten unter Beweis, für die im Konzertprogramm leider wenig Raum war.