Flugstunden im Februar sind fast ausgebucht Ein Wahnsinnsgefühl

Nach den Trockenübungen geht es in den Windkanal. Instruktor Johannes Mischek (links) bringt Doris Pfaffenbichler bei, wie sie sich im Windkanal in der Waagrechten halten kann. Rasch geht es auch für Neulinge im Tunnel ganz nach oben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die "Flystation Munich" bei Mintraching lockt eine Woche nach ihrer Eröffnung bereits 40 Besucher pro Tag an. Darunter sind viele erfahrene "Profis". Und Neulinge sind vom Schweben im Windkanal begeistert

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Die "Flystation Munich" hat schon wenige Tage nach der Eröffnung die ersten Urlauber in den südlichen Landkreis gebracht. Drei Freunde sind aus der Schweiz angereist und haben sich in einem Echinger Hotel eingemietet. Von dort geht es jetzt täglich nach Neufahrn und in den Tunnel - so nennen Insider den Windkanal, in dem sie ein Windstrom mit bis zu 300 Stundenkilometern vom Bodennetz abheben lässt. Normalerweise machen die Freunde es ja umgekehrt: Sie sind Fallschirmspringer, machen in der Luft Formationsflüge und Figuren als Freeflyer. Trainieren lässt sich so was aber auch in dem 30 Meter hohen Betonbau nördlich von Mintraching - zusammengerechnet sind sie dort jeden Tag eine Stunde im Tunnel.

Günstige Eröffnungsangebote haben auch Fallschirmspringer aus Donauwörth angelockt, wie sie erzählen. "Und endlich gibt es so was mal vor der Haustür", loben die beiden Männer, die weitere Wege gewöhnt sind. Bis Bottrop oder auch Wien sind sie für ihr Hobby schon gefahren. Neufahrn ist so gesehen nur ein Katzensprung.

Aber: "Es kommt auch viel Laufkundschaft", hat Frontdesk-Managerin Molly Paul festgestellt. Sie ist eine von 15 Mitarbeitern in der Flystation und organisiert den Betrieb am Empfang und an der Theke. Viele schauen zum Beispiel nach dem Kino vorbei und kaufen Gutscheine. Andere wollen es gleich selbst ausprobieren. Bis zu 40 Besucher seien jeden Tag im Tunnel, schätzt Molly Paul, "der Februar ist schon relativ ausgebucht". Dabei spricht sie vor allem von den "Proflyers", die "ihre Skills vom Himmel trainieren". Für die "Profis" sind spezielle Zeiten eingeplant, sie trainieren oft zu mehreren gleichzeitig, und sie bleiben länger im Windkanal. Anfänger steigen dagegen meist mit zwei Minuten ein, und da haben Kurzentschlossene auch in diesem Monat noch gute Chancen.

So wie der 14-Jährige aus der Nähe von Augsburg, der gerade an der Kasse steht. Seine Mutter hat den 50-Euro-Schein schon gezückt. "Heute ist Mama-Sohn-Tag", erklärt sie, und das Bodyflying soll das Programm abrunden. Fliegen wird aber nur der Bub: "Ich glaube, er ist der mutigere", sagt die Frau lachend.

Maximilian Högn steht Kopf. Mit ein wenig Geschick findet jeder rasch heraus, wie er sich im Windkanal bewegen muss.

(Foto: Marco Einfeldt)

Anfänger bekommen neben Helm, Augen-Windschutz und Ohrenstöpseln relativ dicke Anzüge mit größerer Fläche, die das Fliegen im Tunnel bei niedrigerer Windgeschwindigkeit ermöglichen und Fehler in der Körperhaltung verzeihen. Die "Proflyer" dagegen tragen ganz enge Suits, jede kleine Bewegung verändert sozusagen die Flugbahn. "Je enger der Anzug, umso mehr ist es Bodyflying", erklärt Molly Paul. Die "Proflyer" bewegen sich beinahe schwerelos im Tunnel - liegen scheinbar entspannt waagrecht im Luftstrom, machen Salti und Drehungen, sitzen locker wie auf einem imaginären Stuhl, greifen sich an den Händen und kreiseln nach oben. Anfängern erinnern zunächst an Schwimmunterricht: Ein "Instructor" hält sie in der Waagrechten und zeigt mit Handzeichen immer wieder an, ob und wann sie Beine und Arme strecken oder anwinkeln sollen - so wie sie es vorher in einem kurzen Trockentraining ausprobiert haben. Schon nach der ersten Minute im Tunnel geht es freilich auch für Neueinsteiger im wahrsten Sinne aufwärts. Ein "Wahnsinnsgefühl", wie alle übereinstimmend danach erzählen. "Ich bin jetzt definitiv angefixt", gesteht ein Neufahrner Familienvater.

Ein Freisinger Zuschauer beobachtet das alles kopfschüttelnd. Zwei Jahre lang sei er auf dem Weg zur Arbeit an der Baustelle der Flystation vorbeigefahren, jetzt wolle er sich den "Riesenblock" von innen ansehen. "Für was soll das gut sein, wem nützt das?", fragt er, und fügt mit ironischem Ton hinzu: "Das ist ja wirklich ganz was Sinnvolles." Wie viel Energie hier wohl verbraucht werde, überlegt, der Mann, und was man Nützlicheres mit den neun Millionen hätte machen können, die der russische Investor Alexander Parmanin in die Anlage gesteckt hat. Seine Tochter, ein Teenager, sieht es offenbar aus einer anderen Warte: "Das ist bestimmt lustig", überlegt sie, während sie der Gruppe aus der Schweiz beim Trainieren zusieht.