Erdbeerzeit "Die schmecken noch so, wie Erdbeeren schmecken sollten"

Aus botanischer Sicht zählt die Scheinfrucht einer Erdbeere zwar gar nicht zu den Beeren, sondern zu den Sammelfrüchten beziehungsweise Sammelnussfrüchten. Schmecken tut sie aber so oder so, besonders frisch gepflückt vom Erdbeerfeld. Das finden auch Monika Kürzing und Anneliese Manlik (links).

(Foto: Marco Einfeldt)

Im Landkreis gibt es wieder Erdbeeren zum Selberpflücken. Wer kommt, schätzt Frische und Geschmack - und zahlt mehr als im Supermarkt.

Von Gudrun Regelein, Freising

Emil macht seiner Mutter einen Strich durch die Rechnung. Der acht Monate alte Knirps ist auf dem Weg von Lerchenfeld zum Erdbeerfeld in Tuching nicht - wie von ihr gedacht - in seinem komfortablen Fahrradanhänger eingeschlafen. Der steht jetzt im Schatten geparkt, und die mit Strandhut und Sonnenbrille gegen die Mittagssonne geschützte junge Frau schaut sehnsüchtig zum Erdbeerfeld.

Bis hierher ist der Duft der süßen, reifen Früchte zu riechen. Eigentlich wollte sie heute Erdbeeren zum Marmeladekochen pflücken, erzählt die Mutter und wiegt ihren Sohn in der Hoffnung, dass dieser endlich einschläft. "Gerade Erdbeeren verlieren sehr schnell ihr Aroma, deshalb möchte ich ganz frische verarbeiten und keine gekauften", sagt sie. Dass die Erdbeeren hier nicht unbedingt billiger sind als im Supermarkt - 3,90 Euro kostet das Kilo der selbst gepflückten Früchte - stört sie nicht. "Das Allerwichtigste ist, dass es schmeckt." Mütter oder auch Omas mit ihren Kindern seien derzeit die Hauptkunden, erzählt Alexander. Der 19-Jährige hat es sich in dem kleinen Verkaufshäuschen mit einer Liege gemütlich gemacht, springt aber sofort auf, wenn ein Kunde kommt. Derzeit seien das aber nicht besonders viele, berichtet er, maximal drei bis vier seien gleichzeitig da. Seit einer guten Woche hat das Erdbeerfeld Funck in Tuching nun schon geöffnet und in dieser Zeit seien vor allem die Anwohner zum Pflücken gekommen. "Vielleicht liegt das ja auch mit an der Hitze", meint Alexander. Ziemlich häufig würden Vorbeifahrende auch nur kurz anhalten und ein Schälchen der bereits gepflückten Erdbeeren kaufen, ein gutes Pfund kostet dann 3,80 Euro.

"Die schmecken noch so, wie Erdbeeren schmecken sollten"

Das Erdbeerfeld liegt in der prallen Sonne, am späten Vormittag sind gerade einmal zwei Kunden da. Eine Dame stellt eine prall gefüllte Schüssel auf die Waage. Gute zwei Kilo hat sie in einer Viertelstunde gepflückt. "Ich konnte einfach nicht mehr aufhören. Die schmecken noch so, wie Erdbeeren schmecken sollten - und nicht wie manchmal im Supermarkt nur nach Wasser", schwärmt sie. "Wenn sie alle sind, dann komme ich wieder. Ich wohne gleich in der Nachbarschaft." Noch bis Ende Juni hat sie dazu die Möglichkeit, bis dahin hat die Plantage geöffnet. Wenn das Wetter mitspielt. Allzu viel regnen darf es nämlich nicht, sonst faulen die Früchte schnell.

Das Feld gehört Rolf Schowalter und seiner Frau, sie sind die Inhaber von Erdbeeren Funck. Sein Schwiegervater pflanzte in den 60er-Jahren ein erstes Feld in der Nähe des Familienhofes im Altmühltal, erzählt Schowalter. Zum Pflücken kamen damals sogar Leute aus Nürnberg. "Heute muss man mit den Feldern zu den Kunden kommen", sagt er. Insgesamt fünf Felder hat er im Landkreis, sonst wäre es bei der weiten Anfahrt nicht rentabel. "Der Aufwand ist groß", meint Schowalter. Die Felder und Pflanzen müssen gepflegt werden. Kurz vor Saisonstart wird Heu eingestreut, Zäune werden gezogen, Verkaufshütten aufgebaut und Personal gesucht. Die Erdbeerfelder sind die Haupteinnahmequelle des Hofes, insgesamt knapp 20 haben die Schowalters. "Wir hoffen, dass es ein Trend bleibt." Das Pflücken koste zwar Zeit, aber der Kunde könne sehen, woher die Erdbeere komme, verschiedene Sorten probieren und sich jede Frucht aussuchen. Oder notfalls eine Schale am Stand kaufen.

Erdbeeren zum Selbstpflücken gibt es im Landkreis von verschiedenen Anbietern: Erdbeeren Funck (www.erdbeerenfunck.de); Erdbeeren Holzner (www.erdbeeren-holzner.de); Erdbeeren Ippisch (www.erdbeeren-ippisch.de); Erdbeeren Hofreiter (www.hofreiter.de).

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