Diskussion um den neuen Isarstrand Baden, spielen, lärmen

Die Idee begeistert viele Freisinger, sie polarisiert aber auch: Anwohner leiden jetzt schon unter nächtlichen Partys.

Von Alexandra Vettori

- An die 140 Interessierte sind der Einladung der Stadt Freising am Samstagnachmittag gefolgt und haben ihre Ideen zum neuen Isarbadestrand in Lerchenfeld eingebracht. Die Luft war nach eineinhalb Stunden Isar-Forum schon recht stickig im großen Sitzungssaal des Rathauses, die eifrig diskutierenden Anwesenden störte das aber nicht. In vier Gruppen standen sie vor Stellwänden, verschiedenen Themenkreisen zugeordnet, sammelten Anregungen, aber auch Kritik und überlegten sich Lösungen. Die Moderation hatte ein externes Team übernommen, das auch hitzigere Gemüter sanft in geordnete, sachorientierte Bahnen lenkte.

Bisher gibt es nur eine sehr grobe Vorstellung vom künftigen Freisinger Isarstrand. Danach soll der Fluss zwischen der Schwabenau und der Hochstraße aufgeweitet werden. Parkplätze wären an der Luitpoldanlage vorhanden, die künftigen Badegäste könnten den gegenüberliegenden Isarstrand dann per Steg erreichen. Letztendlich zeigten sich am Samstag beim Isarforum die Positionen, die schon davor deutlich geworden waren: Die einen wünschen sich einen lebhaften Treff zum Feiern und Baden an der Isar, die anderen, meist Anwohner, befürchten Lärm, Dreck und Verkehr. Nur in einem Punkt waren sich alle einig: in ihrem Lob für die Stadt, die ihre Bürger in den Planungsprozess einbezieht.

"Das ist hier kein Wunschkonzert", betonte Martin Maierhofer, der bei der Stadtverwaltung für das Projekt zuständig ist. Noch gebe es keine fixe Planung, deshalb würden die Anregungen des Forums jetzt gebündelt, anschließend sollen sie in die Pläne einfließen. Von der Resonanz auf die Einladung war er sehr angetan: "Ich bin positiv überrascht. Wir waren sehr unsicher, wie viele Leute kommen würden." Vor allem, dass sich nicht nur Anwohner im Rathaus eingefunden hatten, die gegen die gefürchtete Partyzone wetterten, freute Maierhofer. "Es ist ein sehr gemischtes Publikum da, und der größte Applaus ist gekommen, als ein Bürger das Projekt positiv gewertet hat."

In den einzelnen Diskussionsrunden sparten freilich viele nicht mit Kritik. "Ich habe keine Lust, dass die meinen Gartenzaun verheizen", echauffierte sich beispielsweise ein Anwohner in der Gruppe "Freizeitaktivitäten". Er forderte eine Aufsichtsperson, die die Einhaltung der Benimmregeln am künftigen Isarstrand überwache. "Weil, wenn ich zum fünften Mal bei der Polizei anrufe und sage, die machen da unten schon wieder ein Lagerfeuer, dann sagen sie, da ist wieder der Spinner", insistierte der Anwohner. Klare Regeln am Strand, dafür sprachen sich viele Teilnehmer aus, wohl wissend, dass die Kontrolle eher problematisch werden wird. Immerhin passten die Ziele der Freizeitgruppe gut mit denen der Familiengruppe überein. Dort sammelte man auf der Stelltafel Schlagworte wie: keine Grillplätze, Naturspielplatz, regelmäßige Reinigung.

Bei der nächsten Runde ging es um Naturschutz. "Man sollte bei der Planung auch berücksichtigen, was braucht der Fluss", sagte eine Frau. Eigentlich, betonte sie, müsste der gesamte Steindamm entfernt werden, um der Isar Raum zu geben. "Das Schleiferl ist für mich eher ein Witz." Immerhin, widersprach ihr Nachbar, ein Fischer, "für die Fische wäre das ganz gut, wenn es nur ein Einlaufbecken geben würde". Sehr schnell aber stieß auch die Naturschutz-Runde an ihre Grenzen: Renaturierung und Flussinteressen konkurrieren nun einmal mit dem erklärten Ziel, ein Freizeitgelände zu schaffen. Ähnlich unvereinbar schien die Frage um die Parkplätze zu sein: Während die einen gegen Parkzonen für den Isarstrand waren, weil das nur Publikum von auswärts anziehen würde, befürchteten die anderen, dass ohne solche Bereiche die umliegenden Straßen zugeparkt würden.

So wie Familie Will aus Lerchenfeld sahen es letztlich aber alle: "Das Forum an sich ist sehr interessant und man kann sich gut einbringen", lobte Thilo Will, seine Frau Gabi fügte hinzu: "Es ist auf jeden Fall positiv, dass etwas an der Isar gemacht werden soll." Ihre eigenen Vorstellungen vom Isarstrand hat die Familie natürlich auch: Während sich Thilo Will einen Trimm-dich-Pfad wünschte, stellte sich seine Frau eine naturnahe Erholungszone vor. Sohn Moriz wäre mit Klettergerüsten zwischen den Bäumen glücklich zu machen und findet die Idee vom neuen Strand "einfach supi".