Detektivarbeit Das verschollene Grab

Der Moosburger Musiker Georg Reindl hat nachgeforscht und fand die aufgelöste Ruhestätte von Heinrich Bärmann, dem Ersten Hofklarinettisten des bayerischen Königs Maximilian I, auf dem Münchner Südfriedhof

Von Alexander Kappen, Moosburg

Georg Reindl ist leidenschaftlicher Musiker. In Moosburg kennt man ihn etwa von seinen Auftritten beim Internationalen Familienfest, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber auch um die historische Spurensuche hat sich der staatlich geprüfte Musiklehrer bereits verdient gemacht. So sammelte er Bilder und Dokumente über die Musik im ehemaligen Moosburger Kriegsgefangenenlager Stalag VII A, die er 2014 in der Ausstellung "Unsere Hoffnung" präsentierte. Inzwischen hat Reindl, der Spaß an geschichtlichen Nachforschungen gefunden hat, auch überregional seine Spuren hinterlassen. Durch seine Initiative wurde die vor mehr als 100 Jahren aufgelöste Grabstätte des Klarinettisten Heinrich Joseph Bärmann am Alten Südlichen Friedhof in München wiederentdeckt.

Der Moosburger Musiker Georg Reindl hat sich auf die Suche nach der verschwundenen Ruhestätte des Klarinettisten Heinrich Bärmann (1784 bis 1847) gemacht. Am Alten Südlichen Friedhof in München wurde er fündig, auch wenn das Grab heute nur noch ein Stück Wiese ist.

(Foto: Georg Reindl/privat)

Der Name Bärmann ist in der Musik ein Begriff. Die "Klarinettenschule" von Carl Bärmann ist ein renommiertes Lehrwerk. Die interessante Persönlichkeit war freilich Carls Vater Heinrich Bärmann, ein Freund des Komponisten Carl Maria von Weber, Hofmusiker in München und zu seiner Lebzeit (1784 bis 1847) "der wahrscheinlich beste Klarinettist in Europa und damit eigentlich auch in der Welt", sagt Reindl. Der Moosburger begab sich auf Spurensuche und stellte fest, dass es "in der entsprechenden Fachliteratur über Münchner Friedhöfe keinen Eintrag" über Heinrich Bärmanns Grabstätte gab, schreibt Reindl in einem Beitrag für das Rohrblatt, einer Zeitschrift für Oboe, Klarinette, Fagott und Saxofon. Bei Recherchen im Internet stieß der Moosburger auf Florian Scheungraber, der Führungen am Alten Südlichen Friedhof anbietet. Reindl rief ihn an und erfuhr, dass Scheungraber Bärmann nicht kannte. Aufgrund seiner Tätigkeit bei der Friedhofsverwaltung hatte er dort jedoch Zugriff auf Aufzeichnungen, die bis ins Jahr 1834 zurückreichen. Scheungraber ging der Sache nach konnte ein paar Wochen später Vollzug melden: "I hob'm!"

Klarinettist Heinrich Bärmann.

(Foto: Georg Reindl)

In der Sektion 5, Reihe 17, Grab Nummer 35, das offenbarten die alten Aufzeichnungen, befindet sich das Grab von Heinrich Bärmann, in dem auch seine Frau Maria, sein Sohn Carl, dessen Frau Barbara, sein Sohn Heinrich, die Enkeltöchter Anna und Wilhelmine und Johann Obermeyer, vermutlich ein Enkel Bärmanns, ihre letzte Ruhe fanden.

Warum das Grab 1912 erlosch, darüber kann nur spekuliert werden. Aber für Reindl liegt es nahe, dass es mit Bärmanns Lebenswandel zu tun hatte. Er vergleicht Bärmann ein wenig mit "Teufelsgeiger" Niccolo Paganini, der in zahlreiche Frauen-Affären verwickelt war. Heinrich Bärmann wurde am 14. Februar 1784 in Potsdam geboren und kam 1806 als Erster Klarinettist an den Hof des bayerischen Königs Maximilian I. Dort lernte er die verheiratete Hofsängerin Helena Harlas kennen. 1810 trennte sie sich von ihrem Mann und bekam mit Bärmann fünf Kinder. 1811 begegnete er Carl Maria von Weber, der sein Freund wurde und wie Felix Mendelssohn Bartholdy Konzerte für ihn schrieb. Bärmann unternahm zwischen 1808 und 1843 zwölf Konzertreisen etwa nach Moskau, Sankt Petersburg, Paris, London, Prag, Wien und Italien. Nach dem Tod von Helena Harlas am 21. Oktober 1818 erhielt Bärmann am 13. Oktober 1821 vom Hof die Erlaubnis, Franziska Zimmermann zu heiraten. Im Mai 1822 trennte sich das Paar wieder. Am 13. Juli 1822 folgte Bärmanns Übertritt zum Protestantismus, am 19. September 1825 heiratete er Maria von Calatin. Trotz seines für damalige Zeiten skandalösen Lebenswandels stand Bärmann stets unter dem Schutz von Maximilian I. sowie dessen Sohn Ludwig I. und wurde zwei Tage nach seinem Tod am 11. Juni 1847 "unter großer Anteilnahme der Bevölkerung", wie Reindl schreibt, am Südlichen Friedhof beerdigt.

Später war Bärmann nicht mehr so wohl gelitten, am 5. Juni 1912 wurde sein Grab aufgelöst. Dank Reindl, inzwischen Mitglied der Internationalen Carl-Maria-von-Weber-Gesellschaft, ist das Rätsel um die Ruhestätte nun gelöst.