Der Trend geht zur Urne Pflegeleicht zur letzten Ruhe gebettet

Der neue Trend im Bestattungswesen gilt auch im Landkreis: Immer mehr Menschen werden nach ihrem Tod in Urnenwänden bestattet. Oft wohnen die Angehörigen weit entfernt, aufwändige Grabpflege ist für sie so nicht möglich.

Von lara liese

- Kein imposanter Grabstein, kein üppiger Blumenschmuck im Wechsel der Jahreszeiten. Auch im Landkreis Freising finden immer mehr Menschen ihre letzte Ruhe in einer vergleichsweise schmucklosen Urnenwand. Gisela Ferdinand, Betreuerin bei der Trauerhilfe Denk in Freising, vermutet den Grund dafür in den veränderten Lebensbedingungen: "Die Angehörigen wohnen weit weg, können sich nicht um die Grabpflege kümmern, und das Engagieren eines Gärtners ist für die meisten einfach zu teuer", berichtet sie.

Im Gegensatz zu Erdbestattungen, bei denen die Beerdigung spätestens vier Tage nach Todeseintritt stattfinden muss, darf es bei Feuerbestattungen auch etwas länger dauern. So hätten auch Verwandte, die weiter entfernt wohnen, die Möglichkeit an der Bestattung teilzunehmen, bemerkt die Trauerbetreuerin. Nicht zuletzt sei eine Feuerbestattung auch günstiger als eine Erdbestattung: "Die Summe, die an die Trauerhilfe gezahlt wird, bleibt gleich, weil ja auch bei Urnenbestattungen ein Sarg benötigt wird. Die Beerdigung selbst ist aber nur halb so teuer: Da wird bloß eine Person benötigt, bei Erdbestattungen braucht man zum Ausheben des Grabes schon mindestens vier Helfer", erklärt Ferdinand.

Die Entwicklung hin zu Urnenbestattungen zeichnet sich auch beim Freisinger Bestattungsinstitut Wimmer ab: "Die Leute brauchen heutzutage etwas Pflegeleichtes, und da eignen sich die Urnenwände sehr gut", meint die Angestellte Daniela Welzel. Viele Menschen hielten Feuerbestattungen außerdem für hygienischer. Insgesamt beobachtet Welzel eine aufgeschlossenere Haltung gegenüber ungewöhnlicheren Arten der Bestattung: "Viele wählen heute auch eine Baumbestattung, bei der man in der Natur an den Wurzeln der Bäume beerdigt wird."

Bei der Stadt Freising kann man den steigenden Bedarf an Urnengräbern ebenfalls bestätigen: "Momentan haben wir in den beiden Kolumbarien am Waldfriedhof noch 60 freie Plätze", sagt Irene Striegl von der Pressestelle der Stadt. Wenn weiterer Bedarf bestehe, werde das natürlich noch ausgebaut. Auch die Gemeinden im Freisinger Landkreis richten ihre Friedhofsplanung mittlerweile nach den neuen Trends im Bestattungswesen aus.

In Kranzberg, wo bislang noch keine Urnenwand stand, soll nun bald eine gebaut werden, berichtet Werner Egger, der Geschäftsführer der Gemeinde. "Wir stecken mitten in der Erweiterung - kleine Urnenwände - und Gräber sind in Planung", erläutert Egger. Die Entwürfe will der Planer dem Gemeinderat noch in diesem November vorstellen. Die Marktgemeinde Nandlstadt war schneller: Seit August 2009 gibt es hier eine Urnenwand. "Wir werden aber noch dranbauen, weil der Bedarf so hoch ist", erzählt Christine Maier von der Friedhofsverwaltung. Mehr als die Hälfte der sechzig Urnenplätze, von ihr "kleine Eigentumswohnungen" genannt, seien bereits belegt. "Der Bau einer neuen Wand dauert - deshalb werden wir das bald in Angriff nehmen", sagt Maier.

Dass "keiner bei der Grabpflege mehr groß was machen mag", erkennt auch die Moosburger Pfarramtssekretärin. Daher würden auch hier verstärkt Feuerbestattungen nachgefragt. "Schon in den vergangenen Jahren wurde die Zahl der Urnenplätze erhöht, wenn der Bedarf weiter steigt, werden wir dem natürlich auch Rechnung tragen", sagt sie. Kaum Änderungen verzeichnet man beim Echinger Friedhofsamt: Hier gebe es zwar immer mal wieder die Nachfrage nach einer Urnenwand, diese sei aber nicht übermäßig hoch. Dennoch mache sich der Gemeinderat Gedanken über die Planung und die Kosten einer solchen Wand, so eine Mitarbeiterin des Amts.