Appell an den Landkreis Sozialer Wohnungsbau

Söhl (BRK) fordert ein Zehntel von jedem Gewerbegebiet

Von Karlheinz Jessensky, Moosburg

Mit Blaulicht am Rettungswagen zum Verkehrsunfall unterwegs - so kennt man das Bayerische Rote Kreuz. Aber das BRK hat weit mehr Aufgaben, es ist auch ein Wohlfahrtsverband, einer der größten in Bayern noch dazu. Kindertagesstätten, Seniorenarbeit, betreutes Wohnen, die Tafel sind nur einige der Aufgaben, die in den Bereitschaften, der Wasserwacht, dem Jugendrotkreuz, der Bergwacht und der Gemeinschaft für Jugend und Soziales bewältigt werden. Über "soziale Herausforderungen" referierte der Kreisgeschäftsführer des BRK, Albert Söhl, bei der Moosburger SPD.

Unter sozialer Herausforderung versteht man in diesen Zeiten in erster Linie die Integration vieler Flüchtlinge. Söhl hatte einen größeren Blick auf die soziale Wirklichkeit. Mit den Flüchtlingen im Landkreis ist das BRK freilich "kräftig eingespannt". Im so genannten Notfallplan geht es um bis zu 300 Flüchtlinge und deren Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. In der Turnhalle der Moosburger Realschule beispielsweise, die erst in diesen Tagen nach ihrer zweiten Belegung wieder frei geworden ist. Das BRK fuhr die Flüchtlinge zur ärztlichen Untersuchung ins Freisinger Gesundheitsamt, beschaffte Schuhe in Mini-Größen und stellt die Betten in der Halle nach deren Abbau wieder im Freisinger Praktiker-Baumarkt auf - zusammen mit dem Technischen Hilfswerk.

In der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände (Arge), mit Rotem Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Lebenshilfe und Caritas, sind alle mit Flüchtlingen beschäftigt. Die Arge kümmert sich um die Koordination der Sozialarbeit im Landkreis. Früher gab es im Landratsamt einen Sozialhilfeausschuss, Landrat Pointner richtete dann ein Sozialforum ein, jetzt ist es die Arge. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist auch die Beschaffung von sozialem Wohnraum. Söhls Fazit aus einer Veranstaltung zu diesem Thema mit dem Leitenden Baudirektor Dienersberger von der Regierung von Oberbayern: "Eine Kommune ist in der Lage, sozialen Wohnungsbau zu betreiben", sofern sie dies ernsthaft wolle. Und die Forderung des BRK an den Landkreis: Bei der Neuausweisung von Gewerbegebieten ein Zehntel der Fläche als soziale Wohnbaufläche ausweisen.

Moosburgs ehemaliger SPD-Bürgermeister und heutiger Kreisrat Toni Neumaier warf Bundes- und Landesregierung vor, sich seit Jahren aus diesem Thema herausgehalten zu haben. "Jetzt haben wir ein Riesenproblem", verstärkt durch die Welle an Flüchtlingen. In großem Umfang werde es sicher keine Sozialwohnungen geben, denn Kreis und Kommunen hätten nicht das Geld dazu. Moosburgs SPD-Vorsitzender Martin Pschorr sagte zur Situation speziell in der Dreirosenstadt, die Idee, im ehemaligen Volkshochschulgebäude am Fronängerweg sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen, liege auf Eis, denn dort würden jetzt Flüchtlinge untergebracht. Die Stadtrats-SPD habe aber beantragt, in einem neuen Baugebiet in den Amperauen eine entsprechende Fläche auszuweisen.